Editorial

Die neue Gefahr: E-Roller sind nicht nur eine Lösung

Getunt auf über 60 km/h: E-Scooter sind längst mehr als ein praktisches Verkehrsmittel. Wie gefährlich ist der Trend auf Luxemburgs Straßen geworden?

In vielen Städten kann man E-Roller mieten

In vielen Städten kann man E-Roller mieten Foto: AFP

Sie sind emissionsfrei, günstig, einfach zu parken und bringen Menschen sehr schnell und einfach von einem Ort zum nächsten. Der E-Scooter oder E-Roller ist ein Symbol der modernen Mobilität geworden. Aber nicht nur, denn für viele Menschen ist er eine Gefahr geworden.

Erst vergangene Woche erwischte die Polizei in Luxemburg einen E-Scooter-Fahrer, der mit 61 km/h eine Geschwindigkeitskontrolle durchbrach und daraufhin vor den Beamten flüchtete. Kein Einzelfall. Manche dieser Roller können über 100 Sachen fahren.

Laut nationaler Straßenverkehrsordnung zählen E-Tretroller zu den elektrischen Kleinstfahrzeugen (MVE), deren Höchstgeschwindigkeit 25 km/h nicht überschreiten darf. Allerdings werden sie immer öfter getunt und erreichen deshalb eine höhere Maximalgeschwindigkeit. Das geht ganz einfach: zum Beispiel mit einer App oder einem Chip. Erlaubt ist das natürlich nicht, wird aber trotzdem heutzutage immer öfter gemacht. Gefährlich ist dies allen voran für die Fahrer selbst, denn nur die allerwenigsten tragen auf den Straßen einen Helm. Auch weil es keine Pflicht ist.

Gefahr geht aber auch von den Rollerfahrern aus, die sich auf dem Gehweg befinden und zum Beispiel einen Zebrastreifen überqueren. Der Großteil der Fahrer auf unseren Straßen hat seinen Führerschein gemacht, als es noch keine E-Scooter gab. Sie rechnen oft nicht damit, dass auf einmal ein Roller mit 20 km/h aus dem Hinterhalt über einen Gehweg schießt. Das menschliche Auge bzw. Gehirn ist auf solche Situationen noch nicht trainiert.

Wie viele Unfälle es pro Jahr genau gibt, darüber führt die Polizei keine Statistik. Der ACL gab kürzlich jedoch dem Tageblatt gegenüber zu Protokoll, dass die „Zahl der Unfälle mit sogenannten MVE zunimmt“. Es gab auch mehrere Petitionen, die eine strengere Reglementierung fordern. Das Problem ist also akut.

Fakt ist aber auch, dass die Roller ein Schritt in die richtige Richtung sind. Luxemburg verfolgt seit Jahren das Ziel, den motorisierten Individualverkehr zu reduzieren. In diese Strategie passen E-Scooter perfekt rein – wenn sie denn gezielt und mit Verstand genutzt werden.

Genau dort liegt das Problem. Ein Roller ist weder Spielzeug noch Freizeitgerät. Er ist ein Verkehrsmittel mit klaren Rechten und ebenso klaren Pflichten. Wer einen E-Scooter fährt, muss dieselben Grundregeln beachten wie zum Beispiel ein Radfahrer. Derzeit hat man jedoch das Gefühl, dass dies für die Regelhüter keine Priorität zu sein scheint.

E-Scooter werden bleiben. Ihre Vorteile für eine moderne und klimafreundliche Mobilitätspolitik sind unbestritten. Die entscheidende Frage lautet daher nicht, ob wir sie wollen, sondern wie wir mit ihnen umgehen.

2 Kommentare
Jemp 06.08.202609:35 Uhr

Während zu Recht viel über die Unfälle mit Tretrollern debattiert wird, sind anscheinend die immer häufigeren Unfälle mit Radfahrern kein Thema. Die Roller werden kontrolliert, die Fahrräder nicht. Dabei erreichen unsere Hobbyrennradler bergab auch Geschwindigkeiten von über 80 km/h, und das sogar ohne Elektroantrieb. Autos werden überholt (mit weniger als 50 cm Abstand), Kurven werden gnadenlos unter Lebensgefahr geschnitten, Rotlicht wird ohne zu zögern überfahren, Fu8gänger werden angerempelt, der Stinkefinger ist fast permanent in Aktion und Radwege lassen sie links liegen und fahren 5m daneben auf der Straße. Je, sie machen was sie wollen. Das wird aber gerne ignoriert, die Politik möchte ja möglichst viele aufs Fahrrad kriegen und die tägliche Fahrradpropaganda in vielen Medien geht bis zum Brechreiz. Da sind die Unfälle und Fahrradrowdytum dann trotz auf allen übrigen Gebieten extremem Sicherheitsbestreben nicht mehr der Rede wert.

HeWhoCannotBeNamed 06.08.202608:58 Uhr

Ich möchte 2 Kommentare hinzufügen :
- Zur Erkenntnis dass der E-Scooter "ein Verkehrsmittel mit klaren Rechten und ebenso klaren Pflichten" ist : wieso haben wir dazu so lange gebraucht? Der gesamte Verkehr wurde in den letzten Jahrzehnten (berechtigterweise) stärker vom Staat eingeschränkt und von Regeln festgelegt (Geschwindigkeit, Alkohol, etc). Wieso gab es hier - und gibt es immer noch - einen Freifahrtschein für ein Benehmen, dass den Fussgänger ungeschützt dem 'Need for speed' aussetzt?
- "Ihre Vorteile für eine moderne und klimafreundliche Mobilitätspolitik sind unbestritten" : diese Behauptung erscheint (nicht nur) mir zweifelhaft. Wieviele Menschen ersetzen tatsächlich die Autofahrt durch eine E-Scooter-Fahrt? Und wieviel E-Müll wirft das Ganze ab, im Vergleich zur Einsparung an CO2? Der E-Scooter ist längst ein Lifestyle-Produkt geworden, ein Wegwerfprodukt, genauso ein Teil der Konsumgesellschaft wie andere Produkte - und damit genauso Teil des Problems als der Lösung.

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