Editorial

Europa muss mit verstärkter Unterstützung der Ukraine Putin unter Druck setzen

Die Europäer sollten ihre überlegene Wirtschaftskraft nutzen, um die Ukraine derart militärisch zu unterstützen, dass Russland den Krieg nicht gewinnen kann, meint Guy Kemp im Leitartikel.

Fußgänger gehen an durch russischen Luftangriff schwer beschädigtem Wohnhaus in Hafenstadt Odessa vorbei

Fußgänger gehen an einem durch einen russischen Luftangriff schwer beschädigten Wohnhaus vorbei, das sich in der weit von der Font entfernten Hafenstadt Odessa befindet Foto: Oleksandr Gimanov/AFP

Widersprüche gehören zum US-Präsidenten Donald Trump. Das zeigt der Umstand, dass er sich zwar offensichtlich um eine Friedenslösung in der Ukraine bemüht, der US-Präsident aber mit seinem Entgegenkommen gegenüber dem russischen Machthaber Wladimir Putin sowie dem gleichzeitigen Zurückfahren der Hilfen für Kiew dazu beigetragen hat, dass Moskaus Truppen den Druck auf dem Schlachtfeld erhöhen konnten. Doch weder am Verhandlungstisch noch an der Front kam es im vierten Kriegsjahr zu Fortschritten und nennenswerten Veränderungen. Vielmehr ist Trump einstweilen mit seinem Vorgehen gescheitert. Russland greift die Ukraine weiterhin unvermindert an und die sogenannten Friedensgespräche begrenzen sich darauf, dass der Kreml auf die Durchsetzung all seiner Forderungen beharrt.

Dabei ist längst die Erkenntnis herangereift, dass Putin nur unter Druck bereit sein könnte, sich ernsthaft an Verhandlungen zu beteiligen. Diesen Druck wird nicht Washington aufbauen, das scheint mittlerweile klar zu sein. Das müssen die Europäer tun, denn es ist in ihrem ureigenen Interesse. Zuvorderst müssen sie die militärische Unterstützung der Ukraine weiter ausbauen. Der deutsche Kanzler Friedrich Merz mag zwar in seiner Rede bei der Münchner Sicherheitskonferenz festgestellt haben, dass die europäische Wirtschaftskraft der russischen um ein Vielfaches überlegen ist. Doch wenn diese Kraft nicht genutzt wird, bleibt das eine bloße Feststellung. Denn es ist angesichts dessen nicht zu verstehen, dass sich auf der gleichen Konferenz der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj darüber beklagte, dass seiner Luftabwehr in den vergangenen Wochen zeitweise die Munition ausgegangen war. Was u.a. zu erheblichen Schäden an der Energieinfrastruktur des Landes geführt hat.

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