100 Jahre Tageblatt, 100 Jahre Geschichte – für alle im Netz erreichbar
Mondlandung, Kubakrise, Mauerfall, 9/11 – die Luxemburger Nationalbibliothek hat das Tageblatt auf eLuxemburgensia komplettiert. Ab jetzt sind auch die Jahrgänge von 1951 bis 2014 verfügbar.
Voodoo-Zauber, Menschen im All, Wiedervereinigung: Das Tageblatt war immer dabei. Collage: Tageblatt/Kim Kieffer/Tobias Senzig
Das Tageblatt hat im wahrsten Sinne des Wortes Luxemburger Geschichte geschrieben. Seit 1913 – damals noch als „Escher Tageblatt“ – erscheint die Zeitung aus dem Luxemburger Süden jeden Tag. Unterbrochen nur durch zwei Kriege – und Besatzern, bei denen die linksliberale Haltung der Zeitung auf wenig Gegenliebe stieß. Am 13. August 1914 wurde die Zeitung „wegen deutschfeindlicher Artikel“ eingestellt.
Am Vormittag des 10. Mai 1940, dem Tag der Nazi-Invasion, erschien die letzte freie Ausgabe, die wegen des Stromausfalls mit der Handpresse gedruckt und lediglich in Esch verteilt wurde. Direktor Hubert Clément und die meisten seiner Mitstreiter flüchteten ins Exil. Der ehemalige Chefredakteur Frantz Clément hatte weniger Glück und wurde 1942 in Dachau exekutiert.
Am âle Costume!
Erst am 13. September 1944, kurz nach der Befreiung, konnte in Esch wieder das „freie“ Escher Tageblatt erscheinen. In der ersten Ausgabe: Foto von Großherzogin Charlotte auf der ersten Seite und drei Texte: „Merci Eisenhower!“ auf Französisch, „Am âle Costume!“ auf Luxemburgisch und „Welcome, American Boys!“ auf Englisch.
Das Tageblatt auf eLuxemburgensia
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Tageblatt vom 26. März 1957: Vertreter Luxemburgs, Belgiens, Deutschlands, Frankreichs, Italiens und der Niederlande unterzeichen die „Römischen Verträge“ – und gründen damit die Europäische Wirtschaftsunion. Es gilt als die Geburtsstunde der Europäischen Union.
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Das kosmische Zeitalter hat begonnen. Von Juri Gagarins erstem Flug ins All berichtete das Tageblatt am nächsten Tag, den 13. April 1961
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Die Kubakrise beschäftigte das Tageblatt im Oktober 1962
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Schwarzer Tag für die freie Welt: Am Samstag, 23. November 1963, berichtet das Tageblatt über das Attentat auf US-Präsident John F. Kennedy in Dallas.
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Vive le Grand-Duc - aber nur auf Seite 3. Am 13. November 1964 berichtet das Tageblatt von der Amtseinführung von Großherzog Jean. Auf der Titelseite bekam das neue Staatsoberhaupt zwar ein Foto - im Hauptartikel ging es jedoch um Zwist zwischen den EWG-Mitgliedsstaaten.
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Das Tageblatt vom 21. Juli 1969. Die Montagsnummer berichtet von der Mondlandung. Der „Adler“ war erst am Vorabend um 21.17 Uhr europäischer Zeit auf dem Trabanten gelandet.
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Nimm das Pferd statt das Auto. Viele Luxemburger nutzten die Autofreien Sonntage, die wegen der Ölkrise beschlossen wurden, um „wohltuende Ruhe“ zu genießen. Das Tageblatt berichtete am 26. November 1973 von kuriosen Situationen.
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„Ich sah die Maschine im Tiefflug in blitzesschnell in den Mast hineinrasen“ – so beginnt der Tageblatt-Bericht vom 1. August 1981 über den Flugzeugabsturz am Vortag. Dabei war ein belgischer Kampfjet in den 300 Meter hohen Sender Düdelingen krachte. Der Pilot starb dabei, Trümmerteile stürzten auf das Haus des zuständigen Technikers darunter und töten ihn und seine hochschwangere Frau.
