Editorial

Wie die Klo-Frage uns in die Krise stürzt

Unisex-Toiletten erhitzen momentan die Gemüter in Luxemburg. Der Tonfall der Debatte und der Kommunikationsmangel zwischen den Koalitionsparteien sind allerdings schockierender als das Vorhaben des Bildungsministeriums. Ein Blick ins Klo.

Symbolbild inklusive Toiletten: Theorie gut, Umsetzung mit Herausforderungen in barrierefreiem Badezimmerdesign

Symbolbild: In der Theorie klingen inklusive Toiletten nach einer guten Idee, aber ... Foto: Isabel Spigarelli

Die Einführung von Unisex-Toiletten an Luxemburgs Schulen treibt das Land momentan auf die Online-Barrikaden. Die Kloschüsseln drohen die CSV-DP-Koalition in die Krise zu stürzen. Genauso wie die Luxemburger Gesellschaft, die derzeit eines ihrer hässlichsten Gesichter zeigt.

Über Unisex-Toiletten lässt sich durchaus streiten. Lasst uns einen Sitzkreis bilden und besprechen, für wen das stille Örtchen bisher ein Rückzugsort war und warum. Zusammen mit Mädchen, Jungs „and everyone in between“. Eine konstruktive Debatte zum Thema ist wichtig. Klar. Doch wer zurzeit am lautesten brüllt, sind Menschen, die sich wie Aasgeier auf Gleichstellungspolitik stürzen und jede Gesprächsbasis zerfleischen wie ein totes Tier.

Auf Facebook wünscht sich ein User unter einem Post des ADR-Abgeordneten Tom Weidig die Wiederauferstehung von „Addi“. „Da wör seier Schluss matt dem Scheiss.“ Geschwätz, das wir nicht mehr mit einem „een Eefalt ass ëmmer dobäi“ quittieren dürfen. „Addis“ Vernichtungspolitik kostete Millionen Menschen das Leben, die Errichtung genderneutraler Schulen nur Geld. Der einzige „Scheiss“, der ins Klo (unisex oder nicht) gehört, sind Menschenhass und Gewalt.

Dasselbe gilt für die Annahme, Unisex-Toiletten seien ein gefundenes Fressen für Pädokriminelle. Als hätten die je Halt vor einer Klotür gemacht. Studien belegen: Die Übergriffe auf Kinder gehen meist von Familienmitgliedern oder engen Bekannten aus; die Gewalt gegen Frauen oft von Expartnern oder Lebensgefährten.

Das Argument mit der Pädokriminalität bedient außerdem ein gängiges Narrativ: Jeder Schritt hin zu Genderneutralität und Gleichheit muss doch zwangsläufig mit einem Anstieg der Straftaten und sexuellen Perversionen einhergehen. Queerfeindlichkeit pur. Dabei sind es ausgerechnet LGBTIQA+ und marginalisierte Menschen, die starker politischer und sozialer Gewalt ausgesetzt sind. Früher und heute.

Statt die hitzige, menschenfeindliche Debatte zu beruhigen, gießt die CSV Öl ins Feuer. Einerseits brüstet sie sich online mit ihrem Einsatz für eine offene sexuelle und affektive Bildung, andererseits betont sie: „D’CSV ass kloer géint Unisex-Vestiairen an Unisex-Toiletten an de Schoulen“. Die ADR klatscht begeistert Beifall, die DP schaut vermutlich dumm aus der Wäsche.

Nicht nur, weil es Schulen weiterhin freisteht, auf genderneutrale Umkleiden zu verzichten, und die CSV mit ihrem Beitrag gefährliche Halbwahrheiten vermittelt. Noch dazu untergräbt sie die Glaubwürdigkeit der DP, die das Projekt diese Woche in einer Kommissionssitzung vorstellte. Die Partei ist bekanntlich sowohl für das Ministerium für Gleichstellung und Diversität als auch für Bildung zuständig.

Die Freiheit, den Schwangerschaftsabbruch in der Verfassung zu verankern, winkte die CSV noch durch. Bei Unisex-Toiletten zieht sie die Reißleine. Niemand erwartet, dass sich die Koalitionsparteien in allem einig sind. Der frappierende Kommunikationsmangel, der hier zum Ausdruck kommt, ist jedoch Wasser auf die Mühlen politikverdrossener Wahlberechtigter – und das ausgerechnet in Sachen Genderpolitik, die ohnehin einen schweren Stand hat. Die CSV und die DP hätten es besser wissen müssen. Jetzt ist die Kacke am Dampfen.

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5 Kommentare
Manfred Reinertz Barriera. 01.02.202603:19 Uhr

Geet et da nach mam Geescht? würde ich da wohl sagen...

Yves ALTWIES 31.01.202619:16 Uhr

Was fuer ein unoetiges Theater. Unverstaendlich dass Herr Meisch sich ein solch faules Ei selbst ins Nest legt. Die ADR jubiliert u. dies war leicht vorhersehbar. Wichtigere Themen/Belange werden auf diese Weise leider wieder auf die lange Bank geschoben. Was macht der CEO um Ordnung in den Stall zu bekommen ? War er nicht informiert, o. hat er die "politische Gefahr" seinerseits nicht erkannt? P.S. Diese Reform erscheint mir persoenlich, im hoechsten Masse, unsinnig. Pure Zeit- u. Geldverschwendun

Dunord Hagar 31.01.202619:10 Uhr

Ich halte ich mich prinzipiell ans Männlein-Schild - aber wenn ich mal eine dringliche "Urgence" habe, schäme ich mich nicht im Damenabteil meine Notdurft zu verrichten.
Trotzdem ist diese Diskussion so nötig wie Durchfall... eben "ein Griff ins Klo!"

Fraulein Smilla 31.01.202618:38 Uhr

Ein ziemlich polemischer Beitrag , wo versucht wird die CSV in die Naehe von Irgendwelchen Sottisen aus dem Internet , die es wirklich nicht wert sind ueberehaupt erwaehnt zu werden ,zu ruecken . Was " Addi " angeht , fuer dessen Fans gilt der anscheinend als der Durchschnittshetero , was er definitiv nicht war . Seine Liaison mit seiner 19 Jahre juengeren Nichte Geli Raubal die sich 23 jaehrig aus Verzweiflung mit Hitlers Pistole erschoss , und dass Ernst Roehm , der einzige seiner Paladine mit dem er per Du war am Ende ueber die Klinge springen musste , war nicht dessen Homosexualitaet geschuldet die ihm auch bestimmt nicht von der Welt war -Es geht hier um die Wehwehchen einer ganz kleinen Minderheit die sich anscheinend nicht wohl findet wenn sie die Klos und Duschen ihres biologischen ( ja so was gibt es tatsaechlich ) Geschlechts benutzen soll . Und wenn es sich um LGBTQ handelt , dann ist der Wunsch gleich Befehl .

Sacki 31.01.202618:31 Uhr

Do geseit een alt ërem wéi konzeptlos déi iwerhiefléch
CSV-DP Regierung séch behöllt,alt ërem egal waat.
Si können mol nëtt matt Sch....drèck ëmgoën.
Kasperltheater sonnergleichen.

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