Faustschlag oder Ohrfeige
Staatsanwaltschaft fordert Haftstrafen für vier Polizisten wegen Körperverletzung
Die Staatsanwaltschaft fordert in dem Gerichtsprozess gegen vier Polizisten Haftstrafen zwischen drei und sechs Jahren. Die vier Ordnungshüter sind unter anderem wegen Körperverletzung, Fälschung und Justizbehinderung angeklagt – ja sogar wegen Folter.
Tatort Polizeiwache: Die Einheit der Ordnungshüter am Bahnhof gilt als verschworene Gemeinschaft Foto: Fabrizio Pizzolante/Editpress
Der 20. Mai 2023 war kein normaler Tag. In der Hauptstadt stieg der ING-Marathon, und die Zellen der Polizei waren voll. „Es herrschte viel Chaos, viel Hektik und viel Rambazamba“, so beschrieb es einer der Polizeibeamten, die damals Dienst hatten. Fernando V. schien das egal zu sein. Er soll unter Alkohol und Drogen sowie aufgedreht und aggressiv gewesen sein, als er von zwei jungen Polizisten, einer von ihnen Michael O., mit auf die Polizeiwache am Bahnhof genommen wurde. Er wurde dort in eine Sichtzelle gebracht.
Dort soll Tom D., der eine knappe halbe Stunde vor seinem Dienstantritt in den Abendstunden bereits auf dem Revier war, die beiden jungen Beamten vor die Tür der Zelle geschickt haben und Fernando V. zusammengeschlagen haben. Von einem „Briefing“ ist die Rede, das ist unterschiedlich auszulegen. Während Tom D. behauptet, nur einmal aus Reflex mit der flachen Hand zugeschlagen zu haben, um einen Angriff von Fernando V. abzuwehren, spricht Joé K. von mehreren Schlägen. Aber genau habe er nicht hingeschaut, beteuert er vor Gericht. Sein Kollege Rick S., der auch angeklagt ist, hatte an dem Tag frei, ist aber an dem Abend zu ihm auf die Wache gekommen, um nach dessen Feierabend mit ihm etwas zu unternehmen.