Tod im Bahnhofsviertel

Polizei reagiert spät: Obdachloser stirbt bei extremer Hitze in der rue de Strasbourg

Eine Anwohnerin in Luxemburg-Stadt meldet eine desorientierte Person. Die Polizei kontrolliert – und zieht wieder ab. Stunden später ist die Person tot.

Polizeieinsatz bei Nacht, zweimal angerückt, zweite Ankunft verzögert, Einsatzort mit Einsatzfahrzeugen und Beamten

Die Polizei kam zweimal. Beim zweiten Mal allerdings zu spät. Symbolfoto: Editpress/Alain Rischard

Ein Mann läuft in der glühenden Mittagshitze am Samstag durch die rue de Strasbourg. Fünf Stunden später ist er tot. Tod und Fundort hat die Polizei gegenüber dem Tageblatt bestätigt.

Tageblatt-Recherchen werfen kein gutes Licht auf die Reaktion der Behörden. Demnach habe eine Anwohnerin gegen 12.30 Uhr die Polizei gerufen. Gemeldet worden sei ein älterer, offenbar desorientierter Mann auf der Straße. Die Polizei habe später erklärt, die Beamten seien vor Ort gewesen. Der Mann habe aber bleiben wollen, zwingen könne man niemanden.

Gegen 17.50 Uhr sei dieselbe Person tot gewesen. Menschen, mit denen das Tageblatt gesprochen hat, sprechen von einem Menschen, der bei der Hitze gestorben sei und dem man nicht geholfen habe. Der Mann sei ein bekannter Obdachloser im Viertel gewesen.

Polizei bestätigt den Hergang im Wesentlichen

Die Polizei bestätigt den Einsatz in seinen Eckpunkten. Gegen 12.30 Uhr sei in der rue de Strasbourg ein Mann gemeldet worden, der in der Sonne geschlafen habe. Die Beamten seien hingefahren und hätten mit ihm gesprochen. Gesundheitliche Auffälligkeiten habe die Streife aus ihrer Sicht nicht feststellen können. Auf die Frage, ob es ihm gut gehe, habe der Mann das bestätigt. Gegen 18.00 Uhr sei die Polizei erneut an den Ort gerufen worden. Dann sei der Tod festgestellt worden.

Strittig bleibt der Zustand des Mannes. Tageblatt-Quellen sprechen von einer desorientierten Person. Die Polizei beschreibt einen Mann, der auf Nachfrage angab, dass es ihm gut gehe. Nur: Wie genau prüft eine Streife den Zustand eines Menschen, der bei über 30 Grad in der Sonne liegt und am selben Nachmittag tot ist?

Der Tod fällt in eine Phase amtlicher Hitzewarnung. MeteoLux hält an diesem Wochenende die orange Warnstufe, die „Direction de la santé“ die Hitzealarmstufe 3. Ab Montagmittag gilt Rot, mit lokal bis zu 40 Grad. In ihren eigenen Hinweisen nennen die Behörden eine Risikogruppe zuerst: ältere, allein lebende Menschen.

Nach Tageblatt-Recherchen legte die Polizei den Zeugen nahe, die Presse nicht zu kontaktieren. Der Beamte, der mutmaßlich bereits am Mittag vor Ort war und unverrichteter Dinge wieder abgezogen war, soll mehrmals laut das Wort „Fuck“ gerufen haben. Man habe den Anwesenden versichert, der Fall werde „Konsequenzen“ haben und die Polizei würde die Sache „intern klären“.

Zur Darstellung unserer Quellen, ihnen sei von einem Kontakt zur Presse abgeraten worden, äußerte sich die Polizei nicht.

Familienminister Hahn kündigt erweiterten Schutz für Obdachlose an

Am Nachmittag meldete sich Familienminister Max Hahn (DP) auf Facebook zu Wort. In dem Post verkündet er, das Hitzeprogramm für obdachlose Menschen während der angekündigten langen Hitzeperiode deutlich auszuweiten. In Luxemburg-Stadt, Esch und Ettelbrück sollen zusätzliche Möglichkeiten geschaffen werden, sich auszuruhen, zu stärken und zu duschen.

Konkret nennt Hahn längere Öffnungszeiten bestehender Anlaufstellen während der kritischen Stunden, dies in den Notunterkünften, den Sozial-Bistros und den Sozial-Restaurants. Hinzu kommen der Rückgriff auf die Tages-Noteinrichtung am Findel und zusätzliche Duschmöglichkeiten.

Für den Mann in der rue de Strasbourg kommt diese Ausweitung der Dienste allerdings zu spät.

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