Interview mit dem deutschen Historiker Götz Aly

„Gemessen an Hitler ist selbst Trump vergleichsweise langsam“

Der Historiker Götz Aly beschäftigt sich in einem Buch mit Nazi-Deutschland und der Frage, wie das geschehen konnte. Im Interview spricht er über Irrtümer über die NS-Zeit, Faktoren, die Hitler überhaupt erst ermöglichten – und er erklärt, wie vergleichbar die heutige Lage mit der damaligen ist.

Porträt von Götz Aly, deutscher Historiker und Autor, vor neutralem Hintergrund

Götz Aly Foto: Susanne Schleyer

Tageblatt: Herr Aly, wo sehen Sie die größten Irrtümer über die NS-Zeit?

Götz Aly: In den Medien wird häufig so getan, als seien „die Nationalsozialisten“ extrem verbrecherische Marsmenschen gewesen. Sie waren aber Deutsche – und als solche benenne ich sie auch in meinem Buch. Es waren ganz normale Menschen, die an den Verbrechen beteiligt waren. Der Übergang von der Volks- zur Verbrechensgemeinschaft ging sehr schnell. Die Mitwisser, die Passiven und auch die halb- und viertelherzigen Befürworter des NS-Staats stützten Hitlers Regierung oder ließen sie gewähren.

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