Nahost-Eskalation

Jean Asselborn: „Mit Bomben bekommt man keinen Regimewechsel hin“

Viele Iranerinnen und Iraner feiern das Ende des obersten Führers Ali Chamenei – doch Jean Asselborn warnt vor falschen Hoffnungen. Der ehemalige Außenminister sieht das Völkerrecht ausgehöhlt, bezweifelt einen Regimewechsel durch Bomben und fürchtet, dass die ganze Golfregion in Brand gerät.

Jean Asselborn, ehemaliger luxemburgischer Außenminister, bei europäischen Verhandlungen zum iranischen Atomprogramm

Jean Asselborn, ehemaliger Luxemburger Außenminister, war lange in die europäischen Verhandlungen zum Atomprogramm des Iran eingebunden Foto: Editpress/Alain Rischard

Tageblatt: Herr Asselborn, im Iran feiern Menschen auf der Straße den Tod Chameneis. Verstehen Sie das?

Asselborn: Ja. Ich verstehe die Iranerinnen und Iraner, die froh sind. Chamenei hat die Leute 37 Jahre lang terrorisiert und eingesperrt. Iran hat im vergangenen Jahr rund 1.500 Todesstrafen durchgeführt. Und dann die Massaker an den Protestierenden. Dem weint niemand eine Träne nach. Aber wir wissen nicht, ob das Regime nun wirklich zusammenbricht – oder ob es sich am Ende sogar verhärtet. Es gibt 200.000 Revolutionsgardisten im Iran. Die Institutionen hatten lange Zeit, sich aufzubauen und Wurzeln zu schlagen. Und dann gibt es das Problem des Völkerrechts.

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