Weinlese 2026

Der Jahrgang 2026 wird ausgezeichnet, aber viele Flaschen wird es nicht geben

Luxemburgs Winzer haben in diesem Jahr so früh mit der Lese begonnen wie nie zuvor. Die lange Trockenheit kostet sie bis zu 40 Prozent der Menge. Die Qualität sei trotzdem außergewöhnlich gut, hieß es am Freitag beim traditionellen Saisonauftakt an der Mosel.

Die Ministerin ließ es sich nicht nehmen, selbst Hand anzulegen

Die Ministerin ließ es sich nicht nehmen, selbst Hand anzulegen Foto: Editpress/Didier Sylvestre

Die Trauben hängen dünner als in normalen Jahren. Zuversichtlich sind Luxemburgs Winzer trotzdem. Man rechne bei der Menge mit einem Rückgang von 30 bis 40 Prozent, sagte Josy Gloden, Präsident der Winzergenossenschaft Domaines Vinsmoselle, am Freitagnachmittag. Die Qualität sei in diesem Jahr dafür außergewöhnlich gut.

Zum Auftakt der Saison hatte das „Institut viti-vinicole“ (IVV) an die Mosel geladen. Mit dabei waren Weinbauministerin Martine Hansen (CSV) und Chamber-Präsident Claude Wiseler (CSV).

So früh wurde noch nie gelesen

Ein teils milder Winter, ein schneller Frühling, dann Hitze und wochenlange Trockenheit: Die Saison 2026 beginnt so früh wie keine zuvor. Bereits am 17. August griffen die ersten Winzer zur Rebschere.

Die Trockenheit hat wenig Saft in den Beeren gelassen. Der Zuckergehalt ist entsprechend hoch, der Alkoholgehalt des künftigen Weins ebenfalls. Zu erwarten seien fruchtige, süße Weine mit mehr Alkohol, so Gloden. An der Qualität fehle es deshalb nicht.

Das zeigte sich auch bei der Verkostung des „Fiederwäissen“, auf den Hansen nach eigener Aussage lange gewartet hatte. Für die Ministerin ist es die dritte Weinsaison seit ihrem Amtsantritt. Sie nannte den Jahrgang „klein, aber fein“ und wünschte allen Beteiligten „eine erfolgreiche Weinlese und eine hochwertige Ernte“.

Gesetz soll noch im September kommen

Gelesen wird von Hand. Das kostet Arbeitskraft und setzt eine enge Zusammenarbeit zwischen den Betrieben und ihren Partnern voraus, darunter der „Fonds de solidarité viticole“ und die Privatwinzer.

Hansen und Wiseler zeigten sich zuversichtlich, dass die Chamber das Gesetzesprojekt zu den Gelegenheitsarbeitern noch in diesem Monat stimmt, rechtzeitig zur laufenden Saison. Am Entwurf habe es Ende Juli nur Änderungsvorschläge technischer Art gegeben, sagte der Chamber-Präsident.

Was der Rebstock sich merkt

Beim Anschnitt am Freitagnachmittag zeigte sich, wie gleichmäßig die Trauben in diesem Jahr gereift sind. In einem einzigen Durchgang war alles erntereif. Das spreche für die Qualität des Jahrgangs, sagte Henri Knaff, Präsident des „Office national du remembrement“ (ONR), gegenüber dem Tageblatt.

Ein Rebstock lebt 60 bis 80 Jahre. Gute und schlechte Jahre lassen sich an ihm noch lange ablesen, ähnlich wie an einer Börsenkurve. Vorhersagen sind in der Landwirtschaft schwierig. Anpassen müssen sich die Betriebe trotzdem. Der Klimawandel setzt dem Riesling zu. Luxemburg werde deshalb künftig stärker auf Rotwein setzen müssen.

Höhere Preise sind keine Lösung

Ein Minus von 30 bis 40 Prozent lasse sich auf Dauer nicht hinnehmen, sagte Knaff. Über den Preis auffangen lasse es sich ebenfalls nicht. Wer die Flasche im gleichen Maß verteuert, treibt die Kundschaft zu billigeren Weinen aus dem Ausland. Nötig seien deshalb Maßnahmen, die den Luxemburger Weinbau langfristig erhalten.

1 Kommentare
Guy Mathey 04.09.202620:24 Uhr

Allgemein wird bekanntlich weniger Wein, ja weniger alkoholhaltige Getränke insgesamt konsumiert, was in Anbetracht der gesundheitsschädigenden Wirkung des Alkohols überaus erfreulich ist.
Seitens des Staates gilt es also diese positive Entwicklung künftig verstärkt zu fördern und zu unterstützen, anstatt öffentliche Gelder in den gesundheitsschädigenden Weinbau zu investieren.
Natürlich dürfen die Winzer nicht einfach abserviert werden, so sollte etwa die Herstellung biologischer, alkoholfreier Weine und Getränke gefördert werden, genau, wie biologischer Obstanbau auf bisherigen Rebflächen oder etwa die Installation von Photovoltaikanlagen.
Innovieren für die Zukunft muss die Devise lauten, anstatt sich an etwas Ewiggestrigen festzuklammern. Und nein, der konventionelle Weinbau, ob in Luxemburg oder anderswo, muss keineswegs langfristig subventioniert und erhalten werden.

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