Bulgarien
Der Erdrutschsieg von Ex-Präsident Rumen Radew löst in Brüssel Sorgen aus
Die Zeit der endlosen Neuwahlen scheint beim ärmsten EU-Mitglied vorläufig vorbei. Doch der Erdrutschtriumph des selbsterklärten Staatserneuers Rumen Radew wird in Bulgarien völlig anders bewertet als in Brüssel, das um die Westorientierung des Landes unter dem russophilen Ex-Präsidenten fürchtet.
Rumen Radew schaffte es innerhalb weniger Monate vom Präsidentenamt an die Regierungsspitze, wo er sich, erstmals nach einigen Jahrzehnten, auf eine absolute Mehrheit im Parlament verlassen kann Foto: Dimitar Kyosemarliev/AFP
Für die Stunde seines größten Triumphs hatte sich der einstige Kampfpilot in ein standesgerechtes Festgewand gehüllt. In einer schwarzen Bomberjacke und mit offenen Hemdkragen stellte sich Bulgariens Ex-Präsident Rumen Radew in der Wahlnacht dem sich ihm entgegen reckenden Mikrofonwald der Reporter. „Dies ist ein Sieg der Freiheit über die Angst, ein Sieg der Hoffnung über das Misstrauen“, kommentierte der 62-Jährige mit ernster Miene den Erdrutschsieg seines Wahlbündnisses „Progressives Bulgarien“ (PB).
Nichts bleibt nach Bulgariens achter Parlamentswahl in fünf Jahren, wie es war, in Sofia. Das bisherige Neunparteienparlament ist auf fünf Fraktionen geschrumpft. Der Stimmenanteil der fast zwei Jahrzehnte lang dominanten Gerb-Partei hat sich halbiert. Mit der sozialistischen BSP und der rechtspopulistischen ITN haben gleich zwei der drei Partner von deren letzten Minderheitsregierung nicht einmal mehr den Parlamentseinzug geschafft.