Domaine Tageblatt

Erwartung und Realität: Was sagt der Experte zu unserem Rivaner?

Önologe Jean Cao bewertet den Tageblatt-Rivaner im direkten Vergleich mit dem Referenzwein, den wir vor gut einem Jahr ausgewählt haben. Wie beurteilt der Experte unsere Arbeit?

Jean Cao beim Jahresrückblick, Bilanz ziehen und persönliche Entwicklung im letzten Jahr festhalten

Jean Cao hat uns ein Jahr lang begleitet, nun war es an der Zeit, Bilanz zu ziehen Foto: Hervé Montaigu

Nachdem unser Wein abgefüllt, die Flaschen etikettiert und das Launch-Event in Grevenmacher geplant ist, fehlt nur noch eines: die Bilanz. Ob unser Vorhaben gelungen ist oder nicht, kann niemand besser beurteilen als Önologe Jean Cao. Der gebürtige Mexikaner, der zahlreiche Privatwinzer an der Mosel berät, hat uns von Anfang an begleitet – zumindest ab dem Moment, als wir uns Gedanken über das Geschmacksprofil unseres Rivaners machen mussten. Das war vor über einem Jahr.

Dank der Unterstützung zahlreicher Winzer, die uns ihre Rivaner zur Verkostung zur Verfügung stellten, konnten wir uns von der großen Vielfalt der Rebsorte überzeugen. Nach langen Diskussionen stand unser Ziel fest: trocken, frisch und fruchtbetont.

Zwei identische Weine herzustellen, ist unmöglich

Jean Cao

Önologe

Wir hatten uns dabei vor allem an einem Rivaner eines Privatwinzers orientiert. Nun trafen wir Jean Cao erneut und brachten sowohl eine Flasche dieses Referenzweins als auch unseren eigenen Rivaner mit. Das Etikett, das unsere Leser ausgewählt haben, überzeugt den Önologen dabei allerdings nicht besonders. Dann wird es ernst: die Verkostung.

Jean beginnt mit unserem Wein, danach folgt der Rivaner, der als Inspiration diente. „Gefällt euch euer Wein?“, fragt der Önologe schließlich. Natürlich bejahen wir, doch uns interessiert vor allem seine Einschätzung. „Zwei identische Weine herzustellen, ist unmöglich. Aber in eurem Fall war es wichtig, einen Referenzpunkt zu haben.“

Grapefruit und Spargel

Im direkten Vergleich zeigt sich schnell: Die beiden Weine unterscheiden sich deutlicher, als wir erwartet hatten. Cédric gibt zu, dass ihm unser Referenzwein weiterhin etwas besser schmeckt.

Jean Cao präsentiert vielfältige Rivaner-Weine vor einem Jahr – Weinvielfalt, Rivaner, Weinverkostung, Vielfalt

Jean Cao hat uns vor einem Jahr gezeigt, wie vielfältig Rivaner sein können Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Anschließend liefert Jean die technischen Erklärungen: „In beiden Weinen findet man die Thiolnoten wieder. Das war es auch, was euch damals gefallen hat.“ Allerdings unterscheide sich deren Ausprägung deutlich. Im Referenzwein dominierten Grapefruit-Aromen mit einer leichten Spargelnote – insgesamt also eher grün und sehr intensiv. „Um das zu erreichen, hättet ihr wahrscheinlich etwas früher lesen müssen. Natürlich spielen auch Rebsorte, Standort und Jahrgang eine Rolle.“ Der Referenzwein wirke insgesamt etwas voller, da er mehr Säure und Restzucker enthalte.

„Schöne Balance“

In unserem Wein finden sich ebenfalls Grapefruitnoten, allerdings in einer reiferen Ausprägung. „Er hat wenig Zucker, weshalb er nicht ganz so vollmundig ist, dafür aber sehr elegant“, so Cao. Mit 11,5 Volumenprozent weist er zudem einen geringeren Alkoholgehalt auf. „Auch deshalb hat er etwas weniger Körper, dafür aber eine angenehme Frische.“ Weine mit niedrigerem Alkoholgehalt lägen derzeit ohnehin im Trend und seien stark nachgefragt, ergänzt der Experte.

Doch was ist das Fazit des Önologen? „Mir gefällt er sehr gut. Er hat eine schöne Balance und eine angenehme Frische. Er lässt sich sehr gut trinken.“

Önologe berät bei der Auswahl des optimalen Lesezeitpunkts für Weintrauben im Weinbau

Auch beim Festlegen des Lesezeitpunktes haben wir auf die Expertise des Önologen zurückgegriffen Foto: Editpress/Hervé Montaigu

Davon können sich die Leserinnen und Leser am Mittwoch im Kulturzentrum Machera selbst überzeugen: Dann findet die erste offizielle Kostprobe des Tageblatt-Rivaners statt. Damit neigt sich unsere Reise durch die Welt des Weinbaus langsam dem Ende zu. Als wir damals mit weißen Sneakern im Weinberg standen und wenig später in die Kunst des sanften Rebschnitts und des Rebenbindens eingeführt wurden, konnte wohl niemand ahnen, dass daraus einmal dieser Wein entstehen würde. Wir haben in den vergangenen anderthalb Jahren jedenfalls sehr viel gelernt.

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