Leserforum
PISA – ein liberales Desaster mit Ansage
Ich bin erschrocken darüber, dass die Mitglieder der parlamentarischen Bildungskommission sich über die PISA-Resultate erschrocken zeigen. Dies zeigt, wie wenig sie sich über die Konsequenzen ihrer eigenen Entscheidungen im Klaren sind, denn, quer durch die Parteien haben viele von ihnen den Maßnahmen, die zu dieser Katastrophe führten, zugestimmt. Dabei kam dieses Resultat mit Ansage.
Das schlechte Abschneiden beim PISA-Test ist das direkte Resultat der Schulpolitik der Liberalen! In jedem anderen Land würde die sich aufdrängende Schlussfolgerung gezogen werden, dass, wenn eine Partei 13 Jahre lang die Schulpolitik bestimmt, sie auch verantwortlich für die Resultate dieser Politik ist.
Jede Maßnahme – ich will das Wort „Reform“ nicht für den bildungspolitischen Kahlschlag durch die DP verunglimpfen –, die diese Partei eingeführt hat, hat zu dem katastrophalen Resultat beigetragen.
Wer, wie die DP, sich auf der einen Seite über die Bildschirmzeit der jungen Menschen am Handy beschwert, gleichzeitig aber die Bildschirmzeit mit aus dem Fenster geworfenem Geld in den Schulen massiv erhöht (iPad-Klassen), ist unglaubwürdig. Der US-amerikanische Lehrer und Neurowissenschaftler J. Horvath zeigt in seinem Buch „The Digital Delusion“, dass die schlechten Lernergebnisse in einem direkten Zusammenhang mit dem generalisierten Einzug der individuellen Laptops in den Klassen stehen.
Wer, wie die DP, Lehrpläne im Untergrad des „Enseignement général“ durchboxt – die PISA-Tests werden in dieser Alterskategorie durchgeführt –, unter denen besonders die Sprachen und die auf Sprache basierenden Kurse wie Geschichte bis heute leiden, ist verantwortlich für das Desaster.
Wer, wie die DP, sich einer Verkleinerung der Klassen in der Grundschule und somit einer besseren Förderung der Kinder verschließt, gleichzeitig aber das Personal mit unsinnigen administrativen Maßnahmen überfordert und einen administrativen Wasserkopf in den Direktionen des „Fondamental“ aufbaut – also bei den Kindern dringend benötigtes Personal falsch einsetzt –, ist verantwortlich für diese Situation.
Wer, wie die DP, die Eltern verantwortlich macht für den Bildungsrückstand ihrer Kinder, gleichzeitig aber fordert, dass diese Eltern mehr arbeiten sollten (siehe die Forderung des Chefs der Jungliberalen auf dem letzten DP‑Kongress), zeigt, wie wenig den Liberalen an einer sozial gerechten Bildungspolitik liegt.
Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass diese Politik der Zerstörung des funktionierenden Teils unseres Schulsystems, nämlich der Mehrsprachigkeit, gezielt und gewollt war, um anschließend die von Anfang an geplante, unsinnige und gerade für die Sprachentwicklung der Kinder gefährliche Maßnahme der französischen Alphabetisierung zu legitimieren, wie es im Zuge der Veröffentlichung der PISA‑Resultate geschehen ist.
Hier sind liberale Ideologen am Werk und Ideologen gehören nicht in ein Ministerium. Schon gar nicht ins Bildungsministerium.