Editorial
Die Internet-Trolle tischen auf: Frauenhass bleibt salonfähig
Im Netz wird gepöbelt, denn die Bundesliga hat jetzt eine erste Frau als Cheftrainerin. Doch trotz des hemmungslosen Hasses für Marie-Louise Eta besteht endlich Hoffnung.
Bislang wurde weniger über die Kompetenzen von Marie-Louise Eta geschrieben als über ihr Geschlecht Foto: dpa/Tom Weller
Bundesliga. Trainerwechsel. Pressekonferenz. Klingt nach einer banalen April-Woche im Profifußball. War es aber nicht. Am vergangenen Wochenende trennte sich Union Berlin nach einer Pleite gegen Liga-Schlusslicht Heidenheim von Coach Steffen Baumgart. Nachfolgerin ist Marie-Louise Eta – als allererste Frau in der Beletage.
Die Stunden nach der Verkündung waren der Beweis dafür, dass dieser mutige (und reichlich überfällige!) Schritt 2026 für so manchen Fan und Fußballfanatiker noch undenkbar ist: Im Netz wird der eigene Frauenhass heutzutage hemmungslos breitgetreten, als wäre es die selbstverständlichste Sache der Welt.
Es folgen ein paar Auszüge von Kommentaren, die allesamt auf der Facebook-Klubseite nachzulesen sind: „Sehr lustig. Sie wird keine Zukunft haben. Gott sei Dank.“ Oder etwa: „Frauen können Männermannschaften trainieren, nur nicht Profi- bzw. Bundesligamannschaften, maximal bis zur B-Jugend. Nur Theorie reicht nicht für die Profis, die Dame kann nichts Praktisches vorweisen. Das Projekt wird garantiert scheitern.“
Fachwissen zu hinterfragen, ist definitiv gerechtfertigt. Die Trainerin allerdings schon vor dem Beginn ihrer Amtszeit als unqualifiziert abzustempeln, nicht. Marie-Louise Eta ist im Besitz der UEFA-Pro-Lizenz, des bedeutendsten Diploms der Branche. Als Spielerin gewann sie die Champions League. Als Co-Trainerin stand sie 2023 bereits an der Seitenlinie der Berliner und schaffte den Klassenerhalt, der auch diesmal das Ziel ist. Bis zuletzt war sie hauptamtlich für die U19 zuständig.
Und was sagen die Internet-Trolle, die Gesicht und Namen nicht mal kaschieren, um sexistische Bemerkungen zu verfassen? „Soll sich lieber um Kind und Haushalt kümmern. Jede Niederlage wird mit dieser Frau ein Genuss für uns Männer sein. Welcher Profi nimmt schon eine Frau für voll. Ich würde sofort den Verein wechseln.“ Von ähnlicher Größe zeugen auch folgende Kommentare: „Ich würde mich niemals von einer Frau trainieren lassen, bei allem Respekt!“ Oder: „Um Gottes Willen. Dann laufen die Spieler mit nem rosa Tütü auf und werfen mit Wattebällchen.“
Die Leichtigkeit, mit der 2026 noch so bedenkenlos über eine 34-Jährige (und ihre Kolleginnen) geschrieben und geurteilt wird, ist erschreckend. Der Verein zeigte klare Kante, doch getan ist es damit nicht. Eta wird in den nächsten Wochen nicht nur wegen ihrer Fachkompetenz und Ergebnisse im Fokus stehen, sondern auch, weil sie eine Vorreiterin ist. Sie trägt auf ihren Schultern die Hoffnung von jungen Mädchen und den Stolz ihrer eigenen Generation. Es ist ein Druck, aber auch ein Moment, der mit Hoffnung einhergeht. Der Großteil der Kommentare im Netz war bislang positiv: Eta steht für Wandel, Zukunft und Fußball. So einfach ist es.