Deutschland/Russland

Prozess gegen Karnevalskünstler Jacques Tilly in Moskau

Dem Bildhauer Jacques Tilly wird in Moskau wegen einiger Karnevalswagen der Prozess gemacht. Eine Ladung hat er nie erhalten. Stattdessen informiert ihn die deutsche Botschaft. Der Künstler erklärt, warum Satire Diktatoren mehr trifft als Hass.

Jacques Tilly vor seinem farbenfrohen Karnevalswagen 2024 mit detailreicher Skulptur beim Rosenmontagszug

Der Bildhauer Jacques Tilly vor einem seiner diesjährigen Karnevalswagen Foto: Ina Fassbender/AFP

Ein Karnevalswagen, auf dem Figuren von Kremlchef Wladimir Putin und dem russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill zu sehen sind – beim Oralverkehr. Darunter die Botschaft: „From Russia with Love“ (Liebesgrüße aus Russland). Um dieses Motiv ging es am Donnerstag in dem umstrittenen russischen Strafverfahren in Moskau gegen den Düsseldorfer Bildhauer Jacques Tilly.

Dem Karnevalskünstler wird dort in Abwesenheit der Prozess gemacht – unter anderem wegen des Vorwurfs, russische Staatsorgane verunglimpft und Putin sowie das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche beleidigt zu haben. Bei der Beweisaufnahme wurden Aussagen von Zeugen und Experten sowie Ermittlungsergebnisse verlesen. Demnach gaben drei Zeuginnen – nach eigener Darstellung gläubige Christinnen – an, sich durch den Karnevalswagen in ihren religiösen Gefühlen verletzt zu sehen. Auch das kann in Russland mit hohen Strafen geahndet werden. Die Zeuginnen waren aber nicht selbst vor Gericht erschienen.

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