Editorial

Luxemburgs verzwickte Verkehrssituation braucht so langsam ein Wunder

Luxemburg steckt im Verkehr fest: Seit Jahrzehnten werden Konzepte angekündigt, Pläne diskutiert und Lösungen versprochen – doch auf den Straßen wird die Lage für Pendler und Anwohner immer unerträglicher.

Stau auf der RN1 bei Grevenmacher, Luxemburg: Pendler im Feierabendverkehr erleben starken Verkehr und lange Wartezeiten.

Hochbetrieb auf der RN1 bei Grevenmacher: Für Pendler ist die Verkehrssituation in Luxemburg teilweise unerträglich Foto: Editpress/Julien Garroy

Der Verkehr in Luxemburg ist zu einem echten gordischen Knoten geworden. In der griechischen Mythologie galt der Knoten am Streitwagen des phrygischen Königs Gordios als so kompliziert, dass ihn niemand entwirren konnte. Ganz ähnlich präsentiert sich heute fast täglich die Verkehrslage im Großherzogtum. Vor allem morgens reiht sich für Pendler ein Stau an den nächsten und der Weg zur Arbeit wird nicht selten zur regelrechten Odyssee.

Zwar wird auf nationaler Ebene fieberhaft nach Lösungen gesucht, doch bis konkrete Maßnahmen umgesetzt werden, vergehen oft Jahre. Ein Beispiel dafür ist der Ausbau der Autobahnen. Auf der A3 wurde dieser zwar auf einigen Kilometern realisiert, jedoch längst nicht durchgehend. Und auch der „multimodale Korridor“ entlang der A4 – mit Radschnellweg, Schnellstraßenbahn sowie einer eigenen Spur für Fahrgemeinschaften und Busse – liegt noch in weiter Ferne. Ganz zu schweigen von der seit Jahren vernachlässigten Nordautobahn, die bereits in Ettelbrück endet und anschließend in eine gefährliche Schnellstraße übergeht.

Ein weiteres Beispiel ist die Umgehungsstraße für die Kordall-Gemeinden, insbesondere für Käerjeng. Seit mehr als 30 Jahren wird darüber diskutiert, das Finanzierungsgesetz wurde bereits 2018 verabschiedet. Doch bis heute sind die Bagger nicht angerollt – auch, weil das Projekt weiterhin auf Widerstand stößt.

Immer wieder werden groß angekündigte Konzepte präsentiert. Oder zumindest wird versprochen, dass dieser „Nationale Mobilitätsplan“, jener „Regionale Mobilitätsplan“ oder die „Restrukturierung des RGTR“ sämtliche Probleme analysieren, neue Lösungen liefern und die Verkehrssituation grundlegend verbessern sollen. Doch wie viele dieser Konzepte sind letztlich wieder in Schubladen verschwunden, galten wenige Jahre später bereits als überholt oder versprechen – wenn überhaupt – erst in fünf oder sechs Jahren eine spürbare Entlastung?

Unterdessen setzen zahlreiche Gemeinden – teilweise aus purer Verzweiflung – verstärkt auf lokale Mobilitätspläne. Denn kaum jemand kann bestreiten, dass die Leidtragenden dieser zunehmend verfahrenen Situation die Bürger sind. Sie müssen täglich lange und belastende Arbeitswege in Kauf nehmen. Gleichzeitig sinkt die Lebensqualität in vielen Ortschaften spürbar: Das hohe Verkehrsaufkommen gefährdet Fußgänger und Radfahrer, verursacht dauerhaft Lärm und schlechte Luft und verwandelt sogenannte Schleichwege durch Wohnviertel immer mehr in kleine Autobahnen.

Der Frust richtet sich dabei oft gegen jene Politiker, die im Alltag am nächsten stehen: die Gemeinderäte. Und diese wollen – und müssen – handeln.

