Der Politflüsterer
Liz Braz am Bahnsteig der Eitelkeiten und andere Personalwechsel
Esch, Hauptstadt, Remich: Koffer, Gerüchte und politische Abfahrten – der Wochenrückblick des Politflüsterers.
Des Politflüsterers Frage an Liz Braz: War das Streitgespräch mit Fred Keup politisch wirklich eine gute Idee? Foto: Editpress/Tania Feller
Eine Umfrage genügt und schon beginnt das große Mehrheiten-Bingo. Was gestern noch nach stabiler Regierung aussah, taugt heute bereits für neue Koalitionsrechnungen. Und plötzlich scheinen manche personellen Bewegungen auffallend weniger zufällig, denkt der Politflüsterer.
Beispielsweise in Esch. Dort wirkt der Schöffenrat derzeit ein wenig wie ein Bahnhof. Zwally steigt aus, Knaff ebenfalls, Sehovic gleich mit. Und innerhalb der LSAP soll angeblich schon jemand gedanklich am Bahnsteig stehen.
In politischen Kreisen wird jedenfalls aufmerksam registriert, dass Gemeinderatsmitglied Liz Braz mitunter auffallend oft Hauptstadtluft schnuppert. Und wer sie zuletzt im Wort beim Streitgespräch mit ADR-Mann Fred Keup gesehen hat, könnte sich zusätzlich fragen, ob da gerade jemand an seiner politischen Sichtbarkeit arbeitet. Hauptstadtluft schnuppern ist schließlich das eine. Präsenz auf größerer Bühne das andere.
Angeblich soll Liz Braz bereits über einen Umzug größeren Stils nachdenken. Mit Blick Richtung Nationalwahlen 2028? Warum auch nicht? Politisch gilt in Luxemburg manchmal fast dasselbe wie im Immobiliengeschäft: Entscheidend ist die Lage.
Für die LSAP Esch wäre das eher kein Grund für Freudensprünge. Der Hauptstadt-LSAP täte ein bekanntes Gesicht aus dem Süden hingegen vermutlich gut. Dort wirkt manches derzeit, als könnte es ein wenig Sonne vertragen.
Weniger begeistert dürften allerdings jene Mandatsträger sein, die wissen, dass sich Abgeordnetensitze bislang hartnäckig jeder wundersamen Vermehrung verweigern.
Wenn Paulette Lenert nun in den Staatsrat wechselt und womöglich zusätzlich noch die Luxemburger Weltausstellung 2030 in Riad übernehmen sollte, dürften innerhalb der LSAP ohnehin einige politische Karten neu gemischt werden.
Denn als Lenert kürzlich sagte: „D’Ekipp soll sech sou opstellen, wéi wann ech net Spëtzekandidatin wär“, klang das nicht unbedingt wie einer jener Sätze, mit denen Politiker gewöhnlich ihre Rückkehr auf die große Bühne vorbereiten.
Frei übersetzt hörten manche darin eher: Rechnet vorsichtshalber lieber ohne mich.
Jérôme Laurent dürfte man inzwischen jedenfalls etwas genauer beobachten. Als einer von nur zwei LSAP-Bürgermeistern im Osten führt bei künftigen Chamber-Überlegungen wohl kaum ein Weg an seinem Namen vorbei.
Und auch in Remich scheint Bewegung in die lokale Statik zu kommen. In der Moselperle heißt es, Jean-Paul Kieffer könnte den Bürgermeisterposten von Jacques Sitz übernehmen.
Aber wie immer gilt einer der Lieblingssprüche des Politflüsterers: Die Hunde bellen. Die Karawane zieht weiter. Bleiben Sie optimistisch! Trotz – oder gerade weil – Luxemburg es beim ESC nicht ins Finale geschafft hat. (Marco Goetz)