Ironman-Serie
Leistungstest in der Sportklinik: Wie fit sind wir?
Louis und ich werden auf dem Laufband an unsere Grenzen gebracht. Der Test soll uns bei der Vorbereitung auf den Ironman im Juni 2027 helfen.
Louis (l.) und ich (r.) lassen vor dem Start unseres Ironman-Projekts unsere körperliche Ausgangslage überprüfen Foto: Editpress/Hervé Montaigu / Montage: Louis Elsen
„Ich kann nicht mehr!“, keuche ich. „Noch zehn Sekunden!“, versucht Eric Besenius mich zu motivieren, während er meine Herzfrequenz auf dem Bildschirm beobachtet. An meinem Körper hängen etliche Kabel und ein Sicherungsseil, das einen Sturz verhindern soll. Noch eine halbe Minute halte ich es auf dem Laufband aus, dann signalisiere ich dem Sportwissenschaftler, nass geschwitzt und außer Atem, dass er die Maschine stoppen soll. Mein Leistungstest ist damit abgeschlossen.
Es ist der 13. November. Infografiker Louis und ich haben in den vergangenen Tagen unsere ersten Trainingseinheiten für den Ironman in Klagenfurt 2027 absolviert. Sportler sind wir eigentlich nicht. Entsprechend stellt sich die Frage: Hält unser Körper diese Strapazen überhaupt aus? Die Antwort haben wir bei Sportwissenschaftler Eric Besenius und Sportmediziner Thomas Thünenkötter in der Sportklinik des CHL Eich gesucht.
Sportwissenschaftler Eric Besenius (l.) und Sportmediziner Thomas Thünenkötter (r.) analysieren die Ergebnisse der Untersuchungen Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Die Top-Athleten des Landes kommen zum Team rund um Orthopäde Christian Nührenbörger. Doch: „Jeder kann zu uns kommen und von einer Untersuchung profitieren“, betont Besenius. Das Angebot ist also nicht nur für Extremsportler – oder solche, die das als Teil einer Artikelserie werden wollen. Sondern auch für Menschen, die Beratung zur Ausübung, Wiederaufnahme oder Fortsetzung sportlicher Aktivität sowie zur Physiotherapie suchen.
Louis auf dem Laufband
Louis steigt nach mir auf das Laufband. Besenius befestigt auch an seinem Oberkörper mehrere Elektroden, um während der Belastung Herzfrequenz und Herzrhythmus kontinuierlich zu messen. Anfangs ist das Tempo noch gemütlich. Es wird allerdings in Drei-Minuten-Intervallen schrittweise erhöht. Besenius misst während der kurzen Pausen den Blutdruck. So lässt sich beobachten, wie Herz und Kreislauf auf zunehmende Belastung reagieren – und wo die individuelle Leistungsgrenze liegt.
Während des Leistungstests beobachtet Sportwissenschaftler Eric Besenius meine Herzfrequenz und Belastungsdaten Foto: Editpress/Hervé Montaigu
Aus dem Test wird unter anderem eine VO₂max-Schätzung berechnet. Dieser Wert bezeichnet die maximale Menge an Sauerstoff, die der Körper bei intensiver körperlicher Belastung aufnehmen, transportieren und verwerten kann. Je höher die VO₂max, desto besser sind Herz-Kreislauf-System, Lunge und Muskulatur auf Ausdauerbelastungen eingestellt. „Die Menschen fixieren sich immer auf diesen Wert, weil er einfach zu berechnen ist, aber es spielen auch viele andere Faktoren bei der Leistung mit“, sagt der Sportwissenschaftler.
Louis übersteht die vierte Tempostufe – knapp. „Ich werde während der nächsten Runde aufhören, nur so als Vorwarnung“, keucht der Grafiker, während Besenius den Puls misst. Die Messung ist abgeschlossen, das Band läuft wieder an. Etwas schneller, mit einem Tempo von 3,8 m/s. Nach einer Minute ringt er sichtbar um Kontrolle über die Atmung. Der Schweiß, der gespannte Oberkörper, der starre Blick: Louis gibt das Signal – und wirkt sofort danach enttäuscht. „Ich hätte wohl doch noch ein bisschen weitermachen können.“ Besenius lacht. „Das höre ich sehr oft“, meint der Wissenschaftler.
Nach einer kurzen Verschnaufpause und Dusche gibt uns Besenius eine erste Bilanz: „Es könnte schlechter sein, aber auch besser. Es ist ein guter Ausgangsbereich.“ Das ist die Essenz aller Resultate. Wir sind sehr durchschnittlich.
Im „altersentsprechenden“ Bereich
„Ihr seid beide eigentlich im altersentsprechenden, normalen Bereich. Das ist schon mal positiv“, sagt Sportmediziner Thomas Thünenkötter kurz danach bei der Auswertung. Wir sitzen in seinem Büro. Der Arzt schaut sich die Resultate der vergangenen Untersuchungen auf dem Computer an. Wir waren bereits die Woche davor im CHL für weitere Tests. Thünenkötter zeigte uns unter anderem an einem Ultraschallgerät, wie unser Herz aussieht, wenn es schlägt. Ein BIA-Gerät ermittelte unseren Fett-, Muskel- und Wasseranteil.
Louis ist leicht übergewichtig und sein Cholesterin ist zu hoch. „Mit einem gesunden Lebensstil, kann man das um 10 bis 15 Prozent senken – wenn wir das später noch einmal kontrollieren, bin ich mir sicher, dass die Werte besser sind“, meint Thünenkötter.
Die Ausgangsvoraussetzungen für uns beide seien jedenfalls gut. „Der Belastungstest war unauffällig, Blutdruck gut, EKG gut, Ultraschall gut, Laborwerte gut. Es gibt aus der internistischen Sicht keine Hinweise für irgendwelche schwierigen Probleme, die dem Ganzen entgegenstehen würden“, erklärt der Mediziner. „Das ist für unser Storytelling schon fast langweilig“, witzle ich. Zu diesem Zeitpunkt ahnte ich noch nicht, dass ich wenige Wochen später wegen Minifrakturen im Knie das Lauftraining für zwei Monate auslassen muss.
Es wird nicht unsere letzte medizinische Untersuchung sein. Ich war wegen des Knies schon zwei Mal beim Orthopäden Christian Nührenbörger, ein MRT zur Kontrolle und eine Laufanalyse stehen noch an. Louis hat Anfang Februar seinen Termin bei Nührenbörger. Im Frühjahr steht dann eine genauere Analyse mit den Laktatwerten bevor. Dadurch können wir dann unsere Fortschritte klar beziffern – hoffentlich.
Grafik: Editpress/Louis Elsen
Die Ironman-Serie
Cédric Feyereisen, Chef der Lokalredaktion, und Louis Elsen, Tageblatt-Grafiker, wollen im Juni 2027 einen Ironman absolvieren. In dieser Serie geben sie Einblicke, wie sie sich hierfür gemeinsam mit ihrem Trainer Paulo Gonçalves vorbereiten.