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Im Jahr 1984 wird Luxemburgisch offiziell Nationalsprache. Das Gesetzesprojekt wurde aber bereits 1983 diskutiert, wie das Tageblatt am 5. Juli des Jahres berichtet. Inklusive eines Kuriosums: „Der Berichterstatter gibt in einer kurzen, in luxemburgischer Sprache verfassten Einleitung Erklärungen dafür, dass der Gesetztestext in Französisch und nicht in Luxembugisch verfasst worden sei. “
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Am 9. Mai 1985 waren die Bommeleeër-Anschläge noch „Extremisten-Terror“. Am Tag zuvor war es zu der spektakulären Explosion der Strommasten im Wald beim Leudelinger Ortsteil Schleiwenhaff gekommen. Die Wucht der Explosion kappte einen riesigen Mast, der weitere Freileitungsmasten mit sich riss und Stromleitungen auf die A4 fielen lies.
Mehr als zehn weitere Bombenanschläge folgten bis in Frühjahr 1986. Im Mai 1985 wurde noch über ein mutmaßlich „Mouvement écologiste combattant“ als Tätergruppe gemutmaßt.
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Grünes Licht für offene Grenzen: Als Robert Goebbels gemeinsam mit Vertretern Frankreichs, Deutschlands, der Niederlande und Belgiens seine Unterschfift unter den Schengener Vertrag setzte, war das Tageblatt natürlich mit dabei. Das berühmte Foto enstand am 14. Juni 1985 – auf dem Schiffchen „Marie Astrid“, dass am Dreländereck vor Schengen kreuzte. Bis zur kompletten Umsetzung des Abkommens vergingen jedoch noch Jahre.
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In der Nacht auf den 26. April 1986 passierte das Reaktorunglück von Tschernobyl. Die (westliche) Öffentlichkeit erfuhr erst Tage später davpn. Das tageblatt berichtete am 30. April von erhöhter Radioaktivität in Westeruopa und Skandinavien.
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Eine „Invasion von DDR-Bürgern in Westberlin“ gab es laut Tageblatt vom 11. November 1989. Der Grund ist klar: Die Mauer war gefallen
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Die Zeit drängt: Das Tageblatt berichtet am 29. März 1995 vom Berliner Klimagipfel.
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Ganz schön was los: Zum Konzert der Rolling Stones kamen am 27. August 1995 nach Luxemburg und spielten vor 60.000 Menschen.
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Auch er war mal da: Am 22. Juni gastierte Michael Jackson in bettemburg. Unter Hagel und Regen lieferte der King of Pop eine „danteske“ Nacht ab, wie das Tageblatt am 24. Juni 1997 berichtete.
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„Es ist, als ob man einen Freund umbringen würde.“ Am 27. August rückten die Arbeiter zur letzten Schicht am Hochofen B in Esch-Belval an. Der Betrieb des letzten Luxemburger Hochofens wurde am 28. August 1997 eingestellt.
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Ein Tag der die Welt veränderte: Die Tageblatt-Ausgabe vom 12. September 2021. Anders als viele andere Medien machte das Tageblatt mit einer Infografik auf - die erschreckenden Fotos von den Terrorattacken gab es nur im Innenteil.
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Her mit den Euros: Am 1. Januar 2002 wurde in Luxemburg der Euro als Bargeld eingeführt. „Luc Frieden, der für die Einführung des Euro zuständige Minister, begab sich gestern Nachmittag zur Filiale seiner Bank, um seine ersten Euro-Banknoten abzuholen“, heißt es im Tageblatt vom 2. Januar 2002. Tausende Luxemburger taten es ihm gleich. Bei der Akzeptanz der neuen Währung mag auch ein gewisser Bonus beitragen haben: „Den Luxemburgern wurde von ihrem Bankberater tatsächlich ein Glas Champagner oder Orangensaft angeboten.“
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Den Tag des Luxair-Absturzes bei Niederanwen beschrieb das Tageblatt als „Schwarzen 6. Noveber für Luxemburg“. Die Maschine aus Berlin war im Landeanflug auf den Findel, als sie bei dichtem Nebel abstürzte. 20 Menschen starben, 2 überlebten.
