Prozess um mutmaßliche Polizeigewalt

„Es war Blut auf dem Boden, auf dem Stuhl und am Opfer“

Vier Polizisten stehen vor Gericht. Die Richter verhandeln über einen Fall von mutmaßlicher Gewalt und Vertuschung im ehemaligen Kommissariat am Hauptbahnhof. Ein Zeuge berichtet, was vorgefallen ist.

Wache am belebten Hauptbahnhof mit Sicherheitsdienst und Reisenden im Hintergrund

Die Wache am Hauptbahnhof Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante

Der junge Polizist verlässt mit hängenden Schultern und gesenktem Blick den Saal. Michael O. hat gerade am Mittwoch ausgesagt. Es ist der zweite Tag des Prozesses wegen mutmaßlicher Polizeigewalt im ehemaligen Kommissariat C3R am Hauptbahnhof. Vier angeklagte Polizisten beobachten ihn im Gerichtssaal in Luxemburg-Stadt. Manchmal zittert seine Stimme, während er erzählt, was an jenem 20. Mai 2023 in der Wache vorgefallen sei.

An diesem Abend findet der ING Marathon statt, die Stadt ist rammelvoll, die Polizisten haben viel zu tun. Michael O. ist mit seinem Kollegen Sam T. auf Patrouille. Beide sind „Frischlinge“, wie der Richter es nennt. Gegen 19.30 Uhr hören sie Geschrei aus dem Café Relax in der rue de Strasbourg. Sie treffen dort auf Fernando V., der sich aufbrausend verhält. „Er war alkoholisiert“, sagt Michael O. Eigentlich wollten die Polizisten ihn nicht mit auf die Wache nehmen. Als Fernando V. jedoch Fahrradfahrer anschreit, revidieren sie ihre Entscheidung.

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