Editorial

Klimaschutz kostet – die Klimakatastrophe kostet wesentlich mehr

Ernteausfälle, weniger Besucher, steigende Kosten: Der Sommer zeigt auch in Luxemburg, dass die Klimakrise längst eine wirtschaftliche Rechnung schreibt. Klimaschutz kostet Geld – Nichtstun mehr.

Ein Brand Anfang Juli bei Consdorf zeigt, welche Folgen Hitze und Trockenheit auch in Luxemburg haben

Ein Brand Anfang Juli bei Consdorf zeigt, welche Folgen Hitze und Trockenheit auch in Luxemburg haben Foto: CGDIS

Die bevorstehende Klimakatastrophe gehört zu den größten wirtschaftlichen Gefahren unseres Jahrhunderts. Klimaschutz und Klimaresilienz kosten Geld. Gerade in Zeiten von Krieg, Inflation und Multikrisen geraten solche Investitionen schnell unter Rechtfertigungsdruck. Doch der bisherige Sommer hat uns einen Vorgeschmack gegeben auf das, was uns bevorsteht. Die Erderwärmung hat ihren Preis. Politik, Unternehmen und Gesellschaft können heute in Klimaschutz und Anpassung investieren – oder später ein Vielfaches für die Folgen bezahlen.

Die wirtschaftlichen Schäden der Klimakrise zeigen sich nicht erst in brennenden Wäldern oder zerstörten Häusern, sondern längst auch im Alltag einzelner Betriebe. Das zeigt das „Geméiswierk“ von Gemüsegärtnerin Marie Goergen in Contern. Ihre Regenwasserreserven sind leer, inzwischen muss sie auf Leitungswasser zurückgreifen. Ein Teil der Ernte ist verloren, andere Kulturen bringen weniger Ertrag. Schon jetzt weiß die 27-Jährige: Ihr Betrieb wird den Umsatz des vergangenen Jahres nicht erreichen. „Man muss sich jetzt für Maßnahmen starkmachen. Jetzt protestieren“, sagte sie vergangene Woche im Gespräch mit dem Tageblatt.

Ein paar Kilometer weiter zeigt sich dieselbe Entwicklung auf andere Weise. Im Bettemburger Parc Merveilleux bleiben bei großer Hitze die Besucher weg. Allein im Juni sagten 18 Schulklassen ihren Besuch ab. Gleichzeitig muss der Park Geld für Kühlung, Schatten, Wasserspender und neue Leitungen ausgeben.

Es reicht nicht, die wirtschaftlichen Folgen der Erderwärmung immer wieder abzufedern. Wie teuer die Konsequenzen der Klimakatastrophe werden, zeigt sich momentan auch in Frankreich. Dort sind in diesem Sommer mindestens 120.000 Hektar verbrannt. Eine Gemeinde im Département Var zahlt allein für Versorgung und Unterbringung von 500 Feuerwehrleuten täglich bis zu 20.000 Euro. Danach folgen Reparaturen, Wiederaufforstung, Kosten für Infrastrukturschäden und ausbleibende Tourismuseinnahmen.

Laut der Europäischen Umweltagentur (EEA) haben Wetter- und Klimaextreme zwischen 1980 und 2024 in der EU Schäden von 822 Milliarden Euro verursacht. 208 Milliarden davon entfielen allein auf die letzten vier Jahre dieses Zeitraums. Luxemburg lag im Pro-Kopf-Vergleich der EEA für den Zeitraum 1980 bis 2023 mit 2.694 Euro sogar auf Platz zwei in Europa – nur Slowenien war stärker betroffen.

Und die Kosten dieses Sommers lassen sich nicht einfach als Folge eines einmaligen Extremjahres abhaken. Seit 1947 haben sich die Luxemburger Sommer um gut 0,4 Grad pro Jahrzehnt erwärmt. „Was 1976 ein Jahrhundertsommer war, liegt heute im oberen Normalbereich – und diese Verschiebung wird sich sehr wahrscheinlich fortsetzen“, sagte Luca Mathias von Meteolux vergangene Woche gegenüber dem Tageblatt.

Der menschengemachte Klimawandel ist da – und wird richtig teuer. „Jetzt muss wirklich etwas passieren“, sagte Gemüsegärtnerin Marie Goergen gegenüber dem Tageblatt. Sie hat recht. Natürlich kostet es Geld, Emissionen zu senken und sich an ein heißeres Klima anzupassen. Als Alternative wird oft ein Zustand angenommen, in dem wir dieses Geld einfach behalten können. Dieses Szenario gibt es nicht. Wir können heute investieren, um die Krise zu begrenzen – oder morgen wesentlich mehr dafür bezahlen, ihre Schäden zu reparieren. Sparen können wir uns die Rechnung nicht mehr.

4 Kommentare
domeinhorn 18.08.202603:39 Uhr

Die aufschlussreichste Zahl steht in der Mitte: 822 Milliarden Euro Schäden in der EU zwischen 1980 und 2024, davon 208 Milliarden allein in den letzten vier Jahren. Ein Viertel des Schadens aus 45 Jahren entfällt auf weniger als ein Zehntel der Zeit. Das ist keine lineare Entwicklung mehr.

Am meisten leuchtet mir Marie Goergens Fall ein, weil er zeigt, wie diese Kosten wirklich anfallen: nicht als Katastrophe, sondern als Betriebsergebnis. Leere Regenwasserreserven, Teilausfall der Ernte, Umsatzziel verfehlt. Kein Bild fürs Fernsehen, sondern eine Bilanz, die nicht mehr aufgeht.

Und ein Punkt, den der Kommentar nur streift: die Versicherbarkeit. Wo Versicherer sich zurückziehen, verschwinden die Schäden nicht, sie werden nur nicht mehr gezählt.

Nomi 17.08.202617:02 Uhr

Betreffend Photo vum Artikel:
Wann een dat fault Holz do geseit um Buedem lei'en wat nemmen rifft : "Fei'er, komm, verbrenn mech" beweist dat di Greng mat hirer Urwaldthéorie um Holzperd sinn.
Holz ass eng natierlech, ernei'erbar Resource dei' d'Natur eis gett fir ze notzen .

Mir mussen eis Boesscher rem entrumpelen, botzen, Hackschnetzel draus machen, fir dass naischt brennbares do leit, Dono kennt den Reen och mol rem bis an den Buedem !!!

Nomi 17.08.202613:24 Uhr

Leif Politik: Et geht net mat Veboter an Obligatio'unen fir den Bierger.

Et gett nemmen besser mat Edukatio'un, Motivatio'un, Iwerzegung vun den Bierger fir bei Aktio'unen an eisen allen Behuelen vis à vis vun der Natur freiwelleg matzemaachen !

Ech hun seit e puer Meint eng Photovoltaik Anlaag an Betrieb. Kascht mech Netto 12000€. Mee daat ass mei Beitraag zur Klimakris fir mein Stro'um an Haus an vun mengem Hybrid selwer ze produzei'eren. Dei'eren Petrol an seng Pollutio'un juckt mech net mei' dei' Bo'un !

Weini huelen den Staat an d'Gemengen hir Responsabilitei't fir och Photovoltaik ob den oeffentlechen Gebai'er Scho'ulen an Sportshaalen ze installei'eren ??

JJ 17.08.202608:10 Uhr

Wir wissen seit 50 Jahren was kommen würde. Jetzt liegt die Karre im Dreck weil zu spät reagiert wurde.Aber sogar wenn Europa,wie heuer,im Alleingang die Welt retten möchte,solange die Großen nicht mitmachen ist der Kampf aussichtslos. Und Indien,Afrika und Lateinamerika wollen auch was vom Kuchen.Hinzu kommen die 8 Milliarden Mäuler die ernährt werden wollen. Die Natur wird das nicht zulassen. Zweimal Wintersport und einmal Malle? Die Zeiten sind vorbei.

Joss antwortete am 17.08.202612:57 Uhr

"Zweimal Wintersport und einmal Malle? Die Zeiten sind vorbei."
Aha. Dovun hun ech näischt matkrit. Firwat soll dat dann eriwer sin? Ech war zwar net zu Malle, awer 3x Schi fueren.

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