WM-Kolumne „Hasta La Visa“

Redakteur Julian Dörr lauscht den Torjubelsongs

„Major Tom“, „Free Bird“ oder „One More Time“: Zum ersten Mal durfte bei dieser WM jede Mannschaft einen eigenen Torjubelsong einreichen – und der verrät einiges über die Nationalseelen. Eine kurze Analyse.

Redakteur Julian Dörr lauscht den Torjubelsongs

„Vöööööllig losgelööööst, von deeeeer Eeeeerdeeee.“ Gleich sieben Mal hallte Peter Schillings NDW-Hit „Major Tom“ beim Auftaktspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Curaçao durch die Ränge des Stadions von Houston. Ein Torjubelsong, der viel über die Nationalseele verrät: Die NDW ist neben Krautrock und Rammstein der künstlerisch wertvollste und gleichzeitig kommerziell erfolgreichste Pop-Export einer Nation, die sonst für industrielle Präzision und den Export von Autos steht. Ein anderes Deutschland. Tänzelnd, locker, lustig, frei – so würden die Deutschen gerne gesehen werden.

Eine PR, die Südkorea gar nicht mehr nötig hat, sind die Koreaner doch dabei, die USA als globalen Kulturhegemon abzulösen. Selbstredend gibt es deshalb nach einem Treffer also K-Pop, genauer: „Jump“ von den globalen Superstars Blackpink. Keine Überraschungen auch bei den Australiern. Down Under setzt auf erwartbare Klassiker: „Thunderstruck“ von AC/DC. Wirklich zu wenig Mühe haben sich die Tschechen gegeben und sich „Seven Nation Army“ geschnappt. Uninspiriert und ein wenig übergriffig – gehört dieses Bass-Riff doch längst der ganzen Welt.

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