Von Großbritannien bis nach Luxemburg
So klingen die Neuerscheinungen von Robbie Williams, Megadeth und Maz Univerze
Robbie Williams feiert mit „Britpop“ die 1990er, Megadeth verabschieden sich mit Thrash Metal und Maz Univerze bleibt seinem düsteren, genreübergreifenden Sound treu: Über neue Musik aus Großbritannien, den USA – und Luxemburg.
Symbolbild: Das Tageblatt präsentiert neue Musik von Robbie Williams, Megadeth und Maz Univerze Quelle: Pexels
Robbie Williams: „Britpop“
Mitte Januar hat Robbie Williams spontan sein neues Album „Britpop“ veröffentlicht – drei Wochen vor dem neuen und drei Monate nach dem ersten geplanten Termin. Auf dem Albumcover ist ein Bild im Museum zu sehen, das ihn im roten Trainingsanzug auf dem 1995er Glastonbury-Festival zeigt. Zu jener Zeit war er noch Mitglied bei Take That und feierte hinter der Festivalbühne ausgelassen mit Oasis. Kurz darauf stieg er bei der Boyband aus. Auf genau diese Phase seiner Karriere blickt das Album zurück. „Ich wollte das Album schreiben und veröffentlichen, das ich nach meinem Ausstieg bei Take That im Jahr 1995 machen wollte. Es war die Hochphase des Britpop und ein goldenes Zeitalter für britische Musik. Das neue Album ist rau, es gibt mehr Gitarren und es ist noch fröhlicher und hymnischer als sonst“, so Williams.

Rating: 8/10 Punkte Quelle: Columbia Records
Hits wie auf seinem Debütalbum „Life Thru A Lens“ (1997) hat „Britpop“ nicht in petto. Dafür überrascht Williams im Auftaktsong „Rocket“ mit Black-Sabbath-Gitarrist Tony Iommi. Dessen Riffs stehen Williams fantastisch; ein ganzes Album dieses ungewöhnlichen Gespanns wäre traumhaft. Aber auch so sind auf seinem 13. Soloalbum oft genug Gitarren zu hören. Mit den rockigen Songs „Spies“, „Pretty Face“, „All My Life“ und „You“ verneigt sich der 51-jährige Entertainer vor dem Britpop der 90er-Jahre. Aber er schlägt auch andere Töne an: etwa in der nostalgischen Pop-Ballade „Human“, für die er das mexikanische Pop-Duo Jesse & Joy engagierte, oder in dem poppigen, mit Take-That-Mitglied Gary Barlow komponierten Song „Morrissey“. Dieser ist ein amüsanter Diss in Richtung des gleichnamigen ehemaligen The-Smiths-Sängers, der schon seit längerer Zeit mit seinen öffentlichen Äußerungen äußerst unangenehm auffällt.
Williams mimt auf „Britpop“ den lustvollen, humorvollen, augenzwinkernden Nostalgiker, der sein Handwerk beherrscht und sich, im direkten Vergleich zu Morrissey, selbst nicht zu ernst nimmt. Übrigens kommt auch er wieder nach Luxemburg: Am 6. Juli ist er im Rahmen der Luxexpo-Open-Air-Reihe des Atelier-Teams zu sehen. (Kai Florian Becker)
Megadeth: „Megadeth“
Es gilt, ein allerletztes Mal Megadeth zu huldigen. Der stets eigenwillige Dave Mustaine hat ein letztes Album und eine letzte Welttournee angekündigt. Im Zuge des Europaabstechers gastieren Megadeth am 11. Juni auch in der Escher Rockhal. Dort werden die Thrash-Metaller Teile ihres finalen Studioalbums „Megadeth“ aufführen.
Mustaines Karriereende ist wohl eine Vorsichtsmaßnahme. Er leidet an einer Erkrankung des Bindegewebes der Handinnenfläche, die sich verschlimmern könnte, so dass sein rasantes Gitarrenspiel darunter leiden könnte. Er will lieber aufhören, wenn er noch fit ist: „Es gibt so viele Musiker, die das Ende ihrer Karriere erreicht haben, sei es zufällig oder absichtlich. Die meisten von ihnen können nicht auf dem Höhepunkt ihrer Karriere nach ihren eigenen Vorstellungen aufhören, und genau an diesem Punkt bin ich gerade in meinem Leben“, erklärte er im August 2025.

Rating: 8/10 Punkte Quelle: BLKIIBLK Records
Die Frage, ob er noch gut Gitarre spielen kann, stellt sich dank „Megadeth“ nicht. Er flitzt, begleitet von Teemu Mäntysaari (Gitarre), James LoMenzo (Bass) und Dirk Verbeuren (Schlafzeug), wie eh und je über die sechs Saiten. Das beginnt bei dem vorab ausgekoppelten Song „Tipping Point“, geht über den an frühe Metallica erinnernden Kracher „Let There Be Shred“ bis hin zu dem rasanten „Made To Kill“. Dazwischen gibt es gute Midtempo-Songs und einen gefälligen Stampfer mit Mitsing-Qualitäten namens „Another Bad Day“. Ein besonderes Schmankerl ist der Bonustrack „Ride The Lightning“, Mustaines aktuelle Version des Songs, den er in den frühen Achtzigern zu seiner Zeit bei Metallica zusammen mit James Hetfield, Cliff Burton und Lars Ulrich geschrieben hatte. Ja, Gitarre spielen kann er noch. Wie gut er singen kann (nicht nur in „Ride The Lightning“), darf jeder für sich selbst entscheiden. Unverwechselbar ist seine Stimme allemal. (Kai Florian Becker)
Maz Univerze: „D.E.A.D. On My Passport“
Der Luxemburger Künstler Maz Univerze meldet sich zurück – und bleibt dabei kompromisslos in seiner düsteren, fantasievollen Welt verankert. Nach der letzten Single „You Put Butterflies In My Stomach, I Think I’m Gonna Vomit“ im November 2025, erschien im Januar 2026 nun „D.E.A.D. On My Passport“ auf den Streamingplattformen. Das Cover wirkt wie ein Manifest. Es zeigt einen schwarzen Pass, ausgestellt vom „Ministry of Phantoms von Planet Dark“: Maz Univerze, 1,73 m, Nationality: DEAD, Passport Expired.
Maz bleibt sich treu – düster, überzeichnet und theatralisch wie eh und je. Seit dem letzten Album im März 2025 veröffentlicht Maz Univerze immer „häppchenweise“ neue Musik, in Form einzelner Singles. Insgesamt vier Stück sind zwischen dem Album „Little Prince“ (2025) und „D.E.A.D On My Passport“ erschienen. Produziert wurde der Song erneut von Sacha Hanlet, Schlagzeuger der luxemburgischen Math-Rockband Mutiny On The Bounty, der auch unter dem Pseudonym Falcon als Produzent arbeitet.
Und das hört man: Das Intro klingt ähnlich wie manche Produktionen für Hanlets Soloprojekt Them Lights. Besonders im Vergleich mit „YD“ (2023) lässt sich Hanlets musikalische Handschrift klar erkennen. Auffällig ist zudem der deutlich stärkere Einsatz von Pitch Correction als musikalisches Stilmittel. Maz entfernt sich damit hörbar vom roheren Sound früherer Tracks wie „Upside Down“ (2022) und bewegt sich in eine stilisierte, fast künstliche Klangwelt.
Wenn man sich mit den Lyrics von „D.E.A.D. On My Passport“ auseinandersetzt, bleibt dort der Tod nicht weit: „And as the gates open up, I can feel my draining blood transform into a flood“, so Maz in seiner Single. Damit bleibt sich der Künstler ebenfalls treu: Es geht wie so oft um den Tod; um eine zweite Person, die für alle Probleme verantwortlich ist – und um die Zersetzung des menschlichen Körpers unter der Erde.

Rating: 7/10 Foto: Editpress/Alain Rischard
Die Technik des Sprechgesangs verändert sich im Verlauf des Songs ständig: Während Maz in einem Moment flüstert, schreit er im nächsten ins Mikrofon. Eine Achterbahn der Gesangstechniken. Auf ruhige Passagen folgt Screaming, welches man bei Maz seit einigen Singles und Alben beobachten kann, wie zum Beispiel bei „You Put Butterflies In My Stomach, I Think I’m Gonna Vomit“. Beeindruckend kontrolliert, aber bewusst überfordernd. Nach einem Gitarren-Breakdown kippt der Song überraschend in einen Techno-artigen Teil – ein Stilbruch, der entweder als mutig oder als überladen empfunden werden kann.
„D.E.A.D. On My Passport“ verweigert sich jeder Genrezuordnung. Der Song wechselt gefühlt alle 30 Sekunden seine stilistische Richtung. In Facebook-Posts wird die neue Single mit #metalcore versehen, was durchaus auf verschiedene Passagen zutreffen kann, auf andere wiederum nicht.
Technisch gesehen beherrscht Maz jedes Element dieses Songs: Die unterschiedlichen Stimmtechniken und die verschiedenen musikalischen Bereiche, durch die der Song sich zieht, gehen nahtlos ineinander über und formen das Endprodukt Stück für Stück.
Maz beweist erneut seine technische und künstlerische Kontrolle. Doch gerade diese Überfülle an Ideen macht den Song stark und anstrengend zugleich. „D.E.A.D. On My Passport“ ist kein leicht konsumierbarer Track, sondern ein bewusst überladener Grenzgang. (Charel Schiltz)