Die ratternden Aktenvernichter von Budapest
Vertuschungsmanöver und Kapitalflucht von Ungarns scheidender Regierung vor dem Machtwechsel?
Mit einem Amt zur Sicherung des Staatsvermögens hofft Ungarns künftiger Premier Magyar, die durch Korruption verursachten Schäden zu begrenzen. Die scheidende Regierung scheint die Zeit vor dem Machtwechsel nicht nur zur Aktenvernichtung zu nutzen: Es mehren sich die Hinweise auf Kapitalflucht.
Peter Szijjarto, Außenminister von Ungarn Foto: Virginia Mayo/AP/dpa
Ausgerechnet in der bittersten Stunde von Ungarns Noch-Premier Viktor Orban glänzte sein treuester Knappe durch Abwesenheit: Der sonst kaum von seiner Seite weichende Außenminister Peter Szijjarto war am Wahlabend weder bei Orbans Eingeständnis seiner Niederlage noch bei der tristen Fidesz-Wahlparty zu sichten: Selbst auf seinem sonst nahezu im Stundenrhythmus aktualisierten Facebook-Profil schien der sonst so mitteilungsfreudige Szijjarto wie vom Erdboden verschluckt.
Gerüchte, dass sich der durch die brühwarme Weitergabe vertraulicher EU-Interna an Moskau ins Gerede gekommene Chefdiplomat ins Ausland abgesetzt haben könnte, wurden erst zu Wochenbeginn widerlegt. Erst tauchten am Montagvormittag Aufnahmen auf, die Szijjarto beim eiligen Gang in sein Ministerium zeigten. Dann klärte wenige Stunden später Ungarns künftiger Premier Peter Magyar bei seiner Pressekonferenz die Weltöffentlichkeit über das Tagewerk des ab- und wiederaufgetauchten Chefdiplomaten auf.