Forum von Gusty Graas

Welche Perspektiven für den Libanon?

Seit Jahrzehnten ein zerrissenes Land, das keine innere Ruhe findet: Im 10.452 Quadratkilometer großen Libanon herrscht permanent Konfliktatmosphäre. Der von 1975 bis 1990 andauernde Bürgerkrieg, beendet durch das Taif-Abkommen, hat tiefe Spuren hinterlassen und den einst so blühenden Staat an den Rand des Ruins gebracht.

Libanesische Familie auf Motorrad fährt an zerstörten Gebäuden in Tyrus nach israelischen Luftangriffen vorbei

Eine libanesische Familie fährt auf einem Motorrad an zerstörten Gebäuden vorbei, die von israelischen Luftangriffen in der südlichen Hafenstadt Tyrus getroffen wurden Foto: Marwan Naamani/dpa

Nach dem Ausbruch des Irankrieges hatte die 1982 gegründete proiranische Hisbollah, die „Partei Gottes“, am 2. März das Feuer auf den jüdischen Staat eröffnet. Laut offiziellen libanesischen Angaben forderte dieser Konflikt bisher 2.900 Tote. Von den etwa 5,7 Millionen Einwohnern wurden etwa eine Million Menschen vertrieben. Die Hisbollah, seit 1992 in der libanesischen Nationalversammlung vertreten, ist eine islamistisch-schiitische Partei und terroristische Organisation im Zedernstaat. Entgegen Netanjahus Behauptungen aus dem Jahr 2024 ist sie, wenn auch geschwächt, nicht zerschlagen. Die Streitkräfte des Landes stehen quasi in ihrem Dienst. Sie ist in vielen europäischen Ländern verboten. Trotz des am 17. April vereinbarten Waffenstillstandes setzt die israelische Armee ihre Angriffe auf den Südlibanon fort. Dörfer wurden zerstört und Israel okkupiert derzeit schon etwa 14 Prozent des libanesischen Territoriums.

Vom Iran finanziell unterstützt, dominiert Hisbollah das politische Leben im Libanon. Sie stellt zwei Minister und vertritt die Schiiten im Parlament. Der Iran verfügt somit über ein weiteres Instrument, um den Staat Israel zu vernichten. Vor allem der Norden des hebräischen Staates steht im Visier der Terrororganisation. So geschehen nach dem von der Hamas verübten Massaker am 7. Oktober 2023, während des 12-Tage-Kriegs gegen den Iran im Juni 2025 sowie seit dem von Trump und Netanjahu vom Zaun gebrochenen Krieg gegen die Islamische Republik.

Jetzt kostenlos testen: Ihr persönlicher 24-Stunden-Zugang

  • Zugang zu allen Online-Artikeln
  • E-Paper auf tageblatt.lu und in der App

Sie haben bereits ein Konto ? Melden Sie sich hier an.

Das könnte Sie auch interessieren

Forum vum Sophie Mangen a Georges Engel

De Wäert vun der Aarbecht: méi wéi nëmmen eng Fro vum Marché

Forum von Guy Wagner

Das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Börse ändert sich zunehmend