UN-Bericht
Menschheit „gefährlich weit“ vom Erreichen ihrer Klimaziele entfernt
Die Menschheit ist laut einem UN-Bericht „gefährlich weit“ vom Erreichen ihrer Klimaziele entfernt. Die gegenwärtigen nationalen Klimaschutzmaßnahmen seien völlig unzureichend und der weltweite Treibhausgasausstoß weiter „auf Rekordstand“, kritisierte UN-Generalsekretär António Guterres am Mittwoch anlässlich des sogenannten Emissions Gap Report des UN‑Umweltprogramms (UNEP).
Ein ausgetrocknetes Sonnenblumenfeld in Italien: Die Hitzewellen im Sommer gaben einen Vorgeschmack auf das, was in den kommenden Jahren Normalität sein dürfte Foto: Stefano Rellandini/AFP
Der Bericht ist eine deutliche Mahnung knapp drei Wochen vor der Weltklimakonferenz in Antalya. Das UNEP ermittelt in seinem Bericht alljährlich die Lücke zwischen den zu erwartenden Emissionen und den Werten, die für eine Erreichung der Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens notwendig wären.
Selbst wenn alle Staaten ihre neuesten Klimaschutzzusagen vollständig erfüllten, steuere die Erde bis 2100 auf eine folgenschwere Erwärmung um 2,6 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu, heißt es im neuesten Bericht. Angesichts des gegenwärtigen klimapolitischen Kurses der Staaten sei sogar mit einer Erwärmung um 2,8 Grad zu rechnen.
Vergangenes Jahr war der Bericht noch von einer Erderwärmung um 2,3 bis 2,5 Grad ausgegangen. Die internationale Gemeinschaft hatte sich im Pariser Abkommen von 2015 darauf verständigt, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad, möglichst aber auf 1,5 Grad zu begrenzen.
Erde bereits um 1,4 Grad erwärmt
Guterres kritisierte nun, die Menschheit habe ihr Wort gebrochen. „Die Welt kann es nicht mehr verhindern, die 1,5-Grad-Grenze zu überschreiten, und die Konsequenzen sind jetzt schon zerstörerisch“, erklärte der UN-Generalsekretär. „Tödliche Überflutungen, brutale Hitzewellen, wütende Waldbrände, Todesfälle, gelähmte Volkswirtschaften“ seien die Folge. Dennoch stiegen die Emissionen aus der Nutzung von Erdöl, Erdgas und Kohle, den größten Treibern der Klimakrise, 2025 im Vergleich zum Vorjahr weiter leicht an.
Seit der Industrialisierung hat sich die Erde bereits um etwa 1,4 Grad erwärmt. Klima-Wissenschaftler warnen, dass jede minimale Erwärmung über 1,5 Grad hinaus das Risiko für unumkehrbare negative Folgen wie etwa das Schmelzen von Gletschern erhöht. Guterres appellierte an die führenden Industrie- und Schwellenländer (G20), die für drei Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind, den Kampf gegen die Erderwärmung anzuführen.
Emissionen jährlich um sechs Prozent reduzieren
Laut dem Unep-Bericht hat sich der Ausblick insbesondere wegen des Ausstiegs der USA aus dem Pariser Klimaabkommen verschlechtert. Angesichts eines erhöhten Strombedarfs und eines vermehrten Rückgriffs auf Kohlekraftwerke stießen die USA dem Bericht zufolge vergangenes Jahr 133 Megatonnen CO2‑Äquivalent mehr Treibhausgase aus als im Vorjahr – ein Zuwachs, der die Anstiege jedes anderen Landes „bei weitem übertreffe“.

UNEP‑Chefin Inger Andersen kritisierte diesen Kurs. Schließlich habe der Klimawandel „Auswirkungen auf jedes Land auf dem Planeten, die USA eingeschlossen“. Von den sechs größten Treibhausgas-Emittenten der Welt stießen außer den USA auch Indonesien und China 2025 mehr Emissionen aus als 2024. Einen Rückgang gab es in Indien, Russland und der Europäischen Union.
Laut dem UNEP‑Bericht besteht eine 50-prozentige Chance, dass der globale Temperaturanstieg bis 2100 wieder auf 1,5 Grad zurückgefahren werden kann. Dafür müsste er bis 2050 mit 1,8 Grad seinen Höhepunkt erreichen. Für das Szenario „zurück zur 1,5‑Grad-Grenze“ müssten die weltweiten Emissionen laut UNEP bis 2035 jährlich um jeweils rund sechs Prozent zurückgefahren werden. Nach heutigem Stand ist dies allerdings nicht realistisch.