Unnötige Knieoperationen

HRS-Chirurg weist alle Vorwürfe zurück und erhält Unterstützung von seinen Kollegen

Ein HRS-Chirurg wurde wegen Vorwürfen von unnötigen Operationen suspendiert. Jetzt reagieren sein Anwalt, seine Kollegen - und die Staatsanwaltschaft.

Chirurg der Hôpitaux Robert Schuman bei Knieoperation im Operationssaal, Thema unnötige Eingriffe und medizinische Verantwortung

Ein Chirurg der „Hôpitaux Robert Schuman“ soll unnötige Knieoperationen durchgeführt haben Foto: Editpress/Isabella Finzi

Der suspendierte Chirurg der „Hôpitaux Robert Schuman“ (HRS) weist alle Vorwürfe von sich, wie sein Anwalt am Freitag in einem Schreiben mitteilt. Am Dienstag war bekannt geworden, dass der Arzt unnötige Knieoperationen durchgeführt haben soll.

Sechs Ärzte des „Centre hospitalier de Luxembourg“ (CHL) hatten schwere Vorwürfe gegen ihn erhoben, nachdem seine Patienten im CHL erneut behandelt werden mussten. In einem Brief am 6. Januar ist von 15 Patienten die Rede, bei denen es erhebliche Abweichungen zwischen Anamnese, klinischer Untersuchung, präoperativen Bildgebungen und dem chirurgischen Eingriff gegeben habe. In zehn Fällen sei das vordere Kreuzband rekonstruiert worden, obwohl keine medizinische Notwendigkeit bestand.

Von Ministerin suspendiert

Das HRS habe den Brief am 9. Januar erhalten und eine interne Prozedur eingeleitet, wie das HRS gegenüber RTL mitteilte. Anschließend sei der Chirurg vorübergehend suspendiert worden. Gesundheitsministerin Martine Deprez (CSV) hat am Donnerstag nach einer Prüfung der Sachverhalte entschieden, ein teilweises Berufsverbot gegen den Arzt zu verhängen, wie der Anwalt mitteilt.

„Dieser Ministerialerlass stellt einen weiteren schwerwiegenden Verstoß gegen die Grundprinzipien der Rechtsstaatlichkeit dar“, schreibt der Anwalt des Chirurgen. Die Vorwürfe gegen seinen Mandanten würde auf „anonymen Denunziationen beruhen, die keinerlei konkrete Angaben enthalten“. Deswegen sei die Entscheidung rechtlich inakzeptabel. Außerdem sei der Ruf und die berufliche Ehre seines Mandanten beeinträchtigt. Er werde deswegen vor dem Verwaltungsgericht Rechtsmittel einlegen.

Wie die Luxemburger Staatsanwaltschaft am Freitag in einem Kommuniqué mitteilt, erhielt sie bereits am 16. Dezember 2025 eine Anzeige des Collège médical. Diese betraf die Behandlung von zwei Patientinnen durch besagten Orthopäden. Laut Staatsanwaltschaft fehlten zum damaligen Zeitpunkt „konkrete und objektive Elemente“, um eine Straftat des betroffenen Arztes anzunehmen. Deshalb habe man das Collège médical aufgefordert, gegebenenfalls seine disziplinarischen Befugnisse auszuüben, ein Disziplinarverfahren zu eröffnen und einen Experten zu benennen. Dies liege im Rahmen der gesetzlichen Zuständigkeiten des Collège médical.

Kollegen zeigen sich solidarisch

Eine Gruppe von Arbeitskollegen des beschuldigten Arztes hat am Freitag in einem Schreiben ihre Solidarität ausgedrückt. Sie zeigen eine „tiefe Besorgnis über die mediale Behandlung“ ihres Kollegen. Die Anschuldigungen seien geteilt worden, ohne die Fakten zu prüfen.

Die Kollegen reden von einer „regelrechten Medienhetze“, ohne dass der Arzt die Gelegenheit gehabt hätte, seine Sicht der Dinge darzulegen. Solche Anschuldigungen könnten schwerwiegende Konsequenzen für die Karriere, das Privatleben und das Umfeld eines Arztes haben. (dr/hat)

<< < 1 2 > >> 
5 Kommentare
Christian Muller 26.01.202610:46 Uhr

Déi Solidaritéit vun Oarbechtskollegen ass e gudde Gronn, Sanctiounen net engem Collège médical, maä enger onofhängeger Justiz z'iwwerloossen.

Guy Mathey 25.01.202611:35 Uhr

Die Sicherheit der Patient*innen muss stets an vorderster Stelle stehen, daher erscheint eine Suspendierung bis zur Klärung der Sachverhalte nicht nur angebracht sondern ein absolutes Muss.
Nicht erforderlich in diesem Kontext erscheint mir hingegen, dass ein derartiges Thema bereits in die Öffentlichkeit getragen wird, bevor die Sachverhalte abschliessend geklärt wurden, garantiert die Suspendierung den potentiellen Patient*innen doch bereits ausreichend Schutz.

Nomi 24.01.202615:48 Uhr

Il n'y a que la vérité qui blesse énormément !

Wirtor Jos 24.01.202600:39 Uhr

"Anonyme Denunziation" schreibt der Anwalt. Die 6 Ärzte vom CHL haben ihren Brief wohl unterschrieben.

Grober J-P. antwortete am 24.01.202611:29 Uhr

"Die 6 Ärzte vom CHL haben ihren Brief wohl unterschrieben." Hoffentlich mit Belegen. Bin gespannt wie das sich entwickelt.

Grober J-P. 23.01.202619:30 Uhr

"nach einer Prüfung der Sachverhalte entschieden," Würde gerne wissen wie das geprüft wurde, auf Grund von was? Je nach dem, wenn der Anwalt Recht hat, darf Mme Minister den Hut nehmen.
Hallo Redaktion, mehr Recherche, bitte nicht tratschen.

Das könnte Sie auch interessieren

Selbstversuch

Wie ein bekennender Karnevalsmuffel die „Dikricher Cavalcade“ erlebt