Bleibt also die Hoffnung, dass die lokalen Mobilitätspläne konkrete und umsetzbare Maßnahmen enthalten, die tatsächlich zu einer Entlastung beitragen können. Skepsis bleibt jedoch angebracht, wenn sich bereits die Ausarbeitung solcher Pläne über Jahre hinzieht und dabei immer wieder darauf verwiesen wird, dass manche Probleme von einer einzelnen Gemeinde allein nicht gelöst werden können. Das mag zwar stimmen, doch bei vielen Bürgern wächst dadurch vor allem die Frustration. Denn welchen Sinn hat ein Plan, der entweder nie umgesetzt wird oder erst Jahre später auf die Probleme von heute reagiert?

Besonders bitter ist dabei, dass Luxemburgs Verkehrsprobleme keineswegs erst in den vergangenen Jahren entstanden sind. Vielmehr begleiten sie ganze Generationen bereits ihr Leben lang. Und dennoch stehen Politik und Experten immer wieder vor denselben Knoten, die sie offenbar nicht zu entwirren vermögen.

Kein Wunder also, dass sich inzwischen manche Menschen radikale Lösungen wünschen, um endlich wieder für etwas Entspannung auf Luxemburgs Straßen zu sorgen. Doch ein „Wundermittel“ – wie einst die Entscheidung Alexanders des Großen, den gordischen Knoten kurzerhand mit dem Schwert zu durchtrennen – hat Luxemburg bis heute nicht gefunden.

<< < 1 2 > >> 
5 Kommentare
Velo 14.05.202609:02 Uhr

Ein unlösbares Problem, Ueberfremdung,Ueberbevölkerung sind
die Ursachen im Ländle, wird immer mehr und die Politik will
einfach nix beilernen.

Millie 12.05.202620:34 Uhr

Die Leute die im Stau stecken, WOLLEN das, sonst würden sie Zug und Bus benutzen.

Grober J-P. antwortete am 13.05.202610:49 Uhr

Stimmt haargenau. Hatte das mit Bus und Bahn mal probiert an einen bestimmten Arbeitsplatz (auf 15 km Entfernung, Luftlinie) zu gelangen. Bus, Bahn, Bus, etwa 2 Stunden, neben einigen Mitreisenden denen die Nasen anderer quietsch waren. Dann lieber im Stau, mit "In the shuffling madness" im Ohr.??

Phil 11.05.202622:50 Uhr

Die Physik macht es vor... will man das Quantum an Wasser durch einen Schlauch erhöhen, muss man den Querschnitt verbreitern. Wenn nicht, steigt der Druck im Schlauch und es kommt zu einem Rückstau. Die Kontinuitätsgleichung scheinen unsere Verkehrsplaner trotz Universtätsabschluss nicht zu kennen... oder deren Obrigkeit will Bernoulli und Pascal einfach nicht wahrhaben und negiert die Strömungsgesetze.

Reinhard Bilo 11.05.202616:59 Uhr

Vielen Dank, Madame Oé, für den interessanten Artikel. Die CR172 Limpach-Pissingen- Ehlange ist tatsächlich eine solche Mini-Autobahn. Der völlig unnötige Durchgangsverkehr nimmt hier keinerlei Rücksicht auf Verkehrsregeln. Die Straße ist so schmal, dass Gegenverkehr auf den Bordstein ausweichen muss, während der Bürgersteig zu eng ist für Kinderwagen oder Rollstühle. Seit vier Jahren bemühen sich Anwohner, dass die Straße im Sinne des Plan National de Mobilité multimodal wird – bisher ohne Erfolg. Selbst eine Unterschriftensammlung der Anwohner in Limpach hat nichts bewirkt. Nebenbei ist diese Straße auch die nationale Radroute Nr. 9.

Manfred Reinertz Barriera 11.05.202613:56 Uhr

Wir müssten eben ein gesamtkoordiniertes Netz von Bahn und Bus nach Schweizer Muster haben; ordentlich durchdacht, damit der Individualverkehr aufhört, weil er nicht mehr benötigt wird, oder minimal reduziert wird; aber bis heute geht es nicht, weil die Transportmöglichkeiten eben nicht an die Bedürfnisse angepasst sind, zeitlich und örtlich…

Das könnte Sie auch interessieren

Editorial

Die „Energie-Tripartite“ sollte eine Umwelt-Tripartite sein

Editorial

Ausgemolken: Von Ekabe bleibt nur das Etikett