Helden in Lebensgefahr
Der gefährliche Kampf von Menschenrechtlern und Umweltschützern in Lateinamerika
Vor allem in Lateinamerika müssen Menschenrechtler und Umweltschützer um ihr Leben fürchten. Im Jahr 2024 starben in der Region nach Angaben von Global Witness mindestens 117 Aktivisten. Für 2025 erwartet die Nichtregionsorganisation ähnliche Zahlen.
„¡Vivos se los llevaron, vivos los queremos!“: Die Angehörigen der beiden Verschwundenen wollen ihre Liebsten lebend zurück Foto: Global Rights Advocacy
Die am stärksten betroffenen Ländern sind Brasilien, Kolumbien und Mexiko. Eines der Opfer war Paulo Paulino Guajajara, Sprecher der „Guarioes da floresta“ („Wächter des Waldes“) im nordbrasilianischen Bundesstaat Maranhao. Er geriet im November 2019 in einen Hinterhalt und starb durch einen Kopfschuss. Zuvor hatte er mehrmals Morddrohungen erhalten. Wie etwa Claudeth Assunçao: Die Vizepräsidentin der Quilombo-Gemeinschaft von Rosário in Salvaterra auf der Insel Marajó im Amazonas-Delta weiß, wie es ist, in einem Gebiet zu leben, in dem es kaum Rechtssicherheit gibt. Ihre Gemeinschaft, die vom Fischfang, Kunsthandwerk und landwirtschaftlichen Produkten lebt, ist im Dauerkonflikt mit den „Reis-Baronen“, die sich mit ihrer Monokultur ohne Rücksicht auf die teils indigenen Bewohner breitgemacht haben. „Wir führen seit 20 Jahren einen Prozess und haben noch immer keinen kollektiven Eigentumsnachweis erhalten“, sagt Claudeth. Die 32-Jährige hat einen Bachelor-Abschluss in Geschichte, findet aber wegen ihres politischen Engagements außerhalb der Gemeinschaft keine Arbeit.
Sie fährt mit uns über ein weites Waldgebiet, das kurz zuvor von einem Brand heimgesucht wurde. „Sie legen einfach Feuer und zerstören unser Land, damit wir es ihnen billig abtreten“, erklärt Claudeth, „oder sie bauen einfach eine Staße durch unser Gebiet.“ Wir kommen bei Antonio Carlos Lima vorbei, der erzählt, wie er gerade auf seinem Feld war, als ein Mann kam, der ihn anwies, die Arbeit einzustellen. „Er kam auf Geheiß des Großgrundbesitzers“, weiß Antonio. „Eine Woche später zündete er die Pflanzen an. Dann fuhr er mit Maschinen darüber und zerstörte das Feld.“