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Am 18. Juli 2003 berichtet das Tageblatt aus dem Parlament: Luxemburg bekommt eine „Volluniversität“. Das Gesetz wurde mit 52 Stimmen angenommen.
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„Irrer legt Feuer“ – mit dieser Überschrift erntete das Tageblatt am 15. Juli 2006 nicht nur Beifall. Was war passiert? Ein Mann hatte Tags zuvor im Zug von Luxemburg nach Esch Feuer gelegt, dass sich in einem Wagon unter großer Rauchentwicklung ausbreitete. Der Zug stoppte kurz hinter dem Luxemburger Hauptbahnhof, Passanten und Gleisarbeiter halfen den Menschen aus der Bahn, bis ein Großaufgebot an Einsatzkräften eintrag. Viele Menschen wurden verletzt, dadurch einige schwer.
Die Leserschelte, die es Tags darauf zur Überschrift hagelte, lies das Tageblatt dennoch nicht gelten. Statt dessen schrieb die Redaktion reichlich unelegant: Verschiedene Leser hätten den Titel falsch interpretiert. „Irre ist nicht wahnsinnig oder verrückt. Irre ist jem,and, der Irres / Wahnsinniges tut, z.B. 200 km/h auf der Autobahn fährt, jemand der sich halbtot säuft oder, ganz allgemein, andere in Gefahr bringt.“
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Die Leser-Schelte
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Ziemlich großes Beben: Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers löste am 15. September 2008 die internationale Finanzkrise aus.
All das kann jedermann online nachlesen und nachverfolgen. Auf den eLuxemburgensia-Seiten der Luxembuger Nationalbibliothek (BNL). Seit 2002 wird das gedruckte Kulturerbe Luxemburgs dort digitalisiert und online zur Verfügung gestellt. Bis jetzt war das Tageblatt dort von der Gründung im Jahr 1913 bis zum Jahr 1951 abrufbar.
Aber das wird jetzt anders: Denn die Nationalbibliothek gibt bekannt, dass auch die Ausgaben des Tageblatt aus dem Zeitraum von 1951 bis 2014 online gestellt werden. Mondlandung, Kubakrise, Mauerfall, autofreie Sonntage: Wer in (gar nicht so unaktueller) Zeitgeschichte stöbern will oder auch handfeste historische Recherchen anstellen will, kann jetzt auf das fast komplette Archiv zugreifen.
699.786 Zeitungsseiten
„Diese neue Online-Veröffentlichung stellt eine bedeutende Bereicherung der digitalisierten Pressesammlungen dar, die der Öffentlichkeit kostenlos zugänglich sind“, heißt es in einer Pressemitteilung. Insgesamt ergänzten nun 19.248 Ausgaben mit 699.786 Seiten und 9.045.139 Artikeln die bereits auf dem Portal verfügbaren Inhalte.
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Empfehlung - 100 Jahre Tageblatt, 100 Jahre Geschichte – für alle im Netz erreichbar Das Tageblatt hat im wahrsten Sinne des Wortes Luxemburger Geschichte geschrieben. Seit 1913 – damals noch als „Escher Tageblatt“ – erscheint die Zeitung aus dem Luxemburger Süden jeden Tag. Unterbrochen nur durch zwei Kriege – und Besatzern, bei denen die linksliberale Haltung der Zeitung auf wenig Gegenliebe stieß. Am 13. August 1914 wurde die Zeitung „wegen deutschfeindlicher Artikel“ eingestellt.(...)
Link zum Artikel:
https://news.tageblatt.lu/Luxemburg/100-Jahre-Tageblatt-100-Jahre-Geschichte-fuer-alle-im-Netz-erreichbar-64949.html
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