Schweres Unglück in Frankreich

Mehr als 40 Verletzte bei entgleistem Zug – keine Hinweise auf Anschlag

Ein Regionalzug mit rund 180 Passagieren entgleist. Die Ermittler gehen nach derzeitigen Erkenntnissen nicht von einem Anschlag aus. Ein Augenzeuge schildert die dramatischen Sekunden.

Rettungskräfte sind am Unfallort im Einsatz, nachdem im Nordwesten Frankreichs ein Zug entgleist war

Rettungskräfte sind am Unfallort im Einsatz, nachdem im Nordwesten Frankreichs ein Zug entgleist war Foto: Guillaume Saligot/AFP/dpa

Nach einem Zugunglück mit mehr als 40 Verletzten im Nordwesten Frankreichs dauern die Ermittlungen zum entgleisten Regionalzug mit rund 180 Passagieren auf der Strecke zwischen Rouen und Caen an. Französische Medien berichteten unter Berufung auf Polizeikreise jedoch, dass derzeit der Verdacht einer vorsätzlichen Tat verfolgt werde. Auf der Strecke wurde demnach ein Stück Schiene gefunden.

Es gebe aber bisher keine „Anhaltspunkte für eine ‚böswillige‘ Handlung (...) und schon gar nicht für einen ‚Anschlag‘“, erklärte der Staatsanwalt von Rouen, Sébastien Gallois, am Samstag. Bei weiteren Befragungen soll geklärt werden, wie ein Schienenteil auf die Strecke gelangen konnte.

Schienenstück bleibt Mysterium

Der rechtsgerichtete Bürgermeister von Nizza, Eric Ciotti, hatte zuvor erklärt, die Entgleisung des Zugs sei „das Ergebnis eines Anschlags“. Er forderte, dass die Täter „mit größter Entschiedenheit“ bestraft werden. Der Präsident der Region Normandie, Hervé Morin, sagte, es sei von einer „kriminellen Tat“ auszugehen. Das 250 bis 300 Kilogramm schwere Schienenstück sei nicht „einfach so auf die Gleise gelangt“. Eine Stunde vor der Entgleisung des Zugs sei an der betreffenden Stelle ein Zug vorbeigefahren und in der Zwischenzeit hätten dort keine Bauarbeiten stattgefunden.

Unter den 44 Verletzten befand sich eine 18-Jährige, deren Zustand die Behörden zunächst als „kritisch“ bezeichnet hatten. Später gab Staatsanwalt Gallois Entwarnung und erklärte, das Leben der jungen Frau sei nicht mehr in Gefahr.

Laut dem Fernsehsender BFMTV wird vermutet, dass der Zug am Freitagabend gegen 19.30 Uhr mit einem bislang unbekannten Gegenstand kollidiert sei, woraufhin fünf Waggons aus den Schienen sprangen und einer davon umkippte.

Plötzlich flogen Koffer durch die Luft

Ein Passagier schilderte dem Sender die dramatischen Sekunden vor und nach dem Unfall: Erst habe es sich angefühlt wie eine Notbremsung, dann sei der Zug durchgerüttelt worden, weil er nicht mehr auf dem Gleis fuhr, sondern über Schotter rumpelte. „Unser Fenster ist geborsten, Qualm stieg auf und Koffer flogen umher“, berichtete der Mann namens Vincent. „Dann haben wir den anderen Waggon an unserem Fenster vorbeirauschen sehen.“ Nach dem Unfall waren die Passagiere nach seinen Worten zunächst auf sich allein gestellt und brachen eine Tür auf, da kein Zugpersonal zu sehen gewesen sei.

Die Rettungskräfte rückten mit einem Großaufgebot zum Unfallort aus. Mehr als 130 Feuerwehrleute, 50 Polizisten und 80 Fahrzeuge seien im Einsatz gewesen, hieß es in französischen Medienberichten.

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