Literatur

„Wörterbuch der Sprache der Blumen“ – Lobo Antunes’ vielstimmiges Meisterwerk

Die portugiesische Regierung rief Staatstrauer aus, als er am 5. März starb. António Lobo Antunes hat mehr als drei Dutzend Bücher geschrieben, die meisten Romane. Sein vorletzter, 2020 im Original erschienen, kam kurz vor dem Tod des Autors auf Deutsch heraus: „Wörterbuch der Sprache der Blumen“.

António Lobo Antunes (1942-2026)

António Lobo Antunes (1942-2026) Foto: Nuno Ferreira Santos/Público

Júlio de Melo Fogaça ist gebildet und elegant. Der Sohn einer verarmten portugiesischen Großgrundbesitzerfamilie ist zudem ein aktives Mitglied der Kommunistischen Partei. Doch die Partei wird nicht zu ihm stehen, als er im Gefängnis landet. Vermutlich liegt es an seiner Homosexualität. Mit dem im Februar auf Deutsch bei Luchterhand erschienenen „Wörterbuch der Sprache der Blumen“, im portugiesischen Original „Diccionario da Linguagem das Flores“ bereits 2020 veröffentlicht, setzt António Lobo Antunes einer bedeutenden, aber bereits fast in Vergessenheit geratenen Persönlichkeit der portugiesischen Geschichte des 20. Jahrhunderts ein Denkmal. In 23 Kapiteln erzählen 23 Menschen, die Fogaça (1907-1980) begegnet sind, ihn gekannt und geliebt haben. Die selbst nicht in Erscheinung tretende Hauptfigur wird mithilfe von Lobo Antunes’ einzigartiger Sprache und in seinem unverkennbaren Stil heraufbeschworen, die Maralde Meyer-Minnemann kongenial ins Deutsche übertragen hat. Fogaça wird im Bewusstseinsstrom seiner Freunde und Parteigenossen, Familienmitglieder und politischen Gegner, aber auch von Geheimpolizisten und in der Erinnerung seines jungen Liebhabers erkennbar.

Schrecken des Kolonialkrieges

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