Leserforum
Belgien bittet Autofahrer zur Kasse – Vignette ab Mai 2027
Die geplante belgische Pkw-Vignette mag mit einem Jahrespreis von 90 bis
125 Euro zunächst überschaubar erscheinen. Für Menschen, die in Belgien
wohnen oder täglich dorthin pendeln, dürfte eine Jahresvignette
tatsächlich keine unüberwindbare Belastung darstellen.
Anders sieht es jedoch für Bürger aus den Grenzregionen aus, die nur
gelegentlich für einen Einkauf, einen Arztbesuch, einen Familienbesuch
oder einen Ausflug nach Belgien fahren. Wer beispielsweise aus Luxemburg
alle paar Jahre einmal zum Einkaufsgebiet in Sterpenich fährt, müsste
möglicherweise bereits für wenige hundert Meter auf belgischen Straßen
eine Tagesvignette erwerben. Selbst wenn diese nur drei, vier oder fünf
Euro kosten sollte, bleibt die Frage, ob eine solche zusätzliche Hürde
sinnvoll und verhältnismäßig ist.
Dabei geht es nicht allein um die Höhe des Betrags. Es geht um das
Prinzip. Europa sollte seine Grenzen im Alltag weiter abbauen, statt
immer neue Gebühren, Registrierungen und Kontrollen einzuführen. Gerade
in Grenzregionen gehören kurze Fahrten ins Nachbarland seit Jahrzehnten
zum normalen Leben. Belgien ist für viele Luxemburger kein fernes
Reiseziel, sondern unmittelbarer Nachbar und Teil eines gemeinsamen
Wirtschafts- und Lebensraums.
Selbstverständlich müssen Straßen gebaut, instand gehalten und
finanziert werden. Dafür zahlen Bürger jedoch bereits zahlreiche Steuern
und Abgaben. Eine zusätzliche Vignette schafft vor allem neue Bürokratie
und trifft auch Menschen, die das belgische Straßennetz nur kaum
und für kurze Strecken nutzen.
Straßen verbinden Menschen, Regionen und Länder. Sie sollten nicht zu
neuen finanziellen Grenzen innerhalb Europas werden. Wir brauchen
weniger Hindernisse zwischen den europäischen Bürgern – nicht noch mehr.