Cavem-Pleite
Musikschule in Bonneweg kann am selben Standort weitergeführt werden
Nachdem die Insolvenz der Cavem in Bonneweg vergangene Woche bekannt wurde, wendet sich nun das Blatt zum Guten: Die private Musikschule kann von einer anderen Gesellschaft in denselben Räumlichkeiten weiterbetrieben werden.
Rund 20 Lehrkräfte und Ehemalige trafen sich am Freitagmorgen in Bonneweg für ein Treffen mit dem Konkursverwalter Foto: Editpress/Hervé Montaigu
„Ist die Schule wieder offen?“, ruft eine Frau von ihrem Balkon herunter und blickt auf rund 20 Personen, die sich vor dem „Centre audio-visuel d’enseignement musical“ (Cavem) in Bonneweg versammelt haben. Sie wirken angespannt und nervös. Kein Wunder: An diesem Freitagmorgen werden sie bei einem Treffen mit einem Konkursverwalter erfahren, wie es mit der privaten Musikschule weitergeht – wie sie der Nachbarin erklären. Die Frau wünscht allen viel Mut.
Die Cavem ist eine Institution in Luxemburg und über die Grenzen des Viertels bekannt. Aber obwohl die Schule mit rund 600 Schülerinnen und Schülern stets gut besucht ist, wurde vergangene Woche ihre Insolvenz bekannt – wie das Tageblatt am Montag exklusiv berichtete. Die jungen und auch älteren Leute konnten nicht mehr zum Unterricht kommen, etwa 15 Lehrkräfte verloren von einem Tag auf den anderen ihren Job. Auch freiberufliche Musiklehrerinnen und -lehrer sind betroffen.
Eigentümer René Wagener kam am Freitag mit guten Nachrichten zu den Betroffenen Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Bei dem Gespräch mit dem Konkursverwalter ist an diesem Tag auch der Eigentümer des Gebäudes und frühere Besitzer der Schule, René Wagener, dabei. Er übernahm die Cavem 1983 und verkaufte seine Anteile vor wenigen Jahren an Geschäftsführer Andreas Marx. Der gebürtige Trierer gilt seit Mitte März als vermisst. Auf Nachfrage teilt die Pressestelle der Justiz am Freitag mit, dass die Vermisstenmeldung der Polizei immer noch aktiv ist. Weitere Informationen nennt diese nicht.
Direktor weiter vermisst
Vor dem Gebäude der Schule erzählt Privatdozent Eric Deverly am Freitagmorgen, dass der Konkurs für ihn „nicht sehr überraschend kam“. Denn, so erzählt der Mann, der seit 21 Jahren dort arbeitet: „Gehälter kamen verspätet und es gab immer mehr Probleme beim Beantworten von Mails. Auch Schüler warteten auf Rückmeldungen. Manche erhielten keine Rechnungen.“ Die Angestellten der Cavem machten sich Gedanken um den Direktor – und um die Zukunft der Musikschule.

Für den Musiklehrer Eric Deverly kam die Insolvenz nicht wirklich überraschend Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Nach dem Treffen mit dem Konkursverwalter wirken sie etwas gelöst. Denn: Besitzer René Wagener hat während des zweistündigen Treffens angekündigt, dass er der Schule das Gebäude auch in Zukunft zur Verfügung stellen wird. „Auf Facebook habe ich einen Beitrag und zahlreiche positive Kommentare dazu gelesen. Viele Leute vermissen die Schule bereits und ich dachte, dass wir es noch einmal versuchen sollten“, so René Wagener. Er sagt: „Ich will, dass es weitergeht.“
Und tatsächlich: Die gute Nachricht macht den Lehrkräften Mut für die Zukunft. „Bis vor Kurzem war es keine Option, dass wir gleich weitermachen können. Nun hoffen wir, vielleicht bereits nach den Osterferien wieder öffnen zu können“, erklärt Filipe Galvao. Seit fast 34 Jahren gibt er in Bonneweg Klavierunterricht. Einige Lehrerinnen und Lehrer hatten in den vergangenen Tagen bereits in Erwägung gezogen, die Schule gemeinsam weiterführen zu wollen.
Hoffnung auf Neustart
Zu Beginn der Woche hieß es dann jedoch, dass das Gebäude verkauft werden muss – ein Neustart am bisherigen Standort war damit ausgeschlossen. Nun allerdings kam die positive Nachricht. „Ohne Räumlichkeiten wäre es schwer gewesen, aber jetzt können neue Leute – wer auch immer das sein wird – die Schule weiterführen. Jetzt können wir arbeiten“, sagt Fernande Pletschette erleichtert. Die Pianistin arbeitet seit 33 Jahren bei der Cavem.

Pianistin Fernande Pletschette kann dank der guten Nachricht positiver in die Zukunft blicken Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Wie viele der anderen Betroffenen ist sie überwältigt von der Unterstützung und dem Zuspruch, den sie nach den Medienberichten erhielten. „Ohne die hätte der Eigentümer seine Meinung nicht geändert. Ich habe auch mit Bürgermeisterin Lydie Polfer und mit Kulturminister Eric Thill (beide DP, Anm. d. Red.) telefoniert“, so Fernande Pletschette. Gemeinsam mit den anderen Lehrkräften will sie positiv in die Zukunft blicken.
Niemand von uns will aufhören. Wir müssen positiv bleiben – auch für unsere Schüler. Wir sind eine Familie.
Filipe Galvao
Klavierlehrer

Gemeinsam mit anderen setzt sich der Klavierlehrer Filipe Galvao aktiv für die Zukunft der Musikschule ein Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Für das Weiterführen der Schule müssen nun das nötige Kapital zusammengetragen und eine neue Gesellschaft gegründet werden. „Außerdem hat der Konkursverwalter uns erklärt, welche Formulare wir jetzt ausfüllen müssen, wegen der nicht ausgezahlten Gehälter“, erklärt Filipe Galvao. Für sie alle sei das Neuland, aber so der Klavierlehrer: „Niemand von uns will aufhören. Wir müssen positiv bleiben – auch für unsere Schüler. Wir sind eine Familie.“