Deutschland
Bei den Grünen schauen alle gebannt auf Cem Özdemir
Bis zur Wahl in Baden-Württemberg, wo Cem Özdemir um das Erbe des einzigen grünen Regierungschefs Winfried Kretschmann kämpft, halten bei den Grünen alle still. Eigene Antworten auf große Fragen wie die zunehmenden Verteilungskonflikte bleiben damit weiter aus.
Der Grüne Cem Özdemir: Sein Abschneiden bei den Landtagswahlen wird darüber entscheiden, in welche politische Richtung sich die Grünen künftig bewegen Foto: Thomas Kienzle/AFP
Die Grünen setzen im baden-württembergischen Landtagswahlkampf alles auf eine Person: Cem Özdemir blickt von den Wahlplakaten der Werbeagentur Jung von Matt staatsmännisch herab, darunter stehen knappe Slogans wie „Vertrauen“, „klarer Kurs“, „Erfahrung“. Oder auch „Der kann es“ in Anlehnung an den erfolgreichen Wahlkampf von CDU-Kanzlerin Angela Merkel vor ihrer letzten Amtszeit. Özdemir, der „anatolische Schwabe“, in der letzten Wahlperiode noch Bundeslandwirtschafts- und am Ende Bildungsminister, davor Parteichef, soll den bisher einzigen grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann nach der Wahl am 8. März als neuer Regierungschef beerben.
Doch die Chancen Özdemirs, dieses Maximalziel zu erreichen, stehen eher schlecht. In Umfragen, die allerdings schon etwas älter sind, liegen die Grünen mit rund 20 Prozent nur auf Platz drei hinter der CDU und der AfD. Dass Özdemir (60) als einer der beliebtesten deutschen Politiker gegen den weitgehend unbekannten, jungen und unerfahrenen CDU-Kandidaten Manuel Hagel (37) sowie die in Teilen rechtsextreme AfD noch aufholen kann, wird erwartet. Dass er aber die Wahl gewinnt, glauben angesichts des großen CDU-Vorsprungs nur wenige. Minimalziel der Grünen ist daher die Regierungsbeteiligung. Doch auch das ist kein Selbstläufer, denn Schwarz-Grün bräuchte mindestens 48 Prozent der Stimmen. Özdemir muss also möglichst mehr als die 20 Prozent holen, die ihm Umfragen versprechen.