Waldbrände
Rauch über Luxemburg: Wieso kommt die Warn-SMS nicht früher?
Seit Samstag zieht Rauch von den Waldbränden in Belgien und Deutschland nach Luxemburg. Viele Einwohner fragen sich, wieso sie keine vorzeitige Warn-SMS über das „LU-Alert“-System bekommen haben, während im benachbarten Ausland kontinuierlich Warnungen aufs Handy geschickt wurden. Wir haben nachgefragt.
Die „LU-Alert“-Meldung vom Sonntagnachmittag stuft die Rauchschwaden für das gesamte Land Luxemburg als ungefährlich ein Screenshot: lu-alert.lu
Seit Samstagabend sind die Auswirkungen der verheerenden Waldbrände im Hohen Venn (Belgien) und in der deutschen Eifel auch in Luxemburg spürbar. Dichter Rauch verbreitete sich zunächst im Osten des Landes. Durch einen Wechsel der Windrichtung erreichte dieser am Sonntag gegen 12 Uhr auch die Region Ettelbrück, von wo aus er weiter in südliche Richtung zog.
Neben zahlreichen Fotos und Videos der Rauchschwaden häufen sich in den Sozialen Medien Fragen und Forderungen nach einer rechtzeitigen Warnung vor einem solchen Ereignis via „LU-Alert“.
Veränderte Windrichtung
Rauch aus dem Hohen Venn erreicht jetzt auch das Zentrum und den Süden Luxemburgs
Was ist „LU-Alert“?
Das nationale Warn- und Informationssystem LU-Alert wurde im Oktober 2024 offiziell in Luxemburg eingeführt, um die Bevölkerung bei Notfällen, Unwettern oder Gefahrenlagen schnell und flächendeckend zu alarmieren. Akute Warnungen und konkrete Verhaltensempfehlungen werden dabei über eine eigene Smartphone-App, die offizielle Webseite lu-alert.lu sowie per „Cell Broadcast“ versendet. In den vergangenen Tagen und Wochen wurden über dieses System beispielsweise Hitzewarnungen verschickt.

Am Sonntag gegen 12 Uhr zog die Rauchwolke über Ettelbrück Richtung Zentrum des Landes Foto: Lisa Goedert/Editpress
Manch einer hätte sich nun gewünscht, vorzeitig vor den Rauchwolken gewarnt zu werden. Etwa, um die Fenster rechtzeitig zu schließen, die Wäsche reinzuholen, Fahrradtouren abzusagen oder sich schlichtweg keine Sorgen zu machen, dass es in unmittelbarer Nähe brennen könnte. Von den möglichen Gefahren für die eigene Gesundheit ganz zu schweigen.
Push-Warnung nur im akuten Gefährdungsfall
Auf Tageblatt-Nachfrage erklärt CGDIS-Sprecher Cédric Ganzer am Sonntagmittag, dass wegen des Rauches am Samstag eine „vigilance verte“ ausgerufen wurde, die zwischenzeitlich erneuert wurde und immer noch aktuell sei. Wieso das nicht jeder mitbekommen hat, lässt sich durch das mehrstufige System von „LU-Alert“ erklären.
Die Meldung „Unangenehmer Geruch: Möglicherweise schlechter Geruch aufgrund Vegetationsbrand in Deutschland und Belgien“ ging erstmals am Samstagabend um 20.13 Uhr raus und wurde am Sonntag um 8.58 Uhr erneuert. Da diese als „vigilance verte“ eingestuft ist – also als reine „Information: Kein Risiko/keine Gefahr“ –, wurde sie zunächst nur auf der Internetseite und in der App von „LU-Alert“ veröffentlicht. Denn: Für rein informative Warnmeldungen sind eigentlich keine aktiven Push-Nachrichten (wie Cell Broadcast oder SMS) vorgesehen. Diese sind regulär erst ab der „vigilance orange“ für betroffene Bereiche des Landes geplant.

Das mehrstufige Warnsystem von „LU-Alert“ sieht für Informationsmeldungen eigentlich keine Push- und SMS-Benachrichtigungen vor Screenshot: lu-alert.lu
Die Sorgen der Bevölkerung haben aber offensichtlich dazu geführt, dass diese Meldung am Sonntag um 14.39 Uhr auch per Push an Smartphones und via SMS verschickt wurde. Erst um 19.39 Uhr wurde ein weiterer Hinweis an Handys gesendet, der das Schließen der Fenster nahelegt. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Rauchwolke bereits das gesamte Land im Griff, bis über die Grenze zu Frankreich hinaus. Die Gefahr, die von den Rauchschwaden ausgeht, wurde dabei auf lu-alert.lu am Sonntagabend immer noch als „Kein Risiko/keine Gefahr“ eingestuft.

Diese SMS wurde am Sonntagabend verschickt, als die Rauchwolke bereits über dem gesamten Land hing
Diese Bewertung der Lage kritisiert u. a. Wetterexperte Philippe Ernzer schon mittags auf seiner Facebook-Seite „Météo Boulaide“ und warnt: „Et kraazt an den Aen an och am Hals. Ech sinn zwar net dofir zoustänneg, Iech dat ze soen, mee et ass net recommandéiert, elo nach iergendengen Aktivitéiten am Fräien nozegoen. Dëst ass eng eescht Gefor fir d’Gesondheet, net nëmme fir déi Vulnerabel. Huelt dës Info eescht a loosst Är Fënsteren zou, Klima’en a Lëftunge vu baussen eran am beschten ausschalten.“
Wer verschickt die Warnmeldungen?
Laut CGDIS-Sprecher Ganzer gibt es in solchen Fällen einen zuständigen Kommissar, der in Absprache mit den Einsatzkräften und zuständigen Behörden bewertet, welche Warnstufe erreicht ist und auf welchem Wege dies an die Bevölkerung kommuniziert wird. Allerdings sei es im Fall von Rauchschwaden nur schwer nachzuvollziehen, wann diese welchen Bereich des Landes erreichen.