Der Politflüsterer

Von PISA und anderen Schieflagen

Von Krieg und Hysterie über Ceuta und die AfD bis zur PISA-Studie: Der Politflüsterer sieht allerhand Schieflagen. Nur der schiefe Turm macht ihm noch Hoffnung.

Bildungsministerin Anne Brasseur setzte auf „Back to basics“: Lesen, Schreiben und Rechnen

Bildungsministerin Anne Brasseur setzte auf „Back to basics“: Lesen, Schreiben und Rechnen Foto: Editpress-Archiv/Isabella Finzi

Über die Sommertage hat sich der Politflüsterer so manche Notiz gemacht und manchen Gedanken durch den Kopf gehen lassen. Am meisten beschäftigte ihn jedoch dies: „Sie reden wieder mal vom Krieg, träumen wieder mal vom Sieg, schwärmen von vergangener Zeit …“ So sang Marius Müller-Westernhagen 1983.

Auch in Luxemburg fragt eine Kampagne der Armee, wer „prett“ ist. Bereit wofür? Jene, deren Gebeine heute in den Knochenhallen von Verdun liegen, waren ebenfalls bereit. Für den Tod waren sie es nicht. „In Flanders fields the poppies blow / Between the crosses, row on row“, schrieb John McCrae 1915.

Eigentlich möchte der Politflüsterer im Jahr 2026 nicht über das Versagen und die Versager internationaler Politik nachdenken müssen. Doch ihm geht Sting nicht aus dem Kopf: „There’s a growing feeling of hysteria.“ Das war 1985. Mehr als vier Jahrzehnte später ist dieses Gefühl wieder da. Unverständnis auch.

Dann ist da Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Er will die Kontrollen an den deutschen Grenzen bis Mitte März 2027 verlängern und verweist zur Begründung unter anderem auf die Ereignisse in der spanischen Exklave Ceuta. Ceuta liegt in Nordafrika. Kontrolliert wird deshalb auch an der Grenze zu Luxemburg. Das muss man erst einmal zusammendenken.

Und dann die Wahlen in Sachsen-Anhalt. Dem Politflüsterer macht Sorgen, wie viele Menschen die AfD wählen, ohne sich groß Gedanken darüber zu machen, was sie damit anrichten können. Ein Kreuz aus Protest ist schnell gemacht. Doch aus einem Protestkreuz kann politische Macht werden. Wer in der AfD – oder in ihrem luxemburgischen Bonsaiableger ADR – die letzte Hoffnung sieht, hat womöglich längst aufgehört, genauer hinzusehen und zuzuhören.

Manches ist derzeit in Schieflage. Auch die PISA-Studie. Sie zeigt, dass 15-Jährige in Luxemburg und anderswo immer schlechter lesen. Das ist nicht gut. Denn Lesen ist eines der besten Mittel gegen Ignoranz und tumbe Sprüche – etwa über die Situation in Luxemburg nach dem Zweiten Weltkrieg. Leseschwäche kann schnell zu Denkschwäche werden.

Da sollte sich Bildungsminister Claude Meisch einmal an eine seiner Vorgängerinnen erinnern: Anne Brasseur und ihren Leitspruch „Back to basics“. Damit forderte sie die Schulen auf, sich wieder stärker auf die grundlegenden Fähigkeiten zu konzentrieren: Schreiben, Rechnen und – Lesen!

Trotzdem: Der schiefe Turm von Pisa steht seit rund 850 Jahren schief. Aber er steht noch immer. Ganz aufgeben sollte man die Hoffnung also nicht, denkt der Politflüsterer.

2 Kommentare
Manfred Reinertz Barriera 21.09.202616:21 Uhr

Die alte Binsenweisheit "back to basics" war schon richtig aber der Minister schielt zu seht auf immer neue internationale Schulen schaffen und vernachlässigt so sträflich die alten : Lesen, Schreiben und Rechnen ist Trumpf (nicht Trump) erst dann kommen Sprachen und der Rest...

JJ 12.09.202618:11 Uhr

Basics? Wer erinnert sich noch an den Lückentext? Oder "de Sim". Heute gibt es mehr Lücken als Text wenn man so manchen offiziellen Brief unter die (alte)Lupe nimmt. Das Wunderwerk des Steve Jobs hat auch eine Revolution gebracht.Klar,man kann heuer nicht mehr auf das Ding verzichten,oder zumindest man will es nicht. Dafür verblöden wir und unsere Kinder vor diesen schlauen Flat-Full- oder was für Screens auch immer. Denn wenn man die Dinger nicht mit dem richtigen Material speist oder wenn TV-Programme wie RTL & Co an haarsträubender Dämlichkeit nicht mehr zu toppen sind,dann wird's schwer mit Pisa. Das Resultat dieser langjährigen Fehlentwicklung hat sich heuer in den Wahlergebnissen in fast allen Ländern ergeben. Aber da gibt es noch etwas aus uralten Zeiten das die Menschheit zu dem gemacht hat was sie ist. Bücher. Und die sollte man lesen und nicht verbrennen.

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