Hasskommentare wegen Regenbogenweg
Niederanvener Bürgermeister Fréd Ternes: „Das zeigt genau, warum solche Aktionen wichtig sind“
Niederanven hat einen Teil eines Fahrradwegs in Regenbogenfarben angemalt. Unter dem entsprechenden Facebook-Post der Gemeinde sammeln sich Hasskommentare. Bürgermeister Fréd Ternes sieht die Aktion dadurch bestätigt.
Ein Teil des Fahrradwegs „Am Sand“ wurde in Regenbogenfarben gestaltet Foto: Editpress/Julien Garroy
Niederanven hat vergangene Woche einen Teil des Fahrradwegs „Am Sand“ in Regenbogenfarben gestaltet. Hasskommentare ließen unter dem entsprechenden Facebook-Post der Gemeinde nicht lange auf sich warten. Bürgermeister Fréd Ternes (CSV) sieht die Aktion der Gemeinde dadurch bestätigt. „Das zeigt genau, warum solche Aktionen wichtig sind“, sagt er im Gespräch mit dem Tageblatt.
Die Gemeinde – in der 97 Nationalitäten leben – habe mit den Regenbogenfarben ein Zeichen für Vielfalt und für Solidarität im öffentlichen Raum setzen wollen, sagt Ternes. Die Kommentare unter dem Beitrag seien ein gutes Beispiel dafür, wie die „asozialen Netzwerke“ funktionieren. „Die Leute sehen nur die Fotos, lesen den dazugehörigen Text nicht und ziehen ihre eigenen Schlüsse“, sagt Ternes. Das sei schockierend.
„Die Gemeinden haben eine Verantwortung in diesen Zeiten“, sagt Fréd Ternes Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Innerhalb von 15 Stunden wurde 188 Mal unter dem Beitrag kommentiert. Einige Menschen freuen sich über den farbenfrohen Fahrradweg. „Als queere Person, die in Niederanven aufgewachsen ist, freut mich das sehr“, schreibt ein Nutzer. Der Großteil der Kommentare beschwert sich jedoch über die Aktion – oder verbreitet Hassbotschaften. „Zum Kotzen“, schreibt ein Nutzer. „Pedos paradise“, schreibt ein anderer.
Nicht nur Hass
Andererseits wurde der Facebook-Post auch 180 Mal mit einem „Daumen hoch“, einem Smiley oder einem Herz versehen. „Es gibt also auch viele Menschen, die die Aktion gut finden“, sagt Ternes. Diese seien aber vielleicht ruhiger als die Menschen, die ihren Frust freien Lauf lassen.
Unter den Kommentaren hat Ternes nur zwei Bürger aus Niederanven entdeckt, die etwas Negatives geschrieben haben. Die meisten anderen kämen aus anderen Gemeinden oder teils aus dem Ausland. „Es scheint eine bestimmte Gruppe von Leuten zu sein, die die Aktion entdeckt haben und einen Shitstorm dagegen ausrichten wollen“, sagt Ternes. In der Gemeinde würden die meisten Menschen die Aktion wertschätzen.
Niederanven wolle sich weiterhin für Diversität einsetzen, sagt Ternes. Die Gemeinde wolle etwa Aktionen mit den Schulen durchführen und Konferenzen abhalten. In naher Zukunft will die Gemeinde Interrail-Pässe für junge Menschen unterstützen, damit diese andere Menschen und Kulturen kennenlernen können. „Die Gemeinden haben eine Verantwortung in diesen Zeiten“, sagt Ternes. Das sei nicht mehr selbstverständlich.