Verkehr in der Hauptstadt

Stadt Luxemburg präsentiert Konzept zur sanften Mobilität

Mehr Menschen für die sanfte Mobilität begeistern – das ist das Ziel eines Konzeptes zum Fuß- und Radverkehr, das die Stadt Luxemburg am Dienstag vorgestellt hat.

Das Dokument zeigt der Stadt Luxemburg, was auf Geh- und Radwegen gut läuft und wo noch Verbesserungsbedarf besteht

Das Dokument zeigt der Stadt Luxemburg, was auf Geh- und Radwegen gut läuft und wo noch Verbesserungsbedarf besteht Foto: Editpress/Julien Garroy

Insgesamt 51 Prozent aller Bewegungen in der Hauptstadt sollen bis 2035 zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem öffentlichen Transport zurückgelegt werden. Dieses Ziel nannte der Mobilitätsschöffe der Stadt Luxemburg, Patrick Goldschmidt (DP), am Dienstagmorgen bei einer Pressekonferenz im „Bierger-Center“ am Knuedler. Den Stadtverantwortlichen zufolge ist dies bereits bei 40 Prozent der Fall.

Ein Konzept für sanfte Mobilität soll nun mehr Menschen dazu bewegen, zu Fuß zu gehen oder Rad zu fahren. Am Dienstag wurde das 219 Seiten lange Dokument vom dänischen Büro „Gehl“ mit Sitz in Kopenhagen und zwei luxemburgischen Ingenieurbüros aus Contern vorgestellt. Es entstand in enger Zusammenarbeit mit den kommunalen Diensten. „Wir wollten die Stadt aus dem Blickwinkel der Fahrradfahrer und Fußgänger analysieren und wollten wissen, was verbessert werden muss“, erklärte Patrick Goldschmidt.

Stellenweise Verbesserungsbedarf

Dabei wurde zunächst die Fahrradinfrastruktur anhand von vier Kriterien untersucht: Sicherheit, Komfort, Attraktivität und die Direktheit einer Strecke. Was die Fortbewegung von Fußgängerinnen und Fußgängern betrifft, kam ein fünftes Merkmal hinzu: die Qualität des Aufenthalts im öffentlichen Raum. Die Anwendung dieser Kriterien ergab laut Stadt Luxemburg „dass das bestehende Fußgängernetz bereits sehr gut auf die Bedürfnisse der Fußgänger zugeschnitten ist“.

Wer in der Hauptstadt die Straße überqueren will, muss sich mancherorts wegen kurzer Grünphasen sputen

Wer in der Hauptstadt die Straße überqueren will, muss sich mancherorts wegen kurzer Grünphasen sputen Foto: Editpress/Julien Garroy

Goldschmidt räumte am Dienstagmorgen allerdings ein: „Es gibt auch ein paar Wermutstropfen. An einigen Stellen dauert die Grünphase nicht lange genug oder man muss zu lange an einer Ampel warten.“ Er wies darauf hin, dass kürzere Wartezeiten für Fußgängerinnen und Fußgänger längere Wartephasen für die Menschen in Auto, Bus und Co. bedeuten.

Mehr Platz fürs Rad

„Am meisten zu tun“ gibt es dem Mobilitätsschöffen zufolge bei der Fahrradinfrastruktur. Das Büro Gehl hat Konzeptpläne für 21 Korridore und 30 Verbindungspunkte ausgearbeitet. Unter Berücksichtigung verschiedener Kriterien wie der bestehenden Infrastruktur oder der geltenden Normen und Vorschriften will die Stadt prüfen, welche sich kurz-, mittel- oder langfristig umsetzen lassen.

Acht Strecken wurden ausgewählt, an denen kurzfristig Änderungen für eine bessere Fahrradinfrastruktur möglich sind: etwa an der avenue Jean-Pierre Pescatore in der Oberstadt, an der rue des Aubépines in Merl (Abschnitt zwischen dem Val Ste-Croix und der route d’Arlon) oder auch an der rue de Trèves und der rue de Cents in Cents umgesetzt werden. Dazu gehört auch der boulevard Franklin D. Roosevelt vor der Kathedrale in Richtung avenue Marie-Thérèse. Dort sollen Arbeiten zur Verbesserung der Radinfrastruktur schon im Januar beginnen.

Empfehlungen aus dem Konzept

Für eine kurzfristige Umsetzung schlägt das Planungsbüro Gehl folgende Korridore vor:

• boulevard Franklin D. Roosevelt und avenue Marie-Thérèse

• avenue Jean-Pierre Pescatore

• boulevard Marcel Cahen und place de France

• rue des Aubépines (Abschnitt zwischen dem Val Ste-Croix und der route d’Arlon)

• rue de Trèves und rue de Cents

• allée Pierre de Mansfeld

• rue de Merl

• boulevard de Verdun und boulevard Grande-Duchesse Joséphine-Charlotte

Ziel sei es, Lücken im Radwegenetz zu schließen, erklärte Goldschmidt. Er sagte, dass das auch auf Kosten des „ruhenden Verkehrs“ geschehen kann und in dem Fall Parkplätze wegfallen müssen. Wo es möglich ist, sollen Rad- und Gehwege getrennt und durch unterschiedliche Farben gekennzeichnet werden. Rot soll dabei Gefahrenstellen vorbehalten werden.

Vorschläge werden überprüft

Der Mobilitätsschöffe betonte am Dienstag, dass das Konzept ein „Werkzeugkasten“ und kein Ausführungsplan sei. In einer Pressemitteilung heißt es, dass die Stadt eine mögliche Umsetzung der Vorschläge analysiert und diese „je nach ihrer Durchführbarkeit“ in ihre Planungen integriert. Das Dokument soll laut Goldschmidt nicht in einer Schublade verschwinden.

Denn: „Das Rad und Fußgänger sollten nicht nur heute, sondern allgemein immer in dieser Stadt im Mittelpunkt stehen.“ Angesichts der Kosten von rund 356.000 Euro für die Studie bleibt zu wünschen, dass die Stadt die Vorschläge berücksichtigt. Mehr Informationen zum Konzept der sanften Mobilität und das Dokument gibt es unter vdl.lu.

Lob und Kritik von der Opposition

Bevor die Stadt Luxemburg das Konzept für sanfte Mobilität am Dienstag der Presse vorstellte, war es bereits am Montag im hauptstädtischen Gemeinderat Thema. Von der Opposition gab es Lob für das 219 Seiten lange Dokument, aber auch einiges an Kritik: So stellte Rat François Benoy („déi gréng“) unter anderem fest, dass es sich zu stark auf das Fahrrad konzentriere und der Fußverkehr zu kurz käme. Kurze Grünphasen und lange Wartezeiten an Ampeln, die Mobilitätsschöffe Patrick Goldschmidt (DP) am Dienstag erwähnte, würden in dem Dokument kaum thematisiert. Benoy bedauerte zudem, dass weder die Bevölkerung noch Vereinigungen wie ProVelo einbezogen worden seien. Vor allem aber fragte sich das Oppositionsmitglied, ob DP und CSV den Mut zur Umsetzung der Maßnahmen haben werden. David Wagner („déi Lénk“) forderte indes weniger Verkehr und mehr Tempo-30-Zonen in der Hauptstadt.

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