Fussball
Novize in der Königsklasse: Touré als „stolzer Afrikaner“
In der Champions League ist Yaya Touré der erste afrikanische Cheftrainer. Seine Heimpremiere feiert der Ivorer gegen den VfB Stuttgart.
Yaya Touré ist ein Wegbereiter Foto: AFP
Yaya Touré ließ sich Zeit. In aller Ausführlichkeit würdigte der Trainer von Slovan Bratislava Ende August bei Instagram die „gemeinsam“ geschaffte Qualifikation für die Champions League. Erst im vierten Absatz deutete Touré an, dass er sich der historischen Dimension bewusst war: „Stolz, Afrikaner zu sein“, schrieb er.
In seiner 5.000 Kilometer entfernten Heimat Elfenbeinküste galten die Schlagzeilen uneingeschränkt dem ersten afrikanischen Chefcoach in der Königsklasse. „Diese Leistung stellt einen Meilenstein für afrikanische Trainer dar, die sich auf höchstem Niveau des europäischen Vereinsfußballs etablieren wollen“, schrieb das Nachrichtenportal In Côte d’Ivoire über den 97-maligen Nationalspieler.
Tourés erstes Spiel in der Champions League ging dann beim Titelverteidiger Paris Saint-Germain zwar 1:6 verloren, das schmälerte aber nicht die Bedeutung eines großen Moments. Am Mittwoch (21.00 Uhr) folgt die Heimpremiere gegen den VfB Stuttgart, dem Touré vor mehr als 15 Jahren auf dem Platz seine Überlegenheit demonstriert hatte.
Bei der bisher letzten Begegnung mit den Schwaben in der Champions League zog er im Mittelfeld des FC Barcelona die Fäden, als Pep Guardiola dort noch Trainer war. Beim 4:0 im Achtelfinal-Rückspiel 2010 wurde Touré mit zwei Torvorlagen seinem Ruf als offensivstarker Mittelfeldspieler gerecht. Am Ende der Spielzeit stemmte er mit den schier unbezwingbaren Katalanen um Lionel Messi den Henkelpott in die Höhe.
Die in Barcelona und später bei Manchester City geschliffene „Siegermentalität“ möchte Touré weitergeben. Diese „Leidenschaft“, diese „Entschlossenheit“ wolle er teilen, sagte Touré, der viermal als afrikanischer Fußballer des Jahres Afrikas ausgezeichnet wurde.
Touré ist sich aber bewusst, dass seine Erfahrung als Topspieler allein nicht ausreichen wird. „Fußballer gelten ja meistens als etwas verrückt“, sagte der 43‑Jährige. Er selbst habe allerdings früh den nötigen Ernst zeigen müssen – auf seinem weiten Weg von seiner ersten Station in Belgien als 18-Jähriger bis in die europäische Spitzenklasse.
Disziplin
„Mein Vater war beim Militär, und ihm waren Respekt und Pünktlichkeit sehr wichtig“, erklärte der Ivorer, der nun auch seinen Job als Übungsleiter entsprechend ernst nimmt. „Ich fange sehr früh an und gehe sehr spät. Aber so ist Fußball für mich, das hat er mich gelehrt.“
Nicht mal einen Monat hat Touré gebraucht, um auf seinem ersten Cheftrainerposten Geschichte zu schreiben. Anfang Juli wurde er in Bratislava vorgestellt, Ende des Monats folgte die Champions-League-Qualifikation über die Play-offs. Inzwischen hat ihn die harte Realität bereits eingeholt: Nicht nur sein Königsklassen-Debüt in Paris ging daneben, er steht mit dem Meister in der heimischen Liga auch nur auf dem vierten Tabellenplatz.
Doch selbst wenn Touré mit Bratislava weiter straucheln sollte: Als Wegbereiter hat er sich um seine afrikanische Heimat längst verdient gemacht.