Nach Wahl in Ungarn

EP-Abgeordnete gegen voreilige Freigabe von EU-Geldern

Mit der Wahlniederlage des bisherigen Regierungschefs Viktor Orban und dessen Fidesz-Partei am Sonntag steht in Ungarn ein politischer Neuanfang bevor. Doch auch das Verhältnis zwischen Budapest und der Europäischen Union muss neu geordnet werden, vor allem im Hinblick auf die eingefrorenen rund 18 Milliarden Euro an EU-Geldern für Ungarn sowie das laufende Verfahren nach Artikel 7 des EU-Vertrages.

Peter Magyar, künftiger ungarischer Regierungschef, hofft auf baldigen vollen Zugang zu EU-Fördergeldern für Ungarn

Der künftige ungarische Regierungschef Peter Magyar hofft darauf, dass sein Land bald wieder vollen Zugang zu den EU-Fördergeldern bekommt Foto: Attila Kisbenedek/AFP

Mit dem Wahlsieg des Orban-Herausforderers Peter Magyar und dessen Tisza-Partei bei den Parlamentswahlen am Sonntag in Ungarn dürfte ebenfalls ein Wandel in den Beziehungen mit der EU einhergehen. Denn Viktor Orban hatte sein Land während seiner 16-jährigen Regierungszeit zusehends von der europäischen Rechts- und Wertegemeinschaft entfernt. Das hatte dazu geführt, dass nicht nur das Europäische Parlament (EP) im September 2018 ein Verfahren nach Artikel 7 des EU-Vertrags gegen Ungarn angestrengt hat, das zum Stimmverlust der ungarischen Regierung in der EU führen könnte. Darüber hinaus hat die EU-Kommission Budapest den Geldhahn zugedreht und an die 18 Milliarden Euro aus verschiedenen EU-Fördertöpfen auf Eis gelegt, da die Orban-Regierung nicht nur den Rechtsstaat erheblich demontiert, sondern auch der Korruption im Land quasi freien Lauf gelassen hat. Da sich die Regierung weigerte, dem Einhalt zu gebieten, sind dem ungarischen Staat in den vergangenen Jahren bereits einige Milliarden an EU-Geldern unwiederbringlich verloren gegangen. Und es drohen weitere Verluste.

Allerdings warnten die beiden deutschen EP-Abgeordneten Daniel Freund (Grüne) und Moritz Körner (Renew) am Dienstag im EP davor, die eingefrorenen EU-Gelder ohne weiteres freizugeben. „Eine sofortige Freigabe der Gelder ist nicht möglich, wir geben keinen Blankoscheck, nur weil es eine Wahl gab“, sagte der Grünen-Abgeordnete. Denn es müsse sichergestellt werden, dass nicht noch mehr öffentliche Gelder „in den Taschen von Orbans Familie und Freunden“ landen.

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