Google Data center Bissen
Méco kritisiert Energieeffizienz: Hat Luxemburg sich „über den Tisch ziehen lassen“?
Das „Mouvement écologique“ kritisiert die schlechte Energieeffizienz des Projekts und warnt vor zu laschen Genehmigungen Luxemburgs. Neue EU-Pläne für ein Energielabel könnten die Debatte weiter anheizen.
Das „Méco“ wirft Google und dem Staat Intransparenz vor Symbolfoto: dpa/Jan Woitas
Der Kampf des „Mouvement écologique“ (Méco) gegen die Errichtung eines Google-Rechenzentrums in Bissen geht weiter. Nachdem das Méco vor dem Fristende zur öffentlichen Konsultation vergangenen Freitag einen 30 Seiten starken Einspruch eingelegt hatte, bringen die Umweltaktivisten am Donnerstag aufgrund neuer Entwicklungen auf EU-Ebene weitere Argumente hervor. Die Europäische Kommission plant, eine Art Energielabel für Datenzentren einzuführen.
Demnach sollen sie anhand zweier Kriterien evaluiert werden: ihrer Stromverbrauchseffizienz und ihrer Wasserverbrauchseffizienz. Das berichtete Paperjam am Donnerstag. Das Rechenzentrum in Bissen soll laut „Méco“ dabei nicht sonderlich gut abschneiden, geht aus einer Pressemitteilung desselben Tages hervor.
Die Organisation konzentriert sich in ihrer Kritik auf die Stromverbrauchseffizienz (engl.: PUE – Power Usage Effectiveness). Die PUE des Zentrums in Bissen soll laut einer Umweltverträglichkeitsstudie bei 1,3 liegen. Dabei gilt: Je näher der Wert bei 1 liegt, umso höher die Effizienz. Bissen lande somit in der PUE-Klasse C. Und: Rechnet man alle Google-Rechenzentren weltweit zusammen, ergibt sich laut Méco ein wesentlich besserer Durchschnittswert: 1,09. Demnach wäre das Bissener ein Datenzentrum, das zu den ineffizienteren von Google gehört. Der international gültige Standard liegt laut Méco bei einem Wert von 1,15. Bissen läge also auch deutlich unter den Standards.
Das „Energie-Label“ ähnelt jenem für Haushaltsgeräte Screenshot: aus dem Anhang des Entwurfs des Rechtsakts
Das Méco wirft die Frage auf, „wie die Umweltverträglichkeitsstudie von Google in die öffentliche Prozedur gelangen konnte, obschon internationale Standards in Sachen Energieeffizienz nicht eingehalten werden“. Die Organisation fragt auch, ob Google deshalb eine Geheimhaltungsklausel bezüglich des Energie-Audits angefragt hat. Letztendlich auch der Vorwurf, wie Luxemburg sich international „als digitaler Standort profilieren will, wenn bei einem solchen Datenzentrum grundlegende Standards nicht angewendet werden“.
Die Umweltschutzorganisation glaubt, die Regierung habe sich von Google „über den Tisch ziehen gelassen“, und befürchtet, dass sich die Vermutungen von „Experten“ damit bewahrheitet hätten: Google versuche, noch vor Einführung des EU-Energie-Labels eine weniger anspruchsvolle Genehmigung und somit für sie günstigere Genehmigung herauszuschlagen.
Geschichte des Projekts
Im Sommer 2018 machte die Nachricht die Runde, dass Google ein Datenzentrum auf dem „Busbierg“ in der Gemeinde Bissen bauen will. Der Bauträger London Bridge hatte hierfür ein rund 33 Hektar großes Areal erworben.
Eine erste Hürde bestand in der Umklassierung des etwa 50 Fußballplätze großen Areals in eine „Zone spéciale Datacenter“. Diese Hürde wurde am 7. Januar 2019 durch ein einstimmiges Votum im Gemeinderat aus dem Weg geräumt.
In der Folge sorgte dieses Dossier für sehr viel Aufregung in der Attert-Gemeinde. Es dauerte bis zum 22. Oktober 2020, bevor dem Gemeinderat genügend Informationen vorlagen, um den Teilbebauungsplan (PAP) für das Rechenzentrum verabschieden zu können.
In einer Gemeinderatssitzung Anfang 2025 ging es um die Ausführung des PAP. Der Schöffenrat der Gemeinde Bissen gab bekannt, mit dem erwähnten Bauherrn eine gesetzlich geregelte Entschädigung über 13,2 Millionen Euro für die Gemeinde ausgehandelt zu haben.
Das Méco hatte bereits 2020 versucht, gegen den Teilbebauungsplan für das Areal in Bissen vorzugehen – der Einspruch wurde aber vor Gericht abgewiesen. Außerdem verlangte die NGO Einsicht in die Absichtserklärung zwischen der Regierung, der Gemeinde Bissen und Google. Darauf folgte ein langer Rechtsstreit – ohne Erfolg für das Méco.
Nach langem Hin und Her sollen alle Genehmigungen für den Bau des Datenzentrums 2026 vorliegen, spätestens 2027 soll der Spatenstich erfolgen. Es soll nicht mehr, wie ursprünglich geplant, auf Wasserkühlung, sondern auf Luftkühlung gesetzt werden. (dr)