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Milliarden statt Moral: Der große Fußball-Ausverkauf

Milliarden statt Moral: Der große Fußball-Ausverkauf

Kurz vor dem Start der BGL Ligue erreicht der Irrsinn im milliardenschweren Fußballgeschäft eine neue Eskalationsstufe. Die inzwischen gestoppten Pläne von FIFA-Präsident Gianni Infantino, WM-Anteile für mehrere Milliarden an Investoren zu verkaufen, machen deutlich, wohin die Reise geht: weg vom Sport, hin zum reinen Geschäftsmodell. Die WM, die einst für Leidenschaft und Identifikation stand, droht endgültig zum Anlageprodukt zu verkommen. Der geplante Milliardendeal, eingefädelt über Investmentbanken und flankiert von politischen Netzwerken rund um den Trump-Clan, offenbart die Stoßrichtung: mehr Geld, mehr Einfluss, mehr Abhängigkeit. Lässt sich eine WM noch stärker kommerzialisieren als zuletzt in Kanada, Mexiko und den USA? Die jüngsten Entwicklungen liefern eine ebenso simple wie ernüchternde Antwort: Ja. Der Fußball ist längst zum Spielball globaler Finanzinteressen geworden. Wann erreicht die Gier ihre Grenze?

Die Boykott-Androhung aller 55 UEFA-Mitgliedsverbände – darunter auch die FLF – machte die Einigkeit gegen den Investorendeal deutlich. Auch andere Kontinentalverbände positionierten sich klar gegen die Pläne von „FIFA Forward Enterprises“. Was auf den ersten Blick wie ein Machtkampf zwischen UEFA und FIFA aussieht, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Offenbarungseid. Die Empörung der UEFA wirkt beinahe rührend, wäre sie nicht so offenkundig heuchlerisch. Denn gerade der europäische Fußball hat den Ausverkauf maßgeblich vorangetrieben: Staatsfonds aus Katar und Saudi-Arabien, US-Investoren in den Topligen, immer neue Wettbewerbe und explodierende Prämien. Vor diesem Hintergrund erhält der plötzliche Widerstand eine ganz andere Bedeutung.

Sportliche Werte spielen längst nur noch eine Nebenrolle – wenn überhaupt, dann höchstens als gut inszenierte Fassade. Moral und Regeln? Das sind kaum mehr als Schlagworte. Selbst aus dem System kommende Stimmen, wie jene von Paul Philipp, geben inzwischen zu, dass der Fußball zur Nebensache geworden ist – eine bemerkenswert späte Einsicht. Wer sich heute empört zeigt, hat die Entwicklungen der vergangenen Jahre konsequent verdrängt. Infantino lockt die Verbände seit Langem mit schnellen Millionen und sichert sich damit vor allem eines: Macht. Es bleiben jetzt viele Fragen offen: War der Rückzug der Pläne mehr als nur ein taktisches Manöver? Ist Infantinos Autorität nachhaltig beschädigt? Steht womöglich das Ende des vermeintlich missverstandenen FIFA-Bosses bevor?

Die bittere Erkenntnis bleibt bestehen. Die Fußballwelt steckt seit Langem in einer kapitalistischen Sackgasse. Ob mit oder ohne Investoren – der Unterschied ist kaum noch spürbar. Während an der Spitze Milliarden verschoben werden, bleibt die Realität an der Basis dieselbe: Fans, die sich die Tickets kaum noch leisten können – und dennoch feiern. Vielleicht ist genau das der letzte Rest Ehrlichkeit in einem Spiel, das sich selbst längst verkauft hat.

4 Kommentare
JJ 16.08.202616:09 Uhr

Stell dir vor es ist Fußball und keiner geht hin. Der Konsument hat die Macht allen Infantinos dieser Welt ein Bein zu stellen und sie in die Wüste zu schicken. Dasselbe gilt für die Millionen-Geschäfte Privater Sender die dem kleinen Mann von der Straße den Zugang zu Spielen via TV versagen. Ein Messi und wie sie alle heißen wird auch noch spielen wenn er nicht nach jedem Tor Millionen kassiert.
Ronaldo sàhe in einem Porsche genau so cool aus wie in einem Ferrari. Wenn's ums Geld geht-Infantino oder Trump.

Fraulein Smilla 15.08.202607:08 Uhr

Nach einer BBC Meldung hat ein Konsortium dem ua Jeff Bezos und der Schwiegersohn von Lakshmi Mittal angehoeren ein Drittel des FC Liverpool gekauft .

Fraulein Smilla 14.08.202608:50 Uhr

Vergessen wir nicht die russischen Oligarchen , die sich vor dem Ukraine Krieg in den europaeischen Spitzenligen tumelten und deren Geld man ohne Hemmungen dankbar annahm .

Luxmann 12.08.202609:35 Uhr

Dieser leserbrief beschreibt die situation des weltfussballs korrekt.
Man kann nur den kopf ueber die heuchschleriche attitude der heutigen UEFA schuetteln,welche wohl von allen verbaenden die kommerzialisierung des fussballs am meisten gefoerdert hat durch die ankunft von finanz investoren aus Nordamerika und Asien,welche z.bsp die champions league weltweit vermarkten und fuer riesige geldfluesse und inflation der gehaelter in den top ligen sorgen.
Der heute gescholtene Infantino ist ein kind dieser Uefa.
Es muss ja auch nicht schlecht sein dass der europaeische fussball heute weltweit sowohl in Shanghai,Jeddah und New York am bildschirm ueberall praesent ist.
In unserer welt wird nun mal alles zu 100 prozent kommerziell vermarket,von kultur ueber politik bis spitzensport.
Man kann das bedauern oder nicht...eine rueckkehr wird es kaum geben.
Wie Philipp sagt...fussball ist eine schoene nebensache wenn der Euro rollt.

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