Editorial

Trump pfeift auf alle Regeln und alle machen mit

Trump behandelt die WM wie alles andere: Regeln zählen nicht, seine Höflinge nicken, der Rest hat Pech. Es wird Zeit, ihn vom Platz zu stellen.

Donald Trump überreicht am 19. Juli die WM-Trophäe an die Gewinner – Entscheidung über den Verbleib der Trophäe unklar.

Trump soll am 19. Juli den WM-Gewinnern die Trophäe überreichen. Ob er sie nicht lieber behält? (Foto vom 22.8.2025) Archivfoto: AFP

Hatte wirklich jemand gedacht, dass der Grobian im Weißen Haus sich im Zaum halten würde, wenn es um die WM geht? Dass Trump Fußball Fußball sein lassen würde? Und dass Gianni Infantino im Zweifel etwas anderes tun würde, als die Florsheim-Schnürschuhe des Präsidenten zu lecken?

Denn dass der Fußball Regeln hat, interessiert Trump nicht. Er kennt sie nicht und sie spielen auch keine Rolle, weil Regeln für die USA ohnehin nicht gelten. Wer einen Staatschef entführen kann, einen Krieg gegen den Iran vom Zaun bricht und die Kampagne zur Annektion von Grönland, immerhin dem Staatsterritorium eines Verbündeten, unbeirrt weiterführt, der schert sich auch nicht um das FIFA-Reglement. Bis vergangene Woche wusste Trump noch nicht einmal, was eine Rote Karte bedeutet. Heute weiß er nicht viel mehr, nur so viel: Wenn sie einen amerikanischen Spieler trifft, muss es die Schuld des Schiedsrichters sein. Mit anderen Worten: Trump ist jetzt auf dem Niveau der bierseligen Trottel am Spielfeldrand der Provinzliga angekommen. Welch ein Aufstieg.

Das Problem ist, dass diese Nullnummer von US-Präsident in nahezu jedem Feld so verfährt wie im Fußball: Er stellt, frei von der Last jeder Sachkenntnis, völlig unsinnige Forderungen und bringt damit die sorgsam errichteten Regelgebäude zum Einsturz, die in den vergangenen siebzig Jahren zur Grundlage unserer Zivilisation geworden waren. Das kann er aber nur, weil sein wahres Talent darin besteht, einen Haufen machtgieriger Höflinge um sich herum zu versammeln, die jeder seiner noch so dämlichen Idee Folge leisten. Nicht etwa aus Überzeugung, sondern aus reinem Kalkül. Hegseth, Bessent, Rubio, Infantino: Sie alle sind die Aasgeier, die hoffen, sich aus dem von Trump zerfledderten Kadaver der regelbasierten Weltordnung ein möglichst großes Stück herauspicken zu können.

Dass dabei jede Form von Kohärenz auf der Strecke bleibt, ist natürlich gesetzt: Folarin Balogun, der nun gegen Belgien auflaufen darf, gehört genau zu den Menschen, denen Trumps Regierung nämlich die US-Staatsbürgerschaft künftig nicht mehr gewähren will. Der Sohn nigerianischer Eltern wurde in den USA geboren, weil die Airline seiner schwangeren Mutter aus medizinischen Gründen die Rückreise verweigert hatte. Es sollte niemanden wundern, wenn Trump seine Staatsbürgerschaft grundsätzlich infrage stellt, wenn Balogun beim nächsten Spiel nicht die erwünschte Leistung bringt. In der transaktionalen Logik des Clowns von Washington schuldet der Stürmer ihm nun nichts weniger als den Gewinn der Weltmeisterschaft. Und den Pokal nachher bitte brav im Oval Office vorbeibringen.

Was inzwischen jeder wissen sollte: Jede vorauseilende Unterwerfung, jede Konzession an die Hirngespinste dieses Präsidenten macht ihn nur gieriger. Compliance mit den Wahnvorstellungen eines Megalomanen ist Beihilfe zur Selbstdemontage. Länder, Politiker und Verbände, die weiter mitspielen, retten damit nichts. Sie liefern nur den nächsten Bissen. Wer sich duckt, wird nicht verschont, sondern verschlungen.

Der nächste Anlass zur kollektiven Blamage steht schon im Kalender. Am Dienstag trifft sich die NATO in Ankara, und man braucht keine Kristallkugel, um vorauszusehen, dass Mark Rutte sich bemühen wird, dem US-Präsidenten noch ein Stück tiefer in den Allerwertesten zu kriechen als Infantino. Der Fußball hat immerhin eine Rote Karte. Die Weltpolitik braucht auch eine, um endlich jenen Typen vom Platz zu stellen, der auf sämtliche Regeln pfeift.

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5 Kommentare
Republican 09.07.202610:57 Uhr

He will make America great again. The golden Age has started

UJheen 07.07.202618:04 Uhr

Boykottéieren! Soortsgeeescht hin oder hier. Dat do huet näischt méi mat Sport ze dinn!
Ween deen do Fussball och nëmmen kuckt, mecht sech a mengen Aaë matschëlleg dass déi korrupt, dégoûtant FIFA net u Geltung verléiert an den Intfantino sech nach méi beräichert. Mech eekelen d’Machenschaften vun deenen, pardon dem Ausdrock, Drecksäck uewen an der Chefétage un!
Boykottéiert dee Fussball a maacht eppes mat Aerer Famill oder Frënn dobaussen a genéisst d’Liewen!

CG 07.07.202614:49 Uhr

Elo ass et un der Zäit dat den Infantino déi rout Kaart gewisse kritt. Direkt no der WM muss een ausseruerdentlechen FIFA-Kongress ageruff wou deen Elefant ofgesaat gëtt an duerch een Präsident ersaat ginn dee mol nees Uerdnung an déi korrupt Féierungsspëtzt vun der FIFA erabrëngt.

Lucilinburhuc 07.07.202612:50 Uhr

Schöne Zusammenfassung und Analyse ! Ich hoffe nur das das EU Wählervolk diese Schlussfolgerungen auch zieht und die Rechtspopulisten hier in der EU einen Dämpfer bekommen.
Da habe ich dann doch meine Zweifel, da gerne diese Raudi-Typen wie Trump als führendes Beispiel gesehen werden bei ihrem "Kampf gegen die Obrigkeit, gegen die Eliten" und nach wie vor gilt: "Der Zweck heiligt die Mittel"

Jean-Marie Grober 07.07.202611:21 Uhr

Besser kann man es nicht ausdrücken! Respekt, Tom Haas! Ich hasse Amerika nicht, ich liebe die Musik der Allman Brothers Band, Bruce Springsteen und vielen anderen US-Bands und fahre mit einem Ford Mustang herum. Es ist ein schönes Land, wo auch gute Menschen leben, das es nicht verdient, von Geisteskranken und Verbrechern und ihren Handlangern aus der High Tech-Branche zerstört zu werden. Im November wird sich zeigen, ob die Amerikaner noch fähig sind, diesem Wahnsinn Einhalt zu gebieten.

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