WM-Kolumne „Hasta la Visa“
Redakteur Tom Haas sieht die Welt zu Gast bei Feinden
Die FIFA macht aus ihrer WM eine Bühne für Trump. Dabei hat ausgerechnet der American Football gezeigt, dass es anders geht.
Trump wollte den Nobelpreis. Trump bekam den Nobelpreis nicht. Also setzte sich der Weltfußball hin und bastelte ihm einen eigenen. „FIFA Peace Prize“, überreicht bei der WM-Auslosung im Dezember, von Gianni Infantino persönlich. Den Frieden auf der Welt hat das nicht messbar verbessert. Die Laune im Weißen Haus schon.
Seit dem 11. Juni rollt nun also der Ball, in den USA, in Mexiko und in Kanada. 2006 hieß der deutsche Slogan „Die Welt zu Gast bei Freunden“. Zwanzig Jahre später ist daraus ein Turnier geworden, bei dem die Gastgeber einige ihrer Gäste gar nicht erst reinlassen. Auf der Travel-Ban-Liste stehen Teilnehmerländer. Haiti, Iran und DR Kongo durften nur mit Sondergenehmigung anreisen. Und während die Fans einlaufen, bettelt die FIFA hinter den Kulissen darum, dass die Grenzpolizei sie nicht gleich wieder abführt.
An dieser Stelle denkt jeder an Berlin 1936, und jeder hat ein bisschen recht und ein bisschen unrecht. Nein, die USA sind nicht das Dritte Reich. Aber 1936 hat den Sport gelehrt, wie elegant man ein Regime hübsch macht. Schilder ab, Welt rein, Kamera läuft. Der Unterschied zu heute ist unangenehm. Damals duldete das Olympische Komitee Hitler. Heute hofiert die FIFA den US-Präsidenten. Infantino mietet freiwillig eine leere Etage im Trump Tower und überweist die Miete an die Familie. Er verbringt mehr Zeit mit dem Präsidenten als jeder gewählte Regierungschef. Beim Klub-WM-Finale schob er ihm die Siegerehrung der Profis zu. Trump revanchierte sich mit einem Titel: „king of soccer“.
Und dann, mitten in dieser großen Einigkeit, stellte sich im Februar ein Hase auf die Bühne.
Bad Bunny, Super Bowl, Santa Clara. Fast alles auf Spanisch. Am Ende leuchtete „Together, we are America“. Keine Kampfansage, eher eine Einladung. Trotzdem reichte es für Furore bei den Rechten. Trump nannte den Auftritt einen Affront gegen die Größe Amerikas.
Der Super Bowl, die größte Werbeplattform des Kapitalismus, traut sich Spanisch. Der Weltfußball traut sich gar nichts. Ein Reggaeton-Sänger leistet auf der Bühne mehr Widerspruch als der Weltverband der weltweit größten Sportart. Diese WM ist ein einziges Eigentor.