Vignette in Belgien

Kein Rabatt für die Nachbarn: Wer ab Mai nach Belgien fährt, muss zahlen

Luxemburg hat gebeten, Briefe geschrieben und Ministerinnen geschickt. Die Wallonie bleibt hart: Ab Mai 2027 zahlt jeder, der auf belgischen Straßen fährt. Auch wenn er nur zum Pommesholen über die Grenze will.

Auf belgischen Autobahnen gilt ab Mai: Wer keine Vignette hat, muss büßen

Auf belgischen Autobahnen gilt ab Mai: Wer keine Vignette hat, muss büßen Symbolfoto: Editpress/Alain Rischard

Luxemburger erzählen gern Belgierwitze, aber diesmal lacht man sich in Namur ins Fäustchen. Die wallonische Regierung lehnt die von Luxemburg geforderte Ausnahme für die Grenzregion ab. „Der Vorschlag einer territorialen Ausnahme wurde geprüft“, sagte der wallonische Mobilitätsminister François Desquesnes (Les Engagés) gegenüber L’essentiel. Das Ergebnis der Prüfung ist nun bekannt. Eine regional begrenzte Ausnahme sei „undenkbar“, ließ sein Kabinett laut RTL wissen. Es gelte der Grundsatz der Gleichbehandlung – das ist die europäische Bestimmung, an der das deutsche Mautvorhaben gescheitert ist.

125 Euro

Die Jahresvignette kostet je nach Fahrzeug zwischen 90 und 125 Euro

Heißt konkret: Ab dem 1. Mai 2027 braucht jedes Auto unter 3,5 Tonnen eine digitale Vignette, sobald es eine belgische Autobahn oder Regionalstraße befährt. Egal, ob es in Lüttich oder in Luxemburg zugelassen ist. Egal, ob die Fahrt nach Ostende geht oder nur bis zur Brocante nach Arlon. Die Jahresvignette kostet je nach Fahrzeug zwischen 90 und 125 Euro. Für Gelegenheitsfahrer gibt es kürzere Varianten bis hinunter zum Tagesticket. Wer ohne Vignette erwischt wird, zahlt 70 Euro. Bei Wiederholung kann sich der Betrag verdoppeln oder verdreifachen. Ein schwacher Trost bleibt: Auch die Belgier selbst müssen zahlen.

Harte Nachbarschaft

Luxemburg hatte es auf mehreren Wegen versucht. Vier DP-Abgeordnete forderten im August in einem offenen Brief eine vignettenfreie Zone entlang der Grenze. Auch die Regierung bat Namur, eine solche Zone zu prüfen. Man wolle die „unverzichtbaren Alltagswege der grenzüberschreitenden Lebensräume“ erhalten, schrieb Mobilitätsministerin Yuriko Backes (DP) in ihrer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von Marc Hansen (DP). In derselben Antwort erkannte die Regierung ausdrücklich die belgische Souveränität in der Straßenpolitik an.

327 Mio.

Die Wallonie rechnet mit Einnahmen von 327 Millionen Euro pro Jahr. Das Geld soll in Straßen und Brücken fließen.

Desquesnes versichert, er nehme die Sorgen der Händler an der Grenze ernst. Wer hofft, ein Bußgeld einfach auszusitzen, wird indes enttäuscht. Für die Eintreibung greifen laut Desquesnes die europäischen Mechanismen der gegenseitigen Amtshilfe. Luxemburger Polizisten treiben also das Geld der Mautsünder für die belgischen Kollegen ein.

Die Wallonie rechnet mit Einnahmen von 327 Millionen Euro pro Jahr. Das Geld soll in Straßen und Brücken fließen. Wer schon einmal zwischen Arlon und Bastogne einem Schlagloch ausgewichen ist, wird das nicht für die schlechteste Idee halten.

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5 Kommentare
Klodi 18.10.202616:47 Uhr

Da fiert een einfach net méi dohinner!

cg 18.10.202613:30 Uhr

Und was sagen die Geschäftsleute nahe der Grenze dazu? Die werden wohl mit Verlusten rechnen müssen.

Grober J-P. 18.10.202609:14 Uhr

"zwischen Arlon und Bastogne einem Schlagloch ausgewichen ist" Dann sind wir mal gespannt wann die unzähligen Schlaglöcher gestopft werden. Pauvre Belgique oder eher pauvre Wallonie. Fahren sie mal die N49 und dann die N4, Schlaglöcher auf der ersteren gibt es keine, die (9) macht es. Wie sagte Jean-Pierre aus Bastnach, wir sind benachteiligt, kalte Winter, weiß de, deshalb die Löcher!

Ujheen 18.10.202607:47 Uhr

An op wat woarden eis Artisten an der Regierung da nach? 53 000 belsch Grenzgänger, Dag fir Dag…

Millie 18.10.202604:05 Uhr

Ich nehme an, IKEA wälzt sich auf dem Boden vor Begeisterung.

Die Belgische Polizei wird wohl am Autobahnausgang und im Kreisverkehr Grasse ein Vermögen einnehmen.

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