Der Schussel, der Frustrierte und der Überraschte
Die wichtigsten Geschichten der 16. Etappe der Tour de France
Der unaufmerksame Arensman, Vauquelins Frust und McNultys Unfall: Die wichtigsten Geschichten der 16. Etappe der Tour de France, des Einzelzeitfahrens, das Remco Evenepoel am Dienstag in Thonon-les-Bains gewann.
Thymen Arensman verpasste aus Schusseligkeit eine bessere Platzierung Foto: AFP/Loïc Venance
Der Schussel des Tages
Der Niederländer Thymen Arensman belegte mit 1:47 Minuten Rückstand auf Remco Evenepoel Rang sieben – dabei wäre womöglich sogar mehr möglich gewesen. Der Fahrer von Netcompany Ineos startete nämlich acht Sekunden zu spät von der Startrampe, weil er den Startzeitpunkt verpasste. „Das ist auch meine Schuld. Ich war ganz auf mein Zeitfahren fokussiert, aber niemand ist zu mir gekommen, um mir zu sagen, dass es Zeit war, loszufahren“, erklärte er. „Das ist ärgerlich. Ich habe versucht, ruhig zu bleiben und die Frustration in Energie umzuwandeln. Aber ich bin eben auch nur ein Mensch. Das Team und ich müssen daraus unsere Lehren ziehen.“
Der Frustrierte des Tages
Kévin Vauquelin, Arensmans Teamkollege bei Netcompany Ineos, gilt als ausgezeichneter Zeitfahrer und wurde im Vorjahr im Zeitfahren von Caen Fünfter. Am Dienstag durfte der Franzose jedoch nicht voll fahren. Da er in der Gesamtwertung keine Rolle mehr spielt, hatte das Team entschieden, Kräfte für die kommenden Bergetappen zu sparen.
Auf seine Leistung angesprochen, sagte Vauquelin: „Es ist schwer, meine Eindrücke zu schildern, weil ich nicht mit voller Intensität gefahren bin. Das hat man wohl gesehen. Es war keine schlechte Leistung, sondern eine Entscheidung, die wir gestern gemeinsam im Team getroffen haben. Es war das erste Mal, dass ich ein Zeitfahren bewusst locker gefahren bin – und das war schwer zu akzeptieren.“
Das Ziel sei gewesen, ihn für die nächsten Tage zu schonen. „Ein Etappensieg bringt am Ende mehr als nur ein fünfter oder zehnter Platz in einem Zeitfahren“, erklärte er nach Rang 66 mit mehr als fünf Minuten Rückstand auf den Sieger.
Der Überraschte des Tages
Nicolas Breuillard von TotalEnergies staunte nicht schlecht, als er während seines Zeitfahrens plötzlich von einer großen Gruppe Fans angefeuert wurde. „Ich wusste überhaupt nicht, dass sie da sind“, erzählte er. „Ich hatte höchstens damit gerechnet, einen meiner Cousins zu sehen – aber nicht so viele Leute. Als ich sie oben am Anstieg gesehen habe, war ich völlig überrascht. Ich wollte ihnen noch zuwinken, aber ich glaube, ich war etwas überfordert. Es war einfach unglaublich. Ich freue mich schon darauf, sie anzurufen.“
Das Rennen des Tages
2019 gewann Tadej Pogacar die letzte Austragung der Kalifornien-Rundfahrt – eines Rennens in den USA, das inzwischen längst Geschichte ist. Rob Laybourn, Gründer der Amazon Armed Forces Cycling Classic, die seit 1998 im Mai in Washington ausgetragen wird, möchte dem amerikanischen Straßenradsport neuen Schwung verleihen.
Gemeinsam mit dem Tour-de-France-Veranstalter ASO soll die Veranstaltung weiterentwickelt werden, zu der auch ein Jedermannrennen gehört. „Unser Ziel ist es, bereits im kommenden Jahr ein UCI-Rundstreckenrennen zu organisieren. Die Partnerschaft mit der ASO wird uns dabei helfen, unsere Veranstaltung neu auszurichten und weiter zu verbessern“, erklärte Laybourn am Dienstag am Ufer des Genfersees.