Serbien
Die Wut über das Schneeräumversagen der Machthaber trifft auch deren Barden
Nicht genügend Geld für Räumfahrzeuge, Schneeschippen und Straßensalz, aber dennoch Mittel für fürstlich honorierte Festtagskonzerte regimetreuer Goldkehlchen: In Serbien trifft die Volkswut über das Schneeräumversagen der Machthaber auch deren gut bezahlte Bänkelsängerinnen.
In der serbischen Hauptstadt wie hier vor dem Parlament werden Gehwege noch vom Schnee befreit, in der Provinz hingegen sieht es ganz anders aus Foto: AFP/Oliver Bunic
Andere Länder, andere Festtagssitten. Mit zweiwöchiger Verspätung pflegen traditionsbewusste Serben den Jahreswechsel nach der julianischen Zeitrechnung als „Serbisch Neujahr“ in der Nacht vom 13. zum 14. Januar zum zweiten Mal zu feiern. Doch richtige Partystimmung kam in der Provinzstadt Cacak trotz des Auftritts einer von den Stadtvätern angeheuerten Volksmusikdiva dieses Mal nicht auf.
Schneebälle prasselten der Sängerin Ana Bekuta entgegen, als sie im Stadtzentrum ihre von Trillerpfeiffen, Pfiffen und wütenden Protestrufen übertönten Weisen anstimmen wollte. „Schämt Euch! Habt Ihr keine Mütter, Schwestern und Großmütter?“, empörte sich die 66-jährige Gesangsveteranin, die schließlich ihre Band auf der Bühne allein dem Schneeballhagel trotzen ließ: Selbst flüchtete sie in einen von der Polizei abgeschirmten Kleinbus, in dem sie mit ihrem Mikrofon auf der Rückbank sitzend trotzig ihr Repertoire und ihre fürstliche Gage absang: Umgerechnet schlappe 40.000 Euro hatte sich die Stadt das verunglückte Serbischneujahrskonzert kosten lassen.