Editorial

Die Hitze ist da, das Umdenken fehlt: Lydie Polfer sieht keinen Bedarf für mehr Begrünung

Die Temperaturen in Luxemburg dürften am Samstag ihren Höhepunkt erreichen. Auf Plätzen wie dem Knuedler oder dem Glacis ist Schatten jedoch Mangelware. Dennoch hält die hauptstädtische Bürgermeisterin Lydie Polfer (DP) zusätzliche Begrünung für unnötig.

Thermometer am Knuedler zeigt 41 Grad Celsius bei Hitzewelle in Luxemburg an, Rekordtemperaturen bis 43 Grad erreicht

Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme zeigte das Thermometer auf dem Knuedler am Freitag 41 Grad an. Wenig später wurden dort sogar 43 Grad gemessen. Foto: Editpress/Fabrizio Pizzolante; Alain Rischard

„Es wäre nett, wenn wir auf Terrassen das hätten, was man aus Südfrankreich kennt – solche Sprühnebelgeräte“, meinte Lydie Polfer (DP) am Mittwoch beim „City Breakfast“. Bei der monatlichen Pressekonferenz machte sie klar, dass die Stadt nicht mehr Begrünung braucht. Das wurde danach in den sozialen Medien heiß diskutiert. Denn wenn die Temperaturen konstant steigen, sollte auch der Wille wachsen, Städte hitzetauglich zu machen.

Gerade dort, wo sich in Luxemburg-Stadt viele Menschen aufhalten, ist es derzeit heiß. Sehr heiß. Auf dem Knuedler oder der place de Paris etwa gibt es kaum Schatten. Zwar verfügt die Hauptstadt über große Waldflächen, allerdings nicht dort, wo täglich Tausende Menschen unterwegs sind. Lydie Polfer sieht darin kein Problem. Am Pariser Platz würden „zum Teil“ Bäume Schatten spenden, außerdem sorgten dort Wasserfontänen für Abkühlung. Diese mögen erfrischen – Schatten spenden sie aber nicht.

Sprühnebelgeräte und „wunderbare Terrassen“ sind also die Antwort der Stadt auf zunehmende Hitze. Für alles Weitere setzt die Bürgermeisterin auf Eigenverantwortung: „Es ist wichtig, dass die Leute sich verantwortungsvoll benehmen“, sagte sie und verwies auf kostenloses Wasser an Trinkbrunnen und bei Veranstaltungen. Das ist sinnvoll, ersetzt jedoch keine hitzegerechte Stadtplanung. Begrünte Plätze, schattige Bushaltestellen oder Sonnensegel sind Maßnahmen, die die Stadt selbst umsetzen kann.

Doch ein vor einem Jahr angekündigtes Begrünungskonzept wurde bis heute nicht vorgestellt oder gar umgesetzt. Nach Hitzetagen im vergangenen Sommer versprach Polfer im Juli im Gemeinderat, dass der Schöffenrat beim Thema Begrünung „dranbleibt“. Seitdem ist von dem Konzept kaum noch die Rede. Auch am Mittwoch nicht, als die Presse sich nach Maßnahmen zur Hitze erkundigte. Auf Nachfrage konnte die Stadt bis Redaktionsschluss keine Auskunft zum Stand des besagten Begrünungskonzepts geben.

Von einem Umdenken ist trotz steigender Temperaturen nichts zu erkennen. Lydie Polfer beharrt darauf, dass weitgehend schattenlose Plätze wie der Knuedler – an dem das Thermometer am Freitag übrigens bis zu 43 Grad anzeigte – oder der Glacis für Konzerte, die Schueberfouer oder andere Veranstaltungen gebraucht werden. Das stellt niemand infrage. Sie müssen deshalb aber keine Hitzefallen sein. Die Menschen benötigen auch im Herzen der Stadt Orte, an denen sie im Schatten durchatmen können.

Bemerkenswert ist, dass Umwelt- und Klimaschöffe Maurice Bauer (CSV) nur wenige Stunden später am Mittwochnachmittag bei der Einweihung einer neuen Gartenanlage im Park beim „Pescatore“ die Bedeutung zusätzlicher Begrünung betonte und sogar mobile Bäume auf dem Glacis ins Spiel brachte. Die Stadt Freiburg hat ein solches Konzept zum Beispiel bereits umgesetzt und Bäume in Kübeln auf einem versiegelten Platz aufgestellt. Selbst der Koalitionspartner scheint inzwischen erkannt zu haben, dass die Hauptstadt umdenken muss.

Lydie Polfer hat diese Woche jedoch deutlich gemacht, dass das mit ihr als Bürgermeisterin nicht passieren wird. Sie setzt auf Sprühnebel statt auf mehr Grün – und verkennt damit die Realität. Denn Hitze ist längst mehr als eine Unannehmlichkeit: Sie ist ein Gesundheitsrisiko. Eine Stadt, die die Bevölkerung schützen will, sollte deshalb nicht darüber diskutieren, ob sie mehr Schatten braucht. Sie sollte schauen, wie sie schnell für diesen sorgt.

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5 Kommentare
CG 28.06.202613:45 Uhr

Madame Polfer, wéi wier ëtt wann dir ären Hut gingt huele, wëll war a lëschter Zäit un Dommheeten vun iech kënnt ass einfach nëtt méi ze erdroen.

Dunord Hagar 27.06.202621:46 Uhr

Die "Nei Avenue" war ja schön mit Bäumen eingefasst und begrünt, bis der grüne Bausch mit seiner Tram kam... idem "Paräiser Plaz". Auf dem Knuedler mussten auch etliche Bäume "Wurzeln" lassen... aber das war wieder eine andere Geschichte.

Lucilinburhuc 27.06.202618:50 Uhr

Die Bürgermeisterin soll sich neue Kompetenzen aneignen. Falls nicht, dann merci an eddi.

Nando 27.06.202618:24 Uhr

Madame ist leider sehr beratungsresistent geworden jeder Baum ist ein Geschenk für die Stadt. Wir haben den Umkehrpunkt leider bereits überschritten, das heisst wir müssen unser Verhalten ändern. Anders bauen, Beispiele gibt es im Ausland zu Genüge, den Wasserhaushalt verbessern, mehr Waser rückstauen, das Grundwasser besser bewirtschaften, für Luxemburg überlebenswichtig

Yves ALTWIES 27.06.202617:55 Uhr

Von "Hundertwasser-Architektur" sind wir in Luxemburg-Stadt mittlerweile leider weit entfernt. Gegen zusaetzliche Gruenflaechen in Staedten ist nichts einzuwenden. "Mobile Bepflanzungen" an Plaetzen wie den gennanten Plaetzen Knuedler u. Pariser Platz wuerden in der Praxis das gewuenschte Resultat, sprich Abkuehlung nicht nach sich ziehen. Besagte Plaetze sind umringt von schattigen Terrassen. "Mobile Baeume" etc. machen meiner Meinung also in hiesigem Fall nicht unbedingt viel Sinn.

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