CGDIS und Krankenhäuser unter Druck
Wie stark hat die Hitzewelle Luxemburgs Gesundheitssystem belastet?
Während der jüngsten Hitzewelle verzeichnete das CGDIS im Schnitt fast 50 Prozent mehr Einsätze – an Spitzentagen sogar fast doppelt so viele wie üblich. Wie stark das Gesundheitssystem belastet wurde und was die Daten zur Übersterblichkeit zeigen.
Während der Hitzetage verzeichneten Luxemburgs Notaufnahmen einen Zuwachs an Personen über 60 Jahren Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante
Die anhaltende Hitze der vergangenen Wochen ist am luxemburgischen Gesundheitssystem nicht spurlos vorübergegangen – vor allem beim CGDIS und in den Notaufnahmen machten sich die Extremtemperaturen deutlich bemerkbar. Vor diesem Hintergrund haben sich die beiden DP-Abgeordneten André Bauler und Gusty Graas in einer parlamentarischen Anfrage an Innenminister Léon Gloden und Gesundheitsministerin Martine Deprez (beide CSV) über die Auswirkungen der Hitzewelle auf das Luxemburger Gesundheitswesen und die personenbezogenen medizinischen Folgen erkundigt. Eine brisante Frage: die Anzahl der Hitzetoten während dieser Tage.
Mehr Tote als erwartet, aber ...
Das Gesundheitsministerium liefert in seiner Antwort Zahlen zur Mortalität der vergangenen Wochen. Die daraus resultierende Übersterblichkeit könne jedoch nicht mit den Hitzetoten gleichgesetzt werden. „Die durch Hitzewellen bedingte Sterblichkeit lässt sich nur schwer einschätzen, da Todesfälle auf verschiedene, oft multifaktorielle gesundheitliche Probleme zurückzuführen sein können“, heißt es in dem Schreiben der beiden Minister. Die Erfassung von Dehydrierung sei beispielsweise nicht aussagekräftig, da diese auch durch diverse andere Krankheiten oder „äußere Faktoren“ verursacht werden kann.
Aus dem Zahlenmaterial lässt sich jedoch feststellen, dass es zumindest in den bisher drei komplett ausgewerteten Hitzewellewochen eine Übersterblichkeit gegeben hat – also mehr Personen gestorben sind, als anhand von statistischen Daten prognostiziert. Die Daten einer Woche seien bislang nicht komplett. In der 22. Kalenderwoche (25. bis 31. Mai) lag die Übersterblichkeit bei 16, in der 25. Kalenderwoche (15. bis 21. Juni) bei acht und in der 26. Woche (22. bis 28. Juni) bei 23 – insgesamt also 47 Menschen mehr als erwartet. Allerdings hat es in der 19. Kalenderwoche (4. bis 10. Mai) auch eine Übersterblichkeit von 18 Menschen gegeben und diese stehe in keinem Zusammenhang mit einer Hitzewelle.
Aus dem Schreiben geht auch hervor, dass die Übersterblichkeit in der 26. Kalenderwoche in Luxemburg deutlich geringer ausfiel als bei seinen Nachbarn Frankreich und Belgien.
Deutlich mehr Einsätze
Etwas leichter fassbar ist hingegen die gestiegene Anzahl an CGDIS-Einsätzen. Während der vergangenen Hitzewelle habe das Rettungskorps einen Anstieg seiner täglichen Einsätze zwischen 23 und 85 Prozent verzeichnet – im Durchschnitt 47 Prozent. Als Referenzperiode wurden dafür die Jahre 2020 bis 2025 herangezogen. Vom 22. bis 27. Juni, den Tagen mit einer „alerte rouge“, waren es sogar 60 Prozent mehr Einsätze.
Konkret bedeutet das, dass das CGDIS vom 15. bis 30. Juni durchschnittlich 37,12 Einsätze pro Tag gefahren ist – statt 26,33 wie in der Referenzperiode. Den bedeutendsten Anstieg hat es am 26. Juni gegeben – an dem Tag, als der langjährige Wetterrekord erstmals gebrochen wurde: Insgesamt 369 Einsätze, was einem Anstieg von 95 Prozent entspricht, wovon allein 305 auf „secours à personne“ (SAP) mit einem Plus von 82 Prozent zurückgehen.
Die Minister merken allerdings auch an, dass die Anzahl an Einsätzen von Jahr zu Jahr ohnehin auch tendenziell steigt.
Krankenhäuser unter Druck
Die Hitzewelle hat jedoch nicht nur das CGDIS gefordert, sondern war auch fürs Pflegepersonal und seine Patienten „eine echte Herausforderung“. Dennoch sei die Lage in den Krankenhäusern stets „unter Kontrolle“ gewesen, heißt es. Die Krankenhäuser hätten „die erforderlichen Ressourcen“ mobilisieren können, um die medizinische Versorgung weiterhin zu gewährleisten.
Anhand der Daten zweier Krankenhäuser ließe sich im Vergleich zu den Jahren 2023 bis 2025 ein Anstieg der Notaufnahmen bei Personen ab 60 Jahren beobachten – also genau jenen Menschen, die als vulnerabel gelten. Gleichzeitig habe es einen Rückgang der Notaufnahmen bei den 5- bis 24-Jährigen gegeben.
Keine Warnung wegen Alkohol?
Das Gesundheitsministerium hatte aufgrund der Hitze Empfehlungen herausgegeben. Diese konzentrieren sich in erster Linie darauf, auf eine ausreichende Hydratation zu achten, kühle Orte aufzusuchen und auf gefährdete Menschen besonders Acht zu geben. In einer parlamentarischen Anfrage an die Gesundheitsministerin fragt der LSAP-Abgeordnete Mars Di Bartolomeo, warum Luxemburg, anders als beispielsweise Frankreich oder die Weltgesundheitsorganisation (WHO), nicht auch vor dem Konsum von Alkohol unter diesen Wetterbedingungen gewarnt hat.
„Nach dem aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse kann Alkoholkonsum die Auswirkungen von Hitzeperioden verstärken“ – demnach also „eine Dehydrierung begünstigen, die Wahrnehmung von Warnsignalen verzögern und das Risiko für Kreislaufbeschwerden oder andere hitzebedingte Gesundheitsprobleme erhöhen“, meint die Gesundheitsministerin. Allerdings ließe sich durch die aktuellen Studien nicht bestimmen, welchen Anteil der Alkoholkonsum an hitzebedingten Notfällen hat.
Es sei jedoch nicht ausgeschlossen, dass eine entsprechende Warnung in die Informationskampagnen des Gesundheitsministeriums aufgenommen werde. Deren Inhalt werde laufend geprüft und bei Bedarf aktualisiert.