Italien

Tödlicher Streit in Kalabrien: Zwei Brüder aus Luxemburg festgenommen

Nach einem tödlichen Streit vor einer Diskothek in Kalabrien sind zwei in Luxemburg lebende Brüder festgenommen worden. Unter ihnen ist ein Spieler der Luxemburger Rugby-Nationalmannschaft.

Zwei Brüder aus Luxemburg sind in Italien festgenommen worden

Zwei Brüder aus Luxemburg sind in Italien festgenommen worden Foto: dpa/Matthias Balk

Zwei in Luxemburg lebende Brüder sind nach einem tödlichen Streit vor einer Diskothek in Kalabrien festgenommen worden. Ihnen wird vorgeworfen, für den Tod des 34-jährigen Familienvaters Antonio Perrotta verantwortlich zu sein. Darüber berichteten italienische Medien am Dienstag und am Mittwoch.

Streit vor Diskothek eskaliert

Bei den mutmaßlichen Tätern handelt es sich demnach um einen 22-jährigen Spieler der Luxemburger Rugby-Nationalmannschaft sowie seinen 24-jährigen Bruder. Beide wohnen in Luxemburg, stammen jedoch ursprünglich aus Kalabrien und haben einen Wohnsitz in Belvedere Marittimo. Der Nationalspieler habe früher beim Racing Fußball gespielt, ehe er zum Rugby wechselte und sich dem CSCE Rugby Luxembourg anschloss, berichtet L’essentiel.

Nach Angaben des Il Quotidiano del Sud kam es am Samstagabend auf dem Parkplatz der Diskothek „Il Castello“ in Sangineto zu einem Streit. Die Brüder sollen das Lokal laut Gazzetta del Sud in der 1.200-Einwohner-Gemeinde in der Stiefelspitze Italiens ohne Eintrittskarte über einen Nebeneingang betreten haben. Nachdem das Sicherheitspersonal sie aufgefordert hatte, die Diskothek zu verlassen, setzte sich die Auseinandersetzung vor dem Club fort. Dort soll Perrotta mit Schlägen und Tritten attackiert worden sein, woraufhin er zu Boden stürzte und ein „akutes epidurales Hämatom“ sowie eine „komplexe Fraktur der Schädelbasis“ erlitt.

Opfer erliegt schweren Verletzungen

Das Opfer begab sich allerdings nicht sofort ins Krankenhaus, berichtet Calabria Diretta News. Als Perotta wieder zu Bewusstsein kam, soll er sich zunächst im Auto eines Bekannten auf den Weg nach Hause gemacht haben. Sein Gesundheitszustand habe sich jedoch rasch verschlechtert, weswegen er zunächst in das etwa 30 Minuten entfernte Cetraro gebracht wurde. Anschließend wurde er mit einem Rettungshubschrauber in das Krankenhaus der Kleinstadt Cosenza geflogen.

Die Ärzte haben laut Calabria Diretta News die schwierige Operation am Kopf technisch erfolgreich durchgeführt. Doch die erlittenen Verletzungen hätten sich als tödlich erwiesen. Trotz der Behandlung starb der Vater von vier Kindern am Sonntagmorgen auf der Intensivstation.

Perrotta nicht auf Personalliste

Doch was machte Antonio Perrotta überhaupt in dem Lokal? Der 33-Jährige steht laut Gazzetta del Sud nicht auf den offiziellen Listen des Sicherheitspersonals, die die Diskothek bei der Polizeidirektion von Cosenza eingereicht hatte. Seine Anwesenheit dort dürfte demnach rein privater Natur gewesen sein. Möglicherweise war er mit einem der Türsteher befreundet. Auch seine Kleidung – kurze Hosen – deutet darauf hin, dass er nicht zum Arbeiten in die Diskothek gekommen war. Die Familie erklärte laut LaC News24 dagegen, dass Perrotta in der Diskothek gewesen sei, um dort eine Art Probearbeit zu absolvieren.

Details aus den Videoaufnahmen sollen es den Ermittlern ermöglicht haben, die mutmaßlichen Angreifer zu identifizieren. Sie hatten laut Medienberichten bereits Tickets für die Abreise aus Italien gekauft, als sie von den Ermittlern unter dem Vorwurf des Totschlags und wegen Fluchtgefahr nach Luxemburg festgenommen wurden. Laut Gazzetta del Sud stellten die Ermittler in ihrer Wohnung ein (gewaschenes) Hemd sicher, das einen Blutfleck aufwies, sowie die Kleidungsstücke, die die Brüder am Abend des Übergriffs trugen.

Kaum Hinweise von Augenzeugen

Kaum Unterstützung erhielten die Ermittler dagegen von den Menschen, die sich zum Zeitpunkt der Schlägerei vor Ort befanden. Offenbar will niemand etwas gehört oder gesehen haben. Dieses Klima des Schweigens habe die Ermittlungen erschwert. Das sei besorgniserregend, heißt es in dem Bericht: Bei einem derart schweren Vorfall dürfe sich kein solcher Mantel des Schweigens ausbreiten.

Bei der Vernehmung durch den Staatsanwalt machten die beiden laut Il Quotidiano del Sud von ihrem Recht Gebrauch, die Aussage zu verweigern. Die beiden Brüder mussten laut miocomune.tv am Donnerstag um 9.30 Uhr in Paola vor Gericht erscheinen.

Der ältere der beiden Beschuldigten soll vor dem Ermittlungsrichter ausgesagt haben, berichtet LaC News24. Nach seiner Darstellung soll sein jüngerer Bruder das Opfer mit einem Faustschlag getroffen haben.

Obduktion

Die Obduktion des getöteten Perrotta soll auch am Donnerstag stattfinden. Sie soll die genaue Todesursache feststellen und klären, ob die festgestellten Verletzungen mit den unterschiedlichen bisherigen Darstellungen des Geschehens vereinbar sind. Für den Bericht haben die Rechtsmediziner 60 Tage Zeit.

Denn es gibt mehrere Versionen. Eine erste spricht laut dem Bericht von ein oder zwei Ohrfeigen beziehungsweise Schlägen, auf die der Sturz folgte. Zudem kursiere die Vermutung, Perrotta könne mit einem Helm geschlagen worden sein.

Spendenaktion für die Familie

Während die Ermittlungen weiterlaufen, hat sich rund um Perrottas Lebensgefährtin und seine vier Kinder eine Welle der Solidarität entwickelt, berichtet miocomune.tv. Auf der Plattform „GoFundMe“ sei eine Spendenaktion gestartet worden, welche die Familie unterstützen und die Ausbildung der vier Kinder sichern soll. (les, dr)

1 Kommentare
Manfred Reinertz Barriera 14.08.202607:21 Uhr

Eine kalabresische Geschichte dort gilt, genau wie in Sizilien, die Omertà eben...

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