Reserven
G7 geben bis zu 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel frei – Ölpreise fallen
Angesichts der zuletzt stark gestiegenen Treibstoffpreise wollen die G7-Staaten ihre Öl- und Dieselreserven anzapfen. Bis zu 100 Millionen Barrel Rohöl und Diesel sollen in den kommenden vier Monaten freigegeben werden, um den Preisdruck zu dämpfen.
Die G7-Länder wollen bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl freigeben Foto: Eli Hartman/AP/dpa
Angesichts gestiegener Treibstoffpreise und auf Druck aus den USA haben die G7-Staaten am Freitag die Freigabe von bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl aus ihren Reserven vereinbart. Die Freigabe solle „sofort beginnen“ und sich über vier Monate erstrecken, „einschließlich einer vorgezogenen umfangreichen Dieselfreigabe innerhalb der ersten 20 Tage“, hieß es in der G7-Erklärung. Die Ölpreise gaben deutlich nach. Die Freigabe der Erdölprodukte soll über die Internationale Energieagentur (IEA) erfolgen. Die G7 schlossen auch die Freigabe zusätzlicher Mengen nicht aus.
Die G7 verpflichteten sich zudem, untereinander keine Exportbeschränkungen für Energie und Energieprodukte zu verhängen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron betonte, auch US-Präsident Donald Trump habe sich dazu ausdrücklich bekannt. Trump hatte die europäischen Partner zuvor zur Freigabe von Dieselreserven gedrängt und für den Fall einer Weigerung einen Exportstopp der USA in Aussicht gestellt.
Ölpreise reagieren sofort
Die EU hatte vor einem solchen Exportstopp gewarnt. Er würde das Vertrauen in die USA als verlässlichen Partner untergraben, erklärte die EU-Kommission. Rund die Hälfte der Dieselimporte der EU kommt aus den USA. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen begrüßte die Einigung: „Unsere Bürgerinnen und Bürger brauchen und verdienen bezahlbare Energie.“
Die Entscheidung wirkte sich unmittelbar auf die Ölpreise aus. Der US-Ölpreis fiel zeitweise um bis zu fünf Prozent, der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent sank vorübergehend wieder unter 100 Dollar. Anleger an der Börse reagierten positiv: Der Dax schloss 1,2 Prozent höher, der CAC 40 in Paris 0,6 Prozent.
Dieselversorgung bleibt angespannt
Vor allem bei Diesel bleibt die Versorgungslage angespannt. Zwar nähern sich die Rohölexporte aus dem Nahen und Mittleren Osten wieder dem Niveau vor dem Iran-Krieg, doch beschädigte Raffinerien begrenzen die Produktion von Treibstoffen. Auch russische Raffinerien wurden durch ukrainische Angriffe beschädigt. In der EU erreichte der Dieselpreis zuletzt im Wochendurchschnitt mit 2,24 Euro je Liter einen Rekordwert.
Macron sagte zudem, die G7 wollten an niedrigeren Raffineriemargen und Transportkosten arbeiten. Letztere seien wegen der Blockaden der Straße von Hormus deutlich gestiegen. Ein von Russland verhängter Diesel-Exportstopp trägt ebenfalls zum Druck auf den Weltmarkt bei.
IEA hatte bereits 400 Millionen Barrel freigegeben
Bereits im März hatten die 32 IEA-Mitgliedstaaten angesichts des durch den Iran-Krieg ausgelösten Preisanstiegs eine Freigabe von 400 Millionen Barrel Ölreserven beschlossen. Es war die größte Freigabe in der mehr als 50-jährigen Geschichte der IEA. Nach Angaben von IEA-Chef Fatih Birol ist etwa ein Drittel davon noch nicht auf den Markt gekommen.
Zur G7 gehören Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien, die USA, Kanada und Japan.