Editorial

Pfefferspray und Schreckschusspistolen: Warum mehr Waffen keine Lösung sind

Eine Petition fordert, Pfefferspray und Schreckschusswaffen in Luxemburg zu legalisieren. Das Argument: Gesetzestreue Bürger sollen sich gegen Angreifer verteidigen können. Ein Schuss, der nach hinten losgehen könnte.

Das Bild zeigt eine Schreckschusspistole, wie sie in Deutschland mit dem kleinen Waffenschein erhältlich ist

Das Bild zeigt eine Schreckschusspistole, wie sie in Deutschland mit dem kleinen Waffenschein erhältlich ist Foto: dpa/Carsten Rehder

Sollten Pfefferspray und Schreckschusswaffen in Luxemburg legalisiert werden? Auf diese Frage müssen die Abgeordneten aller Wahrscheinlichkeit nach bald eine Antwort finden. Denn eine Petition mit just dieser Forderung hat in nur einer Woche bereits über die Hälfte der 5.500 notwendigen Unterschriften erhalten. Ziel soll es sein, „gesetzestreuen Bürgern“ eine Möglichkeit zu geben, sich zu bewaffnen, um sich vor Angreifern schützen zu können.

„Da sich Kriminelle per Definition nicht an Verbote halten, entwaffnet das aktuelle Totalverbot lediglich die potenziellen Opfer und verurteilt sie zu absoluter Passivität“, schreibt der Petitionär Alexandre Titeux (DP). Auch die Jugendorganisation der DP, „Jonk Demokraten“, forderte Anfang 2025 eine Legalisierung von Pfefferspray. Ihnen geht es eigenen Aussagen zufolge um die Sicherheit von Frauen, denn „es fehlt oft an praktischen Mitteln, die es Betroffenen ermöglichen, sich in akuten Gefahrensituationen selbst zu verteidigen“. Titeux zählt Frauen gar zu den „vulnerabelsten Gruppen der Gesellschaft“.

Schluss mit Bevormundung

Noch während die Petition weiter unterschrieben wird, ruft die feministische Vereinigung „Ask for Angela“ unabhängig davon zu einem friedlichen Marsch durch die Stadt Luxemburg auf – unabhängig, da die Aktion am Freitag geplant war, ehe die Petition online ging. Der Clou: „Ask for Angela“ wird satirisch Gegenstände präsentieren, die Frauen zum Schutz mit sich führen sollen. „Frauen wird ständig vorgeschrieben, was sie bei sich tragen, wohin sie gehen und wie sie sich verhalten sollen, wenn sie angegriffen werden“, schrieb die Vereinigung vor zwei Wochen in einer Pressemitteilung. „Wo bleibt die Dringlichkeit, Männer von vornherein davon abzuhalten, überhaupt anzugreifen?“

Sollen Frauen nun bewaffnet oder Männer entwaffnet werden? Titeux beruft sich bei seiner Petition auf das „bewährte“ deutsche Modell. Dort sind das Kaufen und Tragen von Schreckschusswaffen und Pfefferspray erlaubt. Nur: Laut Bundeskriminalamt sind Bedrohungen mit Schusswaffen in den vergangenen zehn Jahren um 20 Prozent gestiegen. Auch Straftaten mit Pfefferspray haben sich Medienberichten zufolge allein in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Teilweise wird nur zum Spaß damit in Bussen und auf Partys herumgesprüht.

Ein Schuss nach hinten

Und genau da liegt der Denkfehler bei der Forderung nach Waffen: Trotz der Einsicht, dass „Kriminelle sich per Definition nicht an Verbote halten“, fehlt die nächstliegende Schlussfolgerung, dass Schreckschusswaffen und Pfefferspray in die Hände von Gewalttätern oder gar Jugendlichen gelangen könnten. Und niemand will in der Haut eines Polizisten stecken, der in wenigen Sekunden entscheiden muss, ob ein Minderjähriger eine echte Waffe oder eine Schreckschusspistole in der Hand hält.

Nicht auszudenken, welche Folgen TikTok-Challenges in Verbindung mit leicht zugänglichen Waffen haben könnten – oder wie viele unbescholtene Bürger sich im Falle des Falles in aller Panik selbst verletzen würden, ganz nach „Murphy’s law“: „Alles, was schiefgehen kann, wird schiefgehen.“

Also ja, wo bleibt die Dringlichkeit, Männer von vornherein davon abzuhalten, überhaupt anzugreifen? Statt einer zivilen Aufrüstungsspirale wäre es tatsächlich mal an der Zeit, die Hintergründe von Gewalt aufzuarbeiten und die Ursachen zu bekämpfen – etwa Bildungslücken, soziale Ungleichheit und patriarchale Machtstrukturen. Es liegt in der DNA einer liberalen Politik, gesellschaftliche Verantwortung in die Hände von Einzelnen abzugeben. Doch die Parole „Schützt euch selbst!“ hat in einem Staat, der es mit Gleichstellung und Sicherheit ernst meint, nichts verloren.

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5 Kommentare
Joss 05.10.202609:13 Uhr

Ech fannen doheem soll een Pefferspray legal dierfen hun, fir sech géint en Iwerfall ze verteidegen. Op der Strooss huet et net onbedéngt eppes verluer.

Manfred Reinertz Barriera 03.10.202607:36 Uhr

In einigen US-Staaten kann man ja auch lethale Waffen besitzen und trotzdem gibt es dort Gewalt gegen die Frauen. Wer hier gefordert ist, ist auch der Staat, um z.B. öffentliche Sicherheit zu gewährleisten und in der Erziehung und Bildung.

Nomi antwortete am 06.10.202614:19 Uhr

Bildung gett et an der Schoi'ul, mee Erzei'hung muss vun den Elteren kommen !!
An beim zweeten happert et seit 30 Johr !

Also mussen d'Elteren an d'Plicht heholl ginn wann hiren Nowues eng gestiicht huet !!

Dunord Hagard 02.10.202616:23 Uhr

Die Frage müsste lauten: „Warum weniger Waffen eine Lösung sind?“
Die Polizei ist überlastet und schreitet personalbedingt nur in wenigen ernsten Fällen ein. Ausserdem beschränkt sich ihre Aufgabe mehr oder weniger auf Papierkram, Protokollaufnahme, Interviews, als reellen Personenschutz. Da kommt einem schon der Gedanke… „Bis die hier sind, bin ich mein Porte-monnaie und Handy los… und eventuell auch paar Zähne!“

Provokatioun an der Justiz 02.10.202614:43 Uhr

An den USA hunn ech schonn Videoen gesinn vun Leit di express owes d'Dier opstoen loossen fir dass d'Abriecher rakommen an fir dass de Propriétaire vum Haus kann drop schéissen. Just fir ze weisen, wéi alles kann no hannen las goen. All Waff fördert d'Provokatioun. Hunn och schonn e Video gesinn wou en Autosfuerer express provozéiert huet bis den aneren rausgeklomm ass, an dun huet de Provokateur geschoss. Ech sot nach emmer, dass Provokatioun muss gudd definéiert ginn an der Justiz.

Joss antwortete am 05.10.202609:14 Uhr

Och wann d'Dier opsteet, wien rageet as selwer Schold.

ups antwortete am 02.10.202618:23 Uhr

Passt op op Videosen

Jek Hyde 02.10.202610:39 Uhr

Op kee Fall Schreckschosswaffen

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