Bonneweg
Cavem-Musikschule plant Wiedereröffnung im Mai
Nach der Insolvenz und längerer Schließung zeichnet sich nun eine positive Zukunft für die private Musikschule Cavem ab.
Gute Nachrichten aus Bonneweg: Eine Wiedereröffnung lässt womöglich nicht mehr allzu lange auf sich warten Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Nach der Pleite blieben die Türen der privaten Musikschule Cavem in Bonneweg auch nach den Osterferien geschlossen. Nun zeichnet sich jedoch eine Wiedereröffnung ab. Bislang war die Zukunft der Schule ungewiss. In einer neuen Pressemitteilung teilte die Cavem am Montagabend mit, dass der Betrieb voraussichtlich deutlich früher wieder aufgenommen werden kann als zunächst angenommen. Als mögliches Datum nennt die Musikschule den 18. Mai.
Die Verhandlungen kämen in konstruktiver Atmosphäre gut voran, heißt es weiter.
Die Cavem S.à r.l
Die Cavem wurde im Jahr 1972 vom luxemburgischen Musiker Jean Roderes als „Pop-Music-School Jean Roderes“ gegründet. 1983 übergab er die Schule an René Wagener. Sie wurde in „Centre audio-visuel d‘enseignement musical“ (CAVEM) S.à r.l. umbenannt. Aufgrund des großen Erfolgs zog die Schule mehrfach in größere Gebäude um. Neben dem Hauptsitz in Luxemburg-Stadt entstanden Zweigstellen in Esch und Ettelbrück. (AB)
Eine Unterstützung der zuständigen Ministerien, um einen Teil der Tätigkeit oder deren Strukturen zu erhalten, ist jedoch ausgeschlossen. Die Insolvenz sei bedauerlich, allerdings bestehe „für das Bildungsministerium und das Kulturministerium keine Möglichkeit, einzugreifen“, antwortete Bildungsminister Claude Meisch (DP) auf eine parlamentarische Anfrage der LSAP-Abgeordneten Claire Delcourt und Georges Engel. Die Cavem sei keinem der beiden Ministerien unterstellt gewesen.
Meisch: Private Anbieter spielen „ergänzende Rolle“
Der Musikunterricht wird in Luxemburg laut Meisch von den Gemeinden finanziert und organisiert. Sollten Cavem-Schüler in kommunale Musikschulen oder Konservatorien wechseln wollen, müssten diese prüfen, ob zusätzliche Aufnahmen während des Schuljahres möglich seien. Auch für betroffene Lehrer könnten sich Perspektiven ergeben. Sie könnten sich auf freie Stellen in der kommunalen Musikausbildung bewerben – vorausgesetzt, sie erfüllen die gesetzlichen Kriterien. Was Unterstützungsmaßnahmen angeht, „gelten die allgemeinen Regelungen, wie sie in Luxemburg für Insolvenzverfahren vorgesehen sind“, so Meisch.
Luxemburg verfüge über „einen breit aufgestellten und qualitativ hochwertigen öffentlichen Musikunterricht“. Dieser decke den Großteil der Ausbildung ab. Private Anbieter wie die Cavem spielen laut Meisch eine „ergänzende Rolle“. Sie erweitern das Angebot durch niedrigschwellige und praxisnahe Zugänge.
Was war passiert?
Die Cavem hatte im vergangenen Monat Insolvenz angemeldet. Seit dem 20. März wird das Unternehmen im Handelsregister als „Faillite“ geführt. Rund 600 Musikschüler stehen dadurch ohne Unterricht da, etwa 15 Lehrkräfte verloren ihren Job. Auch mehrere freiberufliche Musiklehrer sind betroffen.
Ein Teil der Cavem-Lehrer will das Konzept jedoch retten und fortführen. Sie planen die Gründung einer neuen Schule. Nach einem zweistündigen Treffen mit dem Konkursverwalter steht fest, dass der Besitzer des Schulgebäudes die Räumlichkeiten auch in Zukunft weiter an die Schule vermieten will.
Nicht alle Beteiligten bleiben jedoch an Bord. Wie der Klavierlehrer Filipe Galvao gegenüber dem Tageblatt erklärte, seien einige zwar ursprünglich motiviert gewesen, hätten sich jedoch inzwischen neu orientiert. Zunächst würde nur die Schule in Bonneweg wieder öffnen, entsprechend werde weniger Personal benötigt. Die Zweigstellen in Esch, Ettelbrück oder Mersch blieben vorerst geschlossen.
Für den Neustart muss das nötige Kapital gesammelt und eine neue Gesellschaft gegründet werden. Nach Angaben von Galvao werden mindestens 100.000 Euro benötigt, idealerweise 150.000. Rund 80.000 Euro könnten die Lehrkräfte selbst aufbringen. Sie hoffen zusätzlich auf einen Investor, der 50.000 Euro beisteuert. Weitere Kosten entstehen durch den geplanten Rückkauf von Instrumenten und Schulmaterial nach deren Versteigerung. Hinzu kommen Miete, Notar- und Anwaltskosten. Außerdem sollen seit Februar ausstehende Gehälter ausgezahlt werden. (les/WiR)
Direktor weiterhin vermisst
Seit Mitte März gilt der Geschäftsführer des „Centre audio-visuel d’enseignement musical“ (Cavem), Andreas Marx, als vermisst. Auf Nachfrage teilt die Pressestelle der Justiz mit, dass die Vermisstenmeldung des gebürtigen Trierers weiterhin aktiv ist. Mehrere Personen haben ihn bei der Polizei als vermisst gemeldet. Der Mann ist etwa 1,80 bis 1,90 Meter groß, schlank und hat langes, braunes Haar. Hinweise nimmt die Polizeidienststelle Luxemburg unter der Nummer (00352) 244 40 1000 oder per Mail an police.capitale@police.etat.lu entgegen. Marx war seit 2014 Geschäftsführer und Minderheitseigner der Musikschule, vor zwei Jahren übernahm er die Anteile seines Vorgängers und wurde alleiniger Besitzer. (